Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- 12 (Oktober 1934)
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 5 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Leben verabschiedet ____ W c durch ein Wunder entgehe ich dem Feuer .... Es wird natürlich bald bekannt, was ich detail habe. Mit herzlicher Freude begrüßen mich die Offiziere und meine Tat. Tags darauf habe ich schon wieder Dienst: Tra'nkassawache .... 10. September. .... Früh um halb fünf ist Alarm ---- die Kanonen schießen .... Während der Schlacht fiel Paul Fürth (sein Bruder Eduard fand kurze Zeit darauf den Heldentod (Anin. der Red.) .... daß er einen toten Einjährigen sah, der den Kopf gespalten und ein Bein und eine Hand weggerissen hatte .... 21. September. 6 Uhr Alarm .... Wir haben Neujahrstag, doch ich weiß es nur, weil der liebe Vater mir das geschrieben hat. Sonst ist in mir keine andachtsvolle Stimmung, ich höre nur ununterbrochen Kanonendonner .... Gott stehe uns im Kampf Brennende Stadl bei; darum bete ich heute an unserem ersten Neujahrstage. Wäre es doch möglich, den heiligen Jörn Kippur zuhause zu feiern. Leider wird wohl dieser Wunsch .... Ich bete auch für die Gesundheit meiner teuren Eltern, meiner Geschwister und deren ganzen Familien, besonders der Kinder und der Schwäger, die im Kriege sind, und deren Brüder .... 22. September. Es ist heute zweiter Tag Neujahr .... und mir ist es nicht möglich, irgendwie das Fest zu feiern . . ■ ■ .... Es steht uns eine schwere Aufgabe zu ... Bleibe ieli leben? .... 1. Oktober. .... Ungefähr zwei Stunden sitzen wir sehr gemütlich in meiner Deckung, als plötzlich gerufen wird: „Charvat, Kraus, zum Oberleutnant!" Wir gehen zu ihm .... Kraus, in erster Linie muß ich Ihnen gratulieren, Sie sind Kadett!" .... während der Nacht ein furchtbares Feuer..." Die Aufzeichnungen hören bald auf. Kadett Kraus wird von einem Geschoß getroffen und der junge Student stirbt den Heldentod für Oesterreich. Sicherlieh singt man noch heute seine Lieder. Orchester nehmen noch seine Werke in ihr Programm auf! Der erste Kapellmeister bei Max Reinhardt, der Komponist mehrerer Opern und ausgezeichnete Musiker Aladar Rad 6 ist als Leutnant der Reserve am serbischen Kriegsschauplatz gefallen. Ein Sehreiben des Kommandanten der I. 6$. Marschkompagnie: „Rotes Blut fließt vom grauen Bleistift, wie ich diese Zeilen schreibe; rotes Blut, welches von unseren Heizen in großen schweren Tropfen herunterfällt, um mit Ihren Tränen zusammenzufließen. Unser Freund Aladar, Ihr über alles geliebter Sohn, unser bester Kamerad, hat im Kampfe bei Boljevci am 9. September den Heldentod gefunden. Sein Körper ruht im Garten des Jakovoer Gemeindehauses, aber seine Seele schwingt oben unter den Sternen und sucht in der Musik der Sphären das ewig Schöne. Die jetzigen erregten Zeiten, die über uns wüten, sind nicht geeignet, auch nur anzudeuten, w a s uns Aladar war! Im Dienste der vorzüglichste Soldat, der die vollste Zufriedenheit aller seiner Vorgesetzten erobert hat, war er das Ideal -eines vollkommenen Soldaten. Außer Dienst der beste Freund, der zärtlichste Kamerad, der mit seiner bewunderungswürdigen Intelligenz und mit seinem Wissen alle seine Kameraden entzückt hat. Den Soldaten haben wir in ihm geehrt, den Menschen angebetet. Unser Schmerz, ist viel größer, wir betrachten unseren süßen Freund viel mehr als Toten, aLs daß wir Sie, schmerz - erfüllte Zurückgebliebene, trösten könnten. Ueberlassen Sie die Linderung Ihres Schmerzes der Zeit und Gott. Wir teilen Ihren Schmerz mit aufrichtigem Herzen ..." i Josef Mandl, geboren zu Gaya in Mähren, maturierte in Wien und beschäftigte sieh gerne mit Uebersetzungen; besonders bekannt war im Kriegsjahr das Gedicht „Gift aus Judüa" vom tschechischen Dichter J. S. Machar, welches der junge Mandl ins Deutsche übertrug. Als die Völker zu den Waffen griffen, war er 22 Jahre alt. Er kam zum Infanterie-Regiment Nr. 99 und gegen Ende 1914 marschierte er nach Russisch- Polen. Bei Tomaschow wird er gefangen. Er flüchtet, rückt nochmals ein — und findet den Tod. . m . T(f Jüdische Kriegsflüditlinge Feldpostkarten Mandls an seine Eltern: ,, ... Du fragst mich, ob ich schon geschossen habe. Das kommt mir gerade so vor, als hättest Du mich, Mami, als ich in London ein halbes Jahr gewesen war, gefragt) ob ich schon einen englischen Satz gesprochen habe. Vielleicht könntet Ihr mir eine genaue Karte vom Kriegsschauplatz senden, jedoch es müßten auch die kleineren Plätze darauf sein .... 5