Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- 10 (August 1934)
- Date
- 1934-08-01
- Page
- Seite 34 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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Sportnachrichten aus aller Welt Palästina. Bei einem in Haifa vor mehr als 4000 Zuschauern abgehaltenen Schwimmfest stellte - wie M.P.B, melden — der ehemalige Wiener Hakoahner Gyuri F 1 e s c h in einer Zeit von 1:07,6 Minuten im 100-m-Crawlschwimmen einen neuen palästinensischen Rekord auf. 400 m Crawl gewann der gleichfalls aus Wien kommende Alfred Guth in 6:16 Minuten. Haftl siegte im 100 m Brust in einer Zeit von 1 :27,3 Minuten vor dem palästinensischen Meister G o d d a r d. Palästina auf der Londoner Frauenolympiade. Palästina, welches als Land zum erstenmal bei den westasiatischen Spielen in New-Delhi vertreten war, wird nun mit einem Auswahlteam von 20 Damen zum zweitenmal selbständig bei einer olympischen Veranstaltung auftreten, bei der Frauenolympiade in London. Die Olympiade wird im Monat August dieses Jahres im White City Stadion stattfinden. Das Protektorat über das palästinensische Damenteam hat Viscountess E r 1 e i g h übernommen. Wie M. P. B. melden, werden anläßlich der Anwesenheit der Palästinenserinnen in England in Manchester, Liverpool und Glasgow eigene jüdische Sportveranstaltungen stattfinden. Lord Melchett leitet Makkabiah-Organisation. Zum Zweck der Organisation der kommenden 2. Makkabiah, die bekanntlich schon im Frühjahr 1935 in Erez-Israel stattfinden wird, begab sich Lord Henry Melchett, der Ehrenpräsident des Makkabi-Weltverbandes, selbst nach Palästina. Lord Melchefts Unterhandlungen waren speziell dahingehend, bei der Palästinaregierung auch die entsprechende Zahl von Einreisevisen für Teilnehmer und Schlachtenbummler zu erhalten, um die kommende Makkabiah auch wirklich zur Repräsentanz des jüdischen Sports gestalten zu können. Wie dazu aus London ergänzend mitgeteilt wird, war diese Reise die Vorbedingung zu der jetzt am 1. August einsetzenden großen Propaganda-Kampagne für die Makkabiah in allen Ländern der Galuth, die von Dr. A. Rosenfeld geleitet wird. Beim Lord Melchett -Meeting in Petach-Tikwah siegte die ehemalige Wienerin Flaschner im Damenlaufen über 300 m. Sie trainiert erst seit kurzer Zeit unter der Leitung K1 e i n s Leichtathletik und es gelang der überaus begabten jungen Frau, sich rasch in die erste Reihe der Läuferinnen vorzuarbeiten, da sie als Turnlehrerin in ständigem Training ist. Man erwartet von ihr weitere Verbesserungen, da sie takfisch noch Viel zu lernen hat. Bei den Meisterschaften des Palästinensischen Boxverbandes gab es durchwegs schöne Kämpfe. Im Federgewicht siegte Grill (Haifa), Weitergew.: Bierenzweig (Haifa), Leichtgew.: Dawidowitsch (Jerusalem), Mittelgew.: Gibor (Tel-Awiv), Halbschwergew.: Goldberg (Jerusalem), Schwergew.: Finn (Haifa). Als Ringrichter fungierte Älfandari vom Makkabi Aegypten. Auffallend ist das Fehlen des Wieners Laub, von dem berichtet wurde, daß er im Schwergewicht gegen Finn verloren hat. Er muß sich in der letzten Zeit jedoch sehr verschlechtert haben, so daß er nicht einmal bei diesen Bewerben antreten konnte. Deutschland. Die Boxkampfstaffel der Hakoah-Köln weilte mit sieben Kämpfern beim Makkabi-Berlin zu Gast und gab dort in Anwesenheit von fast 2000 Zusehern einen Kampfabend, in dem sie aber unterlag. In Kassel kamen die Waldlaufmeisterschaften des deutschen Makkabi zur Austragung. Bei herrlichem Wetter trafen auf einer idealen Strecke die besten Langstreckler aller deutschen Makkabi-Mannschaften zusammen, die sehr schöne Resultate erbringen konnten. Beim Mitteldeutschen Makkabi - Sportfest erzielte Schaftmann (Berlin) im 100-m-Lauf mit 11.3 Sekunden die beste Leistung. Wie das Zentralorgan des deutschen Makkabi berichtet, finden in den Monaten Juli und August in allen Bezirken