Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- 12 (Oktober 1934)
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 13 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Französische Juden und Pariser lurjonvioftol v°" Lot.. Das letzte Ghetto der Pariser Juden vor der Revolution waren die heute in keinem Baedeker mehr auffindbaren Quartiers von Saint-Martin und Saint A n d r e-d e s-A r t s. Es umfaßte nur eine sehr kleine Gemeinde von ungefähr 500 Mitgliedern. Aus den Registern, welche die Juden gleich allen anderen Nichtkatholiken über ihre Geburten, Heiraten, Berufe und Beerdigungen zu führen gezwungen waren, erhellt, daß in der ganzen Zeit von 1717 bis 1789 nicht mehr Älte Gasse im Pariser Judenviertel als nur 171 Todesfälle zu verzeichnen waren. Von den höchstens im ganzen Reich ansässigen 30.(100 Juden fiel die weitaus größte Anzahl von 20.000 auf den Elsaß, auf denen der schwerste Druck lag und die auch am längsten während der Revolution auf die Gewährung der Bürgerrechte warten mußten; 2000 kamen auf Lothringen und Metz und die übrigen setzten sich aus sehr kleinen Gemeinden zusammen, die nach der letzten Judenvertreibung unter Karl VI. zumeist in den Päpstlichen Gebieten innerhalb Frankreichs, in Avignon, Carpentras und der Grafschaft Venaissin Zuflucht gefunden hatten. Nachdem am 27. September 1701 alle französischen Juden von der Konstituierenden Versammlung nach rastlosen Bemühungen, u iterstützt von Abbe G r e g o i r e, Mir a b e a u und R o b e s p i e r r e u. a., das französische Bürgen-echt und die Zusicherung der freien Ausübung ihres religiösen Kultes erhalten hatten, siedelten sie als Pariser Bürger freizügig in alie Quartiers der Stadt über. Nicht, daß sie den Zusammenhang mit der alten Gemeinde verloren hätten. Schon früh gab es bei den Pariser Juden „Confreries israelites", jüdische Genossenschaften zu brüderlicher Barmherzigkeit, die Krankenpflege und weitreichende Armenunterstützung ausübten. Zu Zeiten der Revou ion kannte man sieben verschiedene Vereinigungen, welche die verhältnismäßig stattliche Anzahl von 212 Mitgliedern aufwies. Später schmolz das Konsistorium im Jahre 1800 die sieben Brüderschaften in eine einzige Hilfsgesellschaft zusammen. Am klarsten überblickt man die Geschichte der französischen Juden in drei Abteilungen: Die aufblühende glanzvolle Zeit vom Reich der letzten römischen Kaiser an bis zu den Kreuzzügen. Das mittelalterliche Judentum des Ghettos, der Verfolgungen und Unterdrückung bis zur letzten Vertreibung der Juden aus Frankreich unter Karl VI. Gotisdies Haus in der Rue VieiHe du 'Temple 13