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Wiener jüdisches Familienblatt · 1934-09-01 · 11 (September 1934) · p. Seite 31

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Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
2 (1934)
Issue
11 (September 1934)
Date
1934-09-01
Page
Seite 31 (sequence 33)
Language
German
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JÜDISCHER S P> © B TT Philipp Winter: Sport der Juden Sport ist nicht nur Wettkampftrieb, sondern vornehmlich Sorge um die Gesundheit des Körpers, also eine Form der Hygiene. Und gerade auf diesem Gebiete waren die Juden führend, sie hatten in der Bibel die ersten und besten hygienischen Vorschriften. Daß die Juden, die einst Palästina bewohnten, auch kräftig waren — als Landarbeiter und als Krieger —, daß sie vor allem auch gute Schwimmer waren, geht aus vielen Stellen der Schriften hervor. Sport im eigentlichen Sinn, als Wettbewerb, haben sie nicht betrieben. Als dann aus Griechenland die Kunde von den Olympischen Spielen kam, als überall Gymnasien nach griechischem Muster errichtet wurden, entstanden sie auch in Palästina. Ohne sich dauernd durchsetzen zu können. lieber die ganze Welt verstreut, waren die Juden nicht nur örtlich, sondern auch körperlich von der Scholle gerissen, sie hörten meist auf, im Feld zu arbeiten, wurden Kaufleute, wurden geistige Arbeiter, deren Geist umso lebhafter blieb, je mehr sie unterdrückt, je mehr sie aller äußeren Freiheit beraubt waren. In den Ghettos war kein Platz für Sport. Damals straften die Juden das Wort Lüge, das sagt: Nur in einem kräftigen Körper ein kräftiger Geist. Allerdings sehnte sich dieser Geist in seiner Macht auch nach körperlicher Betätigung. Und als den Juden die Möglichkeit gegeben wurde, zu turnen, Sport zu treiben wie die Anderen, da bekannte sich die jüdische Jugend in Scharen zum Sport. England war das erste Land, das mittelalterliche Vorurteile gegen den Sport überwand. Der härteste Sport, das Boxen noch ohne schützende Handschuhe - war dort beliebt. Und unter den Boxern befanden sich viele Juden. Dieser Sport, der so viel Mut, Geschicklichkeit, Kraft und auch Geist verlangt, ist bis zum heutigen Tage von Juden besonders gepflegt worden. Juden wurden Weltmeister, wie Kid Lewis, der Rabbinersohn Young P e r e z, Benny Leonard, Maxie Rosenbloom und der jüngste Weltmeister Max B a e r. Je moderner die Anschauungen wurden, je mehr der Sport an Verbreitung gewann, desto eifriger betrieben ihn auch1 die Juden. Sie gründeten eigene jüdische Turnerschaften, aus denen sich der nationaljüdische Sport entwickelte, der aus Makkabi- Vereinen einen Makkabi-Weltverband und schließlich die alljüdischen Wettspiele, die M a k k ab i a d e nach dem Muster der Olympischen Spiele schuf. In allen Sportzweigen tauchten jüdische Größen auf. Im Tennis Susanne Lenglen, Renee Lacoste, David Prenn und andere. Im Schwimmen Georg K o j a c, der Weltmeister im Rückenstil, Oesterreichs Hedy Wert heim er und Fritzi Löwy. Im Fechten die ungarischen Meister und Weltmeister Kabos, Pill er und so fort. In der Leichtathletik Eastman n, Katz, F ran kl und B 1 ö d y. So könnte man eine schier endlose Liste anlegen. Auch im Mann Schaftssport bewährten sich die Juden, trotz ihrer seit je stark individualistischen Einstellung. Gerade in Oesterreich konnte man ja die Erfolge der Hakoah miterleben, deren Fußballmannschaft, deren Wasserballmannschaft, deren Landhockeymannschaft den Meistertitel von Oesterreich errangen. Der Konflikt, der im Judentum ein ewiger ist, seil die Juden auf der ganzen Welt mehr oder weniger heimisch geworden sind, kommt natürlich auch im Sport zum Ausdruck, der Gegensatz zwischen jüdischem Nationalismus und bodenständigem Judentum. Da die vielen jüdischen Vereine - mögen sie nun Hakoah, Bar Kochba, Makkabi und wie immer heißen — jüdischnational aufgebaut sind, viele Juden aber als solche nur der Rasse und der Religion nach gelten wollen, gibt es jüdische Sportler auch in anderen, gemischten Vereinen. Dadurch geht nach außen hin viel von der Wirkung jüdischer Sportleistungen verloren. Die Welt erfährt vielfach nicht, daß sportliche Großtaten von Juden stammen. Doch kommt es schließlich nicht immer darauf an, daß die Welt alles erfährt. Wichtiger ist, daß die jüdische Jugend - gerade ohne Rücksicht auf die Welt — ihren Sport betreibt. Daß sie körperlich und damit auch seelisch stark w i r d, um den Kämpfen gewachsen z u sein. Den Kämpfen, die Juden ihr Leben lang bestreiten müssen. Nicht gerade nur auf den Sportplätzen, nicht gerade nur nach den internationalen R e g e 1 n d e r Fairness.... Deutsche Makkabi-Meisterschaften 1934. Der Deutsche Makkubikreis wird seine diesjährigen Leichtathletik-Meisterschaften am 2. September auf dem BSC-Stadion an der Avus abwickeln. Diese ausgezeichnete Sporfanlage sowie die aus allen Makkabivereinen Deutschlands zahlreich eingelaufenen Meldungen versprechen, dieses Sportfest zum Höhepunkt der diesjährigen jüdischen Leichtathletik-Saison ZU machen. 31

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