die Makkabi-Bezirksmeisterschaften statt. Deren Sieger werden dann an einer gemeinsamen Veranstaltung des gesamtdeutschen Makkabi teilnehmen und die Makkabi-Äusscheidungen zur kommenden Makkabiah bilden. Die Meisterschaft der Herrenklasse A der deutschen Makkabi-Ping-Pong-Meisterschaften gewann unter 26 Teilnehmern Schwarzschild von der Frankfurter Bar- Kochba. Die Meisterschaften waren mit über 100 Meldungen aus dem gesamten Deutschen Reich sehr gut beschickt. Aus Anlaß des Jahrestages der 1. Makkabiah führten die beiden jüdischen Sportvereine Berlins, Bar-Kochba und Hakoah, eine Sportmatinee durch. Auf der Bühne wurde ein Ausschnitt aus dem Training der einzelnen Abteilungen gegeben. Es waren über 1000 Zuschauer erschienen, die ihrem Beifall über die gutgelungene Vorführung Ausdruck gaben. Deutschland. Anläßlich des zehnjährigen Bestandes des Berliner jüdischen Fußballklubs Hakoah veranstalteten die beiden jüdischen Sportvereine Bar-Kochba und Hakoah ein großes Sportmeefing, in dem es leichtathlefische Wettkämpfe und ein Fußballspiel zwischen einer Auswahlmannschaft des tschechoslowakischen Makkabi und der Berliner Hakoah gab. Das in jeder Hinsicht hervorragende Sportfest fand lebhafte Beachtung. Tschechoslowakei. Der tschechoslowakische Tennisinternationale Hecht verlor beim Daviscup-Länderkampf C. S. R. gegen Italien gegen den Weltklassenspieler Sfefani nach hartem Kampf, konnte jedoch den zweiten italienischen Spieler Rado in drei Sätzen abfertigen. Hecht ist Jude und gehört dem Makkabi-CSR. an. Makkabi G ö d i n g veranstaltete kürzlich aus Anlaß seines zwanzigjährigen Bestandes eine Jubiläums-Turnakademie. Auf dem Programm standen Turn- und Rhythmikvorführungen, die lebhaften Anklang fanden. Beim Straßenlauf Prag—Kralup besetzte der bekannte jüdisch-tschechische Leichtathlet Oskar Heksch den zweiten Platz in der Zeit von 1:31 Stunden. Dieser schwere, 24.6 Kilometer lange Lauf wurde bei großer Hitze unter Beteiligung von 32 Läufern ausgetragen. Heksch, der bis zum Schluß in der Führung lag, wurde beim Endspurt von L u n a k überholt. Ingenieur Andy Engel ist nunmehr doppelter tschechoslowakischer Leichtathletikmeister und Rekordmann. Er lief 100 m in der Rekordzeit von 10.6 und 200 m in der fabelhaften Zeit von 21.8 Sekunden. Anläßlich der kürzlich abgehaltenen Arbeifer-Olympiade in Prag befanden sich 20 Angehörige des Palästinensischen Arbeitersportklubs „H apoel" in Prag, von wo aus sie sich zur Ausfragung von Wettspielen in Teile der Tschechoslowakei und nach Polen begeben. Von Polen will die Mannschaft in die Schweiz reisen und von dort dann nach England zur Arbeiter-Olympiade, die in London am 30. August stattfinden soll. Ungarn. Der jüdische Turnmeister S a r k a n y vom VAC-Budapest erlitt, wie erst jetzt bekannt wird, vor den Turnweltmeisterschaften eine Ärmverrenkung, die ihm ein ernstliches Eingreifen in die Kämpfe nicht ermöglichte. Bei den Landesmeisterschaften wurde er am Barren Erster, im Reckturnen und Weitsprung Zweiter. Tauber kämpfte bei den Weltmeisterschaften in der siegreichen ungarischen Juniorenriege. In der Fünfkampfmeisterschaft wurde er Zweiter. Makkabi führt die jugoslawischen Fechtmeisterschaften. An den unter dem Protektorat des Ministers für Körpersport Dr. Andjelinovic stattgefundenen Meisterschaftskämpfen im Fechten nahmen die besten acht Landesmannschaften teil, unter denen sich drei jüdische Klubs befanden. Allen dreien, Makkabi-Zagreb, Hakoah- Subotica und Makkabi-Novisad, gelang es, ansehnliche Erfolge zu erzielen. Die Meisterschaft von Jugoslawien im Schwertfechten errang Josef Stein vom Makkabi-Zagreb. Den 2. Platz im Säbelfechten konnte Ing. Fröhlich aus Subotica besetzen. Den 1. Preis im Schwertfechten für Junioren errang Joseph Weiß vom Makkabi- Zagreb und endlich errang auch Fräulein Ruth Müller den 2. Platz im Damen-Florettfechten. 34