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Wiener jüdisches Familienblatt · 1934-09-01 · 11 (September 1934) · p. Seite 25

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Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
2 (1934)
Issue
11 (September 1934)
Date
1934-09-01
Page
Seite 25 (sequence 27)
Language
German
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Er, der Held des Volkes, unterwirft sich und verdingt sich dem Feind seines Volkes, eben, weil er einfach Mensch ist, Jude wie wir alle und weil er an die Freundschaft des Feindes glaubt. Er, der nachmals große König, nach dem das Volk als seinem Führer ruft, besitzt den Kindersinn, sich ahnungslos seinem Feinde zu verpflichten, ohne Böses zu ahnen, weil ihm der Feind auf halbem Wege wie ein Freund entgegengekommen war. Diese Schuld kann den jungen David nicht niederbeugen, denn sie stammte aus gutem Glauben. Um den jungen David breitet sich familiäres Unglück. Aber seinem Volke soll er Glück bringen und er hat es gebracht. Weil er kein makelloser Held im Glücke war, sondern Mensch und Jude wie wir alle. Daher ein echtes Drama und kein Lobgesang. Und im dramatischen Flusse finden sich goldene Worte, die in der Rede fließen, weil sie so sein müssen. „Hassen zerstört den Hasser mehr als den Gehaßte n", spricht Jehonathan zu König Schaul, ein goldenes Wort, das uns, den gehaßten und gehetzten Juden, wie Verheißung einer Zukunft klingt. Noch mehr die bittenden Worte Jehonathans an Schaul: ,Jünd hast du uns auch weggescheucht — uns alle: Wir sind nicht stolz, wir kommen immer wieder. Hangen um dich, erbetteln eines nur: Vertrau uns wieder — alles trägt sich dann — Vertrau uns! Inf V e r I r a u e n s I e h I d i c IV e I I.'" Oh, stünde sie nur dort! Und dann die Worte echter Auserwähltheit, die David spricht: „Ich Weiß es.' Ja: Trieb — dumpf, unbändig, wild — Treibt, wirbelt dieses Lebens-Had — doch drüber Leuchtet Gestirn — und schreitet nach dehnten! Noch muß ich tun. wies ringsum tut — der Herr weiß: Vit will es imders! I nd nicht viel erhitl ich: Ein wenig Frieden — eine Spanne '/.eil — — Die Saat zu werfen nur, daß ein Geschlecht Aufgehe — nicht uns gleichend — besser, reiner! Lins, das nicht froh wird, wenn es Qual ringsum weiß — Mihi atmen Laim, wenn Fron daneben keucht — Das nicht muh Herrschaft giert — sich nicht verwirft An Glanz und Macht — — — Nur, so/iing du Zu tausend schweren Pflichten selbst dich wählst — Bereit, dich hinzugeben, wenn es ruft — — Solang: .Erwählt' — und leinen Atem länger!" Das ist die jüdische Dichterantwort an die auserwählte Rasse, die das aus erwählte Volk verfluchen und vernichten will. Als David die Krone nicht nehmen will, die ihm das Volk anbietet, spricht Ruth: „Er ist erwählt! So wird er einmal klagen: ,Wo blieb der Segen — welches (Iiiich ward mein?!' Laß dann ihn ahnen: lieber allen Segen Thront noch ein Segen: andern Segen sein!" So sagt sie zum König, so können wir heutigen, einfachen, jüdischen Menschen uns selbst zurufen, wenn wir verzweifelnd nicht mehr sehen, wo denn in allem Unglück der Sinn des Lebens liegen soll: „Ueber allen Segen thront noch ein Segen: andern Segen sein." Im Familienleben haben jahrhundertelang NEU ERSCHIENEN! i. f fmk&ütejün. Schicksalsstunden eines Führers 128 Saiten, reich illustriert. Preis gebunden S 5 - Ganzieinen S 6 - Zu beziehen durch den SAWITRA-VERLAG Wien 1., Wlppllngerstraßa 12 sowie alle Buchhandlungen die Juden in diesem Sinne Trost gefunden, im Leben für die andern, für die Schicksalsgemeinschaft der Familie. Und wenn die Worte an den König des Volkes gerichtet werden, dann mögen wir daran denken, daß die Schicksalsgemeinschaft der Juden, des Volkes der Bibel, das Glück der Pflicht kennen muß: andern Segen sein. Mag es den Dichter in Erstaunen versetzen, wenn ihm aufrichtig zugerufen wird: Dir ist es gelungen, der Dichter deines Volkes zu werden. Daß dieses Werk in deutscher Sprache geschrieben wurde, beschämt nicht die Juden. Es wäre nur eine Schande, wenn das Heldendrama der Juden „Der junge David" solange auf eine hebräische Uebersetzun^ warten sollte, als die Dichtungen Theodor Herzl's, dessen Name gerade jetzt in Palästina mit Absicht in Vergessenheit getrieben wird. Das Volk hat den Dichter, den es verdient. Und ein Volk, das seine Sänger nicht achtet und seine Führer vergißt, ist ihrer nicht wert gewesen. Dr. Josef Löwenherz, der langjährige verdienstvolle Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien, feierte im August seinen 50. Geburtstag. Aus diesem Anlaß wurden ihm zahlreiche Ehrungen zuteil. 25

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