Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- 10 (August 1934)
- Date
- 1934-08-01
- Page
- Seite 33 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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i p © o sch ijjjejj Daniel Prenn erzählt. .. Daniel Prenn war bis zum 30. Jänner 1933 Deutschlands repräsentativster Tennisspieler. Einen Tag später waren seine Verdienste vergessen und Prenn gehörte zur Köferrasse, wie man gesehmackvollerweise die Juden in Deutschland zu bezeichnen pflegte. Prenn ging ins Ausland. Zwar spielte er noch auf großen Turnieren, doch seine Form hat nachgelassen. Nachfolgend schildert er dem R. B.-Mitarbeiter des „Prager Mittag" die Gründe seines Formrückganges: Wimbledon, im Juli. Als er seine großen Siege für das deutsche Tennis errang und zweimal Deutschland zum Sieg in der europäischen Daviscupzone verhalf, trug man ihn auf den Schultern. Aber die Machthaber des Dritten Reiches stießen sich daran, daß er Jude war. Die Leistungen eines Juden zählen nicht. Sie wollten ihn nicht mehr haben. Daniel Prenn verlor seine Stellung und verließ die ungastliche Stätte, die Deutschland nunmehr geworden war. Seit einem Jahr lebt er in London. Auch für ihn war es schwer, eine neue Existenz aufzubauen. „Daß ich nicht mehr so gut Tennis spielen kann, ist kein Wunder", erzählt Prenn. „Wie soll man seine Form aufbringen, wenn man den Kopf mit anderen Dingen voll und berufliche Sorgen hat? Dieses eine Jahr in England war nicht leicht für mich, ich habe viel Geld zugesetzt und wußte wirklich nicht, was mir die Zukunft bringen würde. Zur Äufrechferhaltung meiner sportlichen Form fehlte mir vor allem der Daviscup, der ein enormes Stimulans für mich war. Mir blieben nur die beiden großen Turniere in Paris und Wimbledon. Erlitt ich eine Niederlage, so kann ich sie nicht mehr korrigieren. Früher ging das. Wenn ich geschlagen wurde, so konnte ich im Daviscup eine Korrektur der Resultate herbeiführen und mich in der Weltklasse behaupten. Die Daviscupspiele lagen mir besonders gut. Ich konnte mich darauf konzenfrieren. Heute fehlt mir das vollständig. Eine Niederlage in Paris oder Wimbledon wirft mich entscheidend zurück und ich kann mich davon nicht mehr erholen. Hat man dann noch das Pech, gleich in der ersten Runde auf Shields zu treffen, so scheidet man schon in der ersten Runde aus und muß zusehen, wie die anderen spielen. Meine sportlichen Möglichkeiten sind also sehr gering geworden. Zudem fehlt mir auch die notwendige Vorbereitung. Ich habe in diesem Jahre außer Paris und Wimbledon ein einziges Turnier in England gespielt. Hin und wieder spiele ich meinen Freunden zuliebe irgendwo in der zweiten Klasse, mal in einem Doppel, mal im Mixed. Eine ernsthafte Vorbereifung habe ich nicht. Ja, wenn ich noch für Deutschland im Daviscup hätte spielen können! Ich gebe Ihnen mein Wort, daß wir gegen Frankreich gewonnen hätten, denn mit Merlin wäre ich bestimmt fertig geworden. Gerade der wäre mir gelegen. Seit einer Woche geht es mir geschäftlich bedeutend besser. Ich habe sehr viel zu tun und zahlreiche Aufträge erhalten. Im übrigen bin ich jetzt vollkommen selbständig, nirgendwo angestellt, sondern ich arbeite ganz auf eigene Rechnung. Natürlich beeinflußt das auch die Stimmung. Seitdem es nun endlich besser geht und ich seit einem Jahre endlich daran denken kann, etwas freundlicher in die Zukunft zu sehen, hat sich auch meine Spiellaune erheblich gehoben. Sie können sich denken, daß man mit allen möglichen Sorgen und Belastungen nicht die innere Spielfreude hat, die eben notwendig ist, wenn Erfolge errungen werden sollen. Jetzt geht es wieder, die Stimmung ist da, ich spiele mit mehr Lust und Liebe und das mag eine der Ursachen sein, weshalb ich im Herrendoppel mit Hopman so weit gekommen bin. Hopman spielt großartig und auch mir kommen nun die Bälle leichter vom Schläger. Unser Sieg über Perry-Hughes dürfte zwar wohl mehr oder weniger ein Zufall gewesen sein. (Etwas zu bescheiden! Die Red.) Aber das schließt nicht aus, daß es vielleicht wirklich jetzt wieder etwas besser gehen wird. Im Prinzip aber bleibe ich Pessimist, so lange ich eben von der Teilnahme an den Daviscupspielen ausgeschlossen hin, die für mich immer notwendig waren, um meine größte Form zu erreichen, und die ich auch nie werde entbehren können. Aber so schön und anregend das Tennis auch ist - zuerst muß ich an mein persönliches Fortkommen denken. Hoffentlich bleibt es so wie in der letzten Woche, dann ist mir wenigstens diese größte Sorge genommen. Und das ist doch eigentlich noch wichtiger als ein Platz in der Tennisweltrangliste, meinen Sie nicht auch?" Perry kommt auf Prenn zu. Beide gehen zur Tribüne, um sich Crawfords Spiel mit Shields anzusehen. Der Sohn des Unferhausmifgliedes Perry kennt keine Rassenunferschiede. Für ihn — wie für jeden vernünftigen Menschen ist Prenn ein guter Tennisspieler und anständiger Mensch. Andere Charakternachfeile kennt er nicht von ihm. U. S. A. beschickt die Olympiade! Wie aus New York gemeldet wird, hat das amerikanische Olympische Komitee beschlossen, die Olympischen Spiele in Berlin im Jahre 1936 zu beschicken. Doch geschieht dies in der Voraussetzung, daß die deutsche Regierung ihr gegebenes Versprechen, jüdische und nichtarische Sportler in keiner Weise zu benachteiligen, einhalfen wird. Oesterreich. Der populärste österreichische Ringer, Niki H i r s c h 1, der seit Jahren österreichischer Meister im Schwergewicht ist, der in Los Angeles bei der vorigen Olympiade den 3. Platz besetzen und damit die Bronzene Medaille erringen konnte, ist nunmehr — wie bereits berichtet am 17. Juli 1934 nach Palästina abgereist. Die Palästinenser erwarten sich von H i r s c h 1 s Kommen sehr viel, doch befürchtet man, daß er keinen gleichwertigen Gegner finden wird. Jüdische Olympiakandidaten Deutschlands. Einem Leichtathletikwettkampf der beiden national jüdischen Vereine „Bar Kochb a" und „H a k o a h" in Berlin wohnte der Vertreter des deutschen Reichssportführers, von Tschammer- Osten, bei. Auf Grund der gezeigten Leistungen lud er die beiden jüdischen Sprinter Schattmann und Sfrenlib sowie den gleichfalls jüdischen Weitspringer Herzstein ein, an den Vorbereitungen der deutschen Olympiakandidaten feilzunehmen. Das jüdische Sportheim in Keilberg, C. S. R. 33