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Wiener jüdisches Familienblatt · 1934-08-01 · 10 (August 1934) · p. Seite 31

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Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
2 (1934)
Issue
10 (August 1934)
Date
1934-08-01
Page
Seite 31 (sequence 33)
Language
German
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VON MONAT ZU MONAT Die holländische Regierung hat neuerdings die Bestimmungen über den Verbleib und die Einwanderung von deutsch-jüdischen Emigranten verschärft. Die Leitung" der städtischen Sammlungen in Wien hat sich an die Leitung des Herzl-Ärchivs um Ueberlassung eines Herzl-Bildnisses gewendet. Nun hat der Herzl-Klub beschlossen, * das Herzl-Bild von Hermann Struck dem Rathausmuseum zu überlassen. Die griechische Regierung ernannte den ehemaligen Senator Dr. Äscher M a 11 a h zum Konsul Griechenlands in Palästina. Dr. M a 1 1 a h war Vorsitzender der Zionistischen Föderation Griechenlands. Prof. Otto Warburg, ehem. Präsident der Zionistischen Weltorganisation, feiert seinen 75. Geburtstag. Das Berufungsverfahren im Arlosoroff-Prozeß sprach den zum Tode verurteilten Stawski frei. Richter waren: Mac Donnel, Baker, De Freitas; Staatsanwalt: Musa Effendi el Alami; Verteidiger: Horace Samuel. In Palästina wurde dieser Freispruch mit großer Genugtuung aufgenommen. In der Synagoge zu Tel-Aviv kam