Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- 11 (September 1934)
- Date
- 1934-09-01
- Page
- Seite 6 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Junge Menschen auf Mit gespanntem Interesse verfolgt heute die jüdische wie die nichtjüdische Welt die Nachrichten, welche aus Erez Israel kommen. Klingen sie doch fast wie Märchen an das mit Klagen über wirtschaftliche Krisen und ökonomischen Niedergang erfüllte Ohr. In allzuvielen Ländern herrscht drückende Arbeitslosigkeit — in Palästina fehlt es an Händen, die notwendigen Arbeiten zu vollbringen; die meisten Staaten mühen sich schwer, ihr Budget im Gleichgewicht zu halten — die Palästina-Regierung verfügt über einen Millionenüberschuß ihres Haushaltes; allüberall Einschränkung der industriellen und landwirtschaftlichen Produktion in Palästina erstehen neue Fabriken, neue Verkaufsläden, neue Pflanzungen, neue Kolonien; die jüdische Stadt Tel-Aviv wächst mit zauberhafter Schnelligkeit; tausendjähriger Karst und Sumpf sind zu blühenden Gärten geworden und tragen reiche Früchte: alles das Ergebnis jüdischen Fleißes und jüdischer Kraft. Welcher Jude, sei er politisch wie immer eingestellt, sollte sich nicht solchei Leistung freuen, die Freund wie Feind Bewunderung abringt? Der Schnitter Lichf und Scharten in der Baumschule Und doch darf sich niemand darüber täuschen, daß die Zukunft noch schwere Anforderungen an das jüdische Palästina stellen wird. So erfreulich ein wirtschaftlicher Aufschwung gerade in unseren schweren Zeiten ist, man möge sich stets vor Augen halten, daß Wirtschaft im Weltgeschehen nicht der maßgebendste Faktor ist. An den Fleischtöpfen Aegyptens waren v\ir elende Sklaven, unwert des Bundes, den der Herr mit Abraham geschlossen — in der Not der glühenden Wüste, im aufreibende.! Kampfe um das Gelobte Land wurden wir zu freien Menschen, zu Juden. Wirtschaftlich blühende Staaten stiegen auf zu höchster Weltmacht und Weltgeltung, unterjochten das schwache Land der Juden — und sind untergegangen und ausgelöscht. Assyrien und Babylon, die persischen Großkönige, der strahlende Meteor Alexander der Große, Griechenland und Rom — alle haben nur Ruinen hinterlassen, aber nach den Jahrtausenden der Leiden und Opfer lebt noch das Judentum, lebt die unwelkbare Schönheit seiner heiligen Sprache,