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Wiener jüdisches Familienblatt · 1934-10-01 · 12 (Oktober 1934) · p. Seite 9

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Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
2 (1934)
Issue
12 (Oktober 1934)
Date
1934-10-01
Page
Seite 9 (sequence 11)
Language
German
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kein besonderes Verdienst darstelle, sondern selbstverständliche Pflichterfüllung, wie sie von allen Frontsoldaten der anderen Nationen und Konfessionen erbracht wurden, kein Opfer, sondern eine selbstlose üabe am Altar des Vaterlandes. Es liegt im Wesen jüdischer Weltauffassung und jüdischen ülaubens, daß wir, wenn die Stunde uns ruft, Out und Blut für Heimat und Vaterland herzugeben bereit sind. Die Urabsteine, die hier stehen, sollen das Verdienst der hier Schlummernden künden, aber auch den Frieden für die ganze Welt. Kein Mißklang soll diese herrliche Stunde stören. Schweigen wir über alles, was an Mißverstehen, was an minderer Einschätzung des Wertes unserer Leistungen uns an Unbill widerfahren ist. Wie die im Tode Ruhenden alle Brüder sind, so wollen auch wir im Leben alle Brüder sein! So rufe ich: Friede den Nahen und Fernen, nicht nur der Frieden der Gräber, sondern Frieden für die Welt und unsere geliebte Heimat Oesterreich! Diese Gräber sind Zeugen unserer Liebe zum Vaterland, unseres rückhaltslosen unbedingten Bekenntnisses zu Oesterreich, jene.; Bekenntnisses, das mit unserem Blute besiegelt und bezeugt wurde. Flierauf ergriffen die Vertreter der Behörden das Wort. Es sprach Gmj. C z u 1 i k, der in ergreifenden Worten die Leiden der Opfer des Weltkrieges schilderte. Lorbeer als Anerkennung, Blumen als Grüßet stille Tränen als Perlen tiefsten Empfindens gebühren diesen Gräbern. Der Opfertod dieser Kameraden ist uns heilig. Er legt uns ein großes Vermächtnis auf, unsere Pflicht weiter zu tun, Treue in unbegrenzter Liebe zu unserem Vaterlande zu bewahren, unwandelbare patriotische Gesinnung an den Tag zu legen, treu Ehrengäste bei der Defilierung unserem hingemordeten Führer Dr. Dollfuß, treu der österreichischen Idee. So mögen denn diese Grabsteine, die heute in treuer Kameradschaft vom BJF errichtet wurden, die Erinnerung wachrufen an die Blutzeugen der Liebe zum Vaterlande. Der in Vertretung des Bundeskanzler Doktor S e h u s c h n i g g erschienene Reichsführer-Stellvertretei der Ostmärkischen Sturmseharen, Major a. I). Dr. K i m m e 1, hielt eine zündende Ansprache. Er erklärte, an diesem Weihetag des BJF als Vertreter der üstmärkischen Sturmscharen hergekommen zu sein, um an den jüdischen Heldengräbern einen Lorbeerkranz niederzulegen, zum Zeichen inniger Verbundenheit in altösterreichischer Kameradschaft. Wie das Heldendenkmal für alle Gefalleneu des Weltkrieges, ohne Unterschied der Konfession und Nation bestimmt ist, so wollen die Ostmärkischen Sturnischarcn auch bei der Weihe dieser Gräber versiehern, daß wir ein- Der Vertreter des Landesverteidigungsministeriums, Gm/. Klepsch schreitet die Front der ausgerückten Formationen ah mutig zu allen Kameraden des Weltkrieges stehen. Das Lied vom guten Kameraden ist ein Symbol dieser Verbundenheit. Wir sind bereit, für Oesterreich, wenn sein Frieden gestört werden sollte, mit der Waffe in der Hand miteinander zu marschieren und in diesem Kampfe durch den Sieg zum wirkliehen Frieden zu kommen. „Und so grüße ich hier Ihre toten Kameraden, die auch unsere Kameraden sind, nicht nur selbst als alter Frontsoldat, sondern auch namens aller Frontsoldaten der Ostmärkischen Sturmscharen.'- Gmj. Hoppe verwies in einer ausführlichen Darstellung auf Grund seiner langjährigen Felderfahrung auf die ausgezeichneten Leistungen der jüdischen Frontsoldaten, von denen einer ihm das Leben gerettet habe. Als Präsident des „Schwarzen Kreuzes" habe er während seiner Tätigkeit in den Kriegsgefaugenengebieten stets die besondere Unterstützung der jüdischen Kameraden gefunden, die ihm aus der Gefangenschaft geholfen haben. Er gab seiner Entrüstung Ausdruck über die gewissenlose Hetze, welche die Leistungen der Juden im Weltkriege herabsetzen will, wiewohl es unter den Juden so viele Familien gäbe, die ihre im Kriege gefallenen Väter, Gatten und Söhne beweinen. Nach Abschluß der Feier fand auf der Simmeringer Hauptstraße die Defilierung einer Kompagnie des Buudesheeres sowie dreier Regimenter des BJF unter dem Kommando des Bundesführer-Stellvertreters S t i a ß n y vor dem Vertreter des Staatssekretärs für Heerwesen, Gmj. Klepsch, und dem Bundesführer Hptm. a. D. Edl. v. Friedmann statt. An der Kundgebung hatten ungefähr 30.000 Mensehen teilgenommen 9

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