Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- 12 (Oktober 1934)
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 8 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Heldengedenkfeier iiiiiiiimiiiiimiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Sonntag, den 16. v. M., vormittags, fand auf dem Zentralfriedhof die vom Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs veranstaltete Heldengedenkfeier statt, die mit einer Gräber- und Denksteinweihe verbunden war. Der Heldenfriedhof konnte die Tausende, die aus diesem Anlaß erschienen waren, kaum fassen. Es Defilierung der niahfuniformierten Formationen des D. J. F. hatten sich zu dieser Feier neben den offiziellen Persönlichkeiten, den Vertretern der Bundesregierung, des Bundesheeres, der Generalität, der Schutzformationen, der Vaterländischen Front, der Stadt Wien, der Kameradschafts-, Krieger- und Kriegsopferverbände die Vertreter der Wiener und auswärtigen Kultusgemeinden, sowie zahlreicher jüdischer Vereinigungen, ferner Abordnungen der jüdischen Frontkämpfer sämtlicher Bundesländer und des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten Deutschlands eingefunden. Ferner waren zahlreiche jüdische Kriegsinvalide, ordengeschmückte Frontkämpfer der ruhmreichen alten Armee und Kriegsmarine sowie eine außerordentlich große Zahl von Angehörigen der im Felde gefallenen jüdischen Krieger erschienen. Die offiziellen Persönlichkeiten wurden durch den Bundesführer des „Bundes jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs" Hauptmann a. I). Sigmund Edlen van F r i e d m a n n und den Vorsitzenden des Exekutivkomitees, Ritter des Leopoldsordens Hptm. d. Res. Dr. Fritz Benedikt vor dem Mausoleum auf dem jüdischen Heldenfriedhofe in militärischer Weise empfangen. Im Mausoleum selbst waren von den verschiedenen Abordnungen Lorbeerkränze und Blumen - gewinde niedergelegt worden. Vor dem Mausoleum erstrecken sich zwei große Gräberfelder, auf welche:] viele hunderte jüdische Kriegsgefallene bestattet sind, denen nunmehr durch den „Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs" die ersten hundert Grabsteine gesetzt wurden. Die Postamente vor den Gräbern tragen die Inschrift: „Den hier ruhenden jüdischen Helden des Weltkrieges 1914—1918 und allen in *"remder Erde ruhenden jüdischen Helden des Weltkrieges zum ehrenden Gedenken gewidmet. Der Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs." Eingeleitet wurde die Feier durch einen von Oberkantor Fischer und dem Chor der Kultus - gemeinde vorgetragenen Trauerchoral. Hierauf sprach Jakob Feldhammer einen von Ldst.-Fähnrich Alfred Winzer verfaßten Prolog in tief empfundenerWeise- Sodann begrüßte der Bundesführer Hptm. Edler von Friedmann die offiziellen Persönlichkeiten und Frontkameraden und führte in seiner Begrüßungsansprache aus: „Wir haben uns hier versammelt, um jener Männer in Trauer zu gedenken, welche ihr Leben für das Vaterland geopfert haben. Eingedenk des gemeinsamen Kampfes wollen wir in unsere Trauer auch alle toten Helden einschließen und nicht zuletzt gilt unser heutiger Gedenktag dem verewigten Bundeskanzler Dr. Engelbert Dollfuß, der als Soldat im Dienste des Vaterlandes den Heldentod gefunden hat. Im Sinne dieses gemeinsamen Gedenkens haben wir heute am Grabe unseres Heldenkanzlers und auf dem katholischen Heldenfriedhof Kränze niedergelegt. Auf allen Schlachtfeldern geben unzählige Grabhügel Kunde von jüdischer Tapferkeit und Vaterlandstreue, in unzähligen Massengräbern liegen die toten Helden ohne Unterschied der Religion und Nationalität im Tode vereint als stumme Zeugen eines gemeinsamen Kampfes für ein gemeinsames Vaterland. Kameraden! die ihr euer Leben dem Vaterlande geopfert habet, durch euren Heldentod habt ihr den stärksten Be- Sammlung der Ehrenkompagnie des B. J. F. vor der Zeremonienhalle weis für jüdische Vaterlandstreue geliefert! Ihr habet gleichberechtigt mit allen anderen Söhnen der Heimat gekämpft, ihr seid gleichberechtigt mit ihnen in den Tod gegangen. Gleichberechtigung im Sterben, aber auch Gleichberechtigung im Leben!" Nachdem die Musikkapellen tlas „Gebet vor der Schlacht" vorgetragen hatten, hielt Oberrabbiner Doktor Feuchtwang die Gedenkrede, in der er hervorhob, daß der Heldentod der jüdischen Frontsoldaten 8