Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- 12 (Oktober 1934)
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 12 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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PÄVDP W©1IFIFS®IKIIMI__ Zum 20. Todestag DüVid Wülffsohn Sein Wahlspruch: ps Hrwt zv nnst \rn.x ncci rnx Es war in den ersten Wochen nach Kriegsbeginn. Eine Welt stand gegeneinander. Der Freund von gestern war zum Feind von heute geworden. Weltkrieg! Keine der Friedensideen und Friedensparolen, keine Idee einer Internationale konnte das Blutbad verhindern. Die vordem moderne Parole „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!" war vergessen. So wie die Arbeiter aller Staaten, so griffen auch die Juden als treue Bürger ihrer Heimat zu den Waffen und taten ihre Pflicht; auch Juden gegen Juden, nicht wenige im Gedenken an die Bedeutung und die Tragik von Theodor Herzls Wort: „Wir sind ein Volk, ein Volk!" — In diese Zeit, in die Anfangswochen des Kriegssturmes, fiel der Tod des David Wolffsohn, Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation, am 14. September 1914. David Wolffsohn war der Nachfolger Theodor Herzls als Führer der Zionisten gewesen; Herzl hatte ihn selbst zum Nachfolger bestimmt gehabt, da er ihn als seinen treuesten und besten Mitarbeiter erkannt hatte. Wolffsohn mußie so das Werk des Schöpfers der Organisation bewahren, er mußte einen seltenen Menschen ersetzen, der — wie vor allem Wolffsohn selbst am deutlichsten erkannt hatte unersetzlich war. Seine Aufgabe war es, Herzls Ideen und Grundsätze zu bewahren, in einer schweren Zeit, da nach dem Tode des Meisters die meisten die Lehre Herzls verbessern zu müssen vermeinte David Wolffsohns Wiege siand in Litauen. Als Herzl seinem Treuesten ein Denkmal in seinem Roman „Altneuland" setzte, nannte er den Romanhelden, der den Freund darstellen sollte, Dawid Litwak. Wie Herzl ihn schätzte, kann man aus den menschlichen Zügen dieses Dawid Litwak deutlich ersehen. Wenn Herzl dieser Romanfigur auch eine überragende Opferbereitschaft für die Idee verlieh, tiefstes Verstehen des Judentums und seiner Eigenart, dann hatte er seine Schätzung Wolffsohns deutlich dokumentiert. Und er tat es mit Recht. Er bewies, auf Herzls Posten gestellt, ungeheure Arbeitskraft, Opfermut und Kämpferkraft für das reine Herzlideal eines von allen Staaten der Welt anerkannten Judenstaates. Wolffsohn selbst bewies nicht nur im Festhalten an Herzls Gedanken seine bedingungslose Verehrung für den toten Führer und Freund. Bewußt oder unbewußt, er ahmte Herzl auch im Gehaben täuschend nach. Auf Herzls Tribüne, dem Zionistenkongreß, der nach Herzls Tod oft in Unfruchtbarkeit auszuarten drohte, verstand es Wolffsohn, oft durch ein rechtes Wort und durch ein aus seinem weiten jüdischen Wissen geschöpftes Gleichnis und durch sein Feuer, die Entscheidung herbeizuführen und Herzls Werk zusammenzuhalten. Wolffsohn wurde rasch vergessen und an einem Beispiel sei zu seinem 20. Todestag daran erinnert, daß nur ein Volk, das seine Führer ehrt, ihrer würdig bleibt. Wolffsohn hat sein Vermögen der zionistischen Organisation hinterlassen, damit „für allgemein jüdische, möglichst zionistische Zwecke" eine Nationalbibliothek in Jerusalem errichtet werden könnt«!. Diese Stiftung ist heule ein Stolz des Weltjudentums und sein Beispiel fand oft reiche Nachahmung. Aber nur ein kleines Täfelchen erinnert an den „Stüter" des stolzen Hausen, das keineswegs seinen Namen trägt. Nur ein verlorenes üäßchen in Tel Aviv trägt seinen Namen. Keine der vielen Kolonien hat sich seiner erinnert, als es darum ging, der Siedlung einen würdigen Namen zu geben. Wolffsohn hatte nicht das Glück, die Balfour- Deklaration zu erleben. Er konnte nur hoffen und ahnen, daß sein Mühen um die Bewahrung des Erbes Theodor Herzls rasch Früchte tragen sollte. An der jüdischen Jugend in Erez Israel liegt es, den Namen dessen zu ehren, dem sie neben Herzl in erster Linie ihre neue jüdische Heimat zu danken hat. 12