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Wiener jüdisches Familienblatt · 1934-09-01 · 11 (September 1934) · p. Seite 24

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Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
2 (1934)
Issue
11 (September 1934)
Date
1934-09-01
Page
Seite 24 (sequence 26)
Language
German
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PCIHIBIS P Bi CH P INI © Ein jüdisches Heldendrama Die Historie von König David, ein Zyklus von Richard Beer-Hofmann. Aus dem zweiten Teil: Der junge David. S. Fischer- Verlag, Berlin. Zu einem dramatischen Nationalepos gehört vor allem, daß es ein wirkliches Drama ist, ein Schauspiel, ein Spiel der Kunst, ein Komödiantenwerk, das Rollen für Schauspieler enthält und auf ein erwartungsvolles Theaterpublikum zu wirken vermag. Fest in der Wirklichkeit des Theaterlebens muß ein Drama stehen, gerade dann, wenn es höhere Ansprüche stellt, wenn es irgendwo hinaus will in das Reich der Ethik oder der Träume einer Menschengemeinschaft. Das gilt besonders für die Juden, die kaum ein Volk, kaum mehr eine religiöse Gemeinschaft sind, die einst Volk und Religionsgemeinschaft in einem waren und die heute unverändert ein gemeinsames Schicksal zusammenschmiedet, auch wenn man noch immer nicht weiß, wie man die Juden als Gesamtheit benennen soll. Wir Juden sind manchmal sehr pathetisch, so sehr, daß kaum jemand sonst sich so bissig über Pathos lustig macht als gerade wir Juden über uns selbst, wenn wir gar pathetisch werden wollen. Wir Juden haben einen Drang nach Sendung und nach Geltung und nach einem Recht auf nationalen Stolz und religiöser Auserwähltheit und haben ebenso eine Sucht nach Nüchternheit, nach spitzfindigem Wirklichkeitssinn und vernichtendem Sarkasmus. Geistreich wollen wir sein und doch wollen wir tief ernst genommen werden. Wir wollen Höchstes erleben und gerade darin bewundert und beneidet werden, und trotzdem fühlen wir uns nicht verflucht, sondern nur beleidigt oder gar beneidet, wenn man uns stillose und hemmungslose Lebenskunst und Wendigkeit nachschwätzt und uns verachten will. Und wir Juden haben eine große Vergangenheit hinter uns. Manchmal hoffen wir auch auf eine dieser Vergangenheit würdige große Zukunft. Wir fühlen Menschensendung, gerade wenn man uns verspottet und verfolgt, ja dann erst recht, auch wenn wir die ärgsten Sarkasten sind. Und wir sind Meister des Kabaretts, der hemmungslos heiteren Kleinkunstbühne, die sich selbst bespöttelt. Wer unter uns erwartet da ein jüdisches Heldendrama in dieser Zeit, das echtes Drama, echtes Schauspiel für die gierig lauschende Menge ist und uns gleichzeitig packt, weil wir spüren, das es aussagt, was wir träumen wollten und ohne des Dichters Wort nicht träumen können, das Faustdrama, die Göttliche Komödie der Juden? Nun, wer das zweite Werk im biblischen Dramenzyklus des Wiener Juden Dr. Richard Beer-Hofmann Der junge David liest, der gesteht, hier wurde in unendlichem Mühen ein jüdisches Heldendrama geschaffen, das man nicht einmal, sondern immer wieder lesen wird, das als dramatisches Festspiel sich die nationale Bühne erobern wird und dem das gleiche Schicksal wie dem schwer aufführbaren Goethe'schen Faust beschieden sein müßte, wenn es mit rechten Dingen zugehen sollte, ein Zugstück zu werden, weil es in höchste Regionen führt und für ein Volk sprechen kann. Ein nationales Heldendrama, das zwar jüdisch ist und heutzutage leicht als verfemt gelten könnte und doch in aller Welt wo Kunstsinn und Theaterfreude lebt verstanden und geliebt werden müßte. Zu viel gesagt? Man lese und gebe sich die Antwort selbst. Nichts wird verherrlicht. Der Held, König David, geht den Weg zur Krone als Mensch wie wir alle, mit schwerem Fehl belastet. Er hat ein Gefühl für Sendung in sich und doch keinen Ehrgeiz. SCHALOM ASCH DER TROST DES VOLKES R OMAN / L—5. Tausend Dieser neueste große B ehenntni sroman des b e r üh m t en E r zähJers, eine wunderbare Dichtung, ist der Höhepunkt seines Schaffens. Ganzleinenband S 11.55 In aUtn B uchh an d] ung in BIBLIOTHEK ZEITGENÖSSISCHER WERKE Zürich / Leipzig / AVicn 24

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