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Wiener jüdisches Familienblatt · 1934-10-01 · 12 (Oktober 1934) · p. Seite 4

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Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
2 (1934)
Issue
12 (Oktober 1934)
Date
1934-10-01
Page
Seite 4 (sequence 6)
Language
German
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Josef Frankel: Dem „Ungenannten llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllHIIIIHIIIIIIIIIIIIIIIIIIUlimillHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIllllll jüdischen Soldaten"! •■■■■■iiiiitiiiiiiit.....iiiiiiiiiiiiiiiEiiiiiifiiciiiieaEBiiiiiiiiiiiiiiiisiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiaaiiisii.....■■■■iiintiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiaiiiiiiii „Ich kann Ihnen nur sagen", meinte der deutsche Botschafter, Graf von Berns tqrff gegen Ende des Jahres 1914, „daß unsere jüdischen Soldaten sich glänzend schlagen. Sie sind tapter, mutig und intelligent und unsere Regierung weiß das zu schätzen . . , daß sie tapfer und heldenmütig gekämpft und sowohl die deutsche Regierung als das deutsche Volk wissen die Tapferkeit des jüdischen Soldaten richtig einzuschätzen . . . nach dem Kriege wird der Judenhaß in Deutschland vollständig verschwinden, denn das deutsche Volk ist von der Treue der deutschen Juden zum Reich und von ihrer ehrlichen Anteilnahme am jetzigen Kriege überzeugt. . . soweit Deutschland in Betracht kommt, kann der Antisemitismus als abgetane Sache betrachtet werden. Nach dem Kriege wird die j ü cl i s c h e Erna nzipation ganz und voll durchgeführt." So sprach der deutsche Botschafter und ähnliche Sätze gebrauchten unzählige Politiker und Heerführer der Erde während des Krieges. Heute, 1934, sind diese Worte leider oft vergessen und verhallt. . .. Ziämi Kriegsgoftesdienst im Wiener Stadrtempel 1915 Und so sollen hier die Namen einzelner Juden, die in den ersten Monaten des Weltkrieges ihr Leben auf dem Felde der Ehre und der Pflicht ließen, dler Erinnerung w iedergegeben werden. Dies geschieht nicht, um den Judenfeinden zu beweisen, daß Juden, überall wo sie wohnen, treue Staatsbürger sind, sondern deshalb, um anläßlich des zwanzigjährigen Gedenkens des Weltkriegsbeginnes den Plan einer Errichtung eines Denkmals für den „Ungenannten jüdischen Soldaten" zu pflegen. Fast alle Völker haben ein Denkmal für den „Unbekannten Soldaten" ihres Landes errichtet, nur das jüdische Volk nicht! Mögen diese Zeilen dazu beitragen, daß wir Juden unsere Ehrfurcht vor den gefallenen Söhnen unseres Volkes zumindest so kundgeben, daß auf den Bergen Zions ein Denkmal für den „Ungenannten jüdischen Soldaten" errichtet werde, der auf allen grausamen Schlachtfeldern der Erde gekämpft hat. Im Folgenden werden Briefe oder Notizen der Gefallenen oder des Kommandanten über den Gefallenen sprechen (Nach dem „Jüdischen Kriegsarchiv" und „Jüdischen Kriegsgedenkblatt".). Moritz Spitz war Einjährig-Freiwilliger und am 1. Jänner 1910 wurde er Leutnant der Reserve. Nach seinen Studien kam er zur Zigarettenfabrik „Abadie" und rückte bis zum Generalrepräsentanten vor. Kriegsausbruch! Gleich meldete er sich und kurz darauf erhielt sein Vater vom Hauptmann Hollup folgenden Brief: „Ich erhalte soeben Ihr w. Schreiben vom 15. d. M., in welchem Sie so liebevoll Ihres leider nunmehr entschlafenen Sohnes — eines meiner besten Offiziere —. gedenken. Ich kann Ihnen, werter Herr, diese tiefe Trauer allerdings nachfühlen, denn Sie konnten stolz sein auf Ihren einzigen Sohn, welcher zu den schönsten Hoffnungen berechtigte und welcher auch mir als seinem unmittelbaren Vorgesetzten vorzügliche und vor dem Feinde hingebungsvolle Dienste leistete. Ihr Kind führte seine ihm anvertraute Abteilung heldenmütig vor, und die Leute folgten diesem leuchtendem Vorbild, trotz eines Regens von Schrapnell- und Qewehrgeschoßen, so geordnet und mannhaft, daß mir die gebührenden Worte mangeln, um dies alles vollwertig anzuerkennen. Und so starb auch Spitz an der Tete seines Zuges gleich als einer der ersten am 26. August um 3 Uhr nachmittags, als wir zwischen den beiden von Krasne-Busk ausgehenden Bahnlinien gegen starke russische Uebermacht im Kampfe standen. Ich kann Ihnen nochmals wiederholen: auf uns regnete es förmlich einen Hagel von QeschoBen, zeitweise auch aus russischen Maschinengewehren. Der Hauptmann selbst erhielt einen schweren Bauchschuß und wurde durch ein Wunder der nissischen Gefangenschaft entzogen, da ihn seine Leute zurücktrugen; er liegt in Prag. Nachdem ihn mutmaßlich die Russen begruben, werde ich von seinen Effekten, sowie Geld, Schmuck und mehreren anderen Aufzeichnungen nichts mehr zurückbekommen." Cand. jur. Kamil Kraus war ein tüchtiger Student. Nebst Juristerei lernte er fleißig die englische, italienische, französische, russische und böhmische Sprache. Sein Freiwilligenjahr verbrachte er 1913 in Prag. Kriegsausbruch! Trotz einer Krankheit ging er zu seinem Regimente. Hier einige Aufzeichnungen aus seinem Tagebuch: S. September. „In der Nacht um halb eins Tagwache. Ich bin Tagcharge .... bin ich als Verbindungspatrouille zu unserem Hauptposten .... erhielt ich Befehl, mit meinem Sehwarm als linke Flankendeckung zu gehen. Gleich werde ich mit Schrapnellfeuer begrüßt . . . .... mau sieht die Leichen schon herumliegen ■ . . ich übernehme das Kommando .... kein Führer dort und so fange ich an zu dirigieren .... das Gefecht dauert vom 8. Oktober, 7 Uhr früh, bis nächsten Tag, 3 Uhr früh . . . Während desselben stehe ich aufrecht in der Deckung, decke mich kaum, mein Kopf bietet fort ein schönes Ziel. Aber ich denke mir: jemand in u 1! sich opfern .... Wo ich die Kräfte hernahm, weiß ich nicht. Ich fürchte, daß meine Lunge bald zerspringe .... Ich habe mich schon völlig vom 4

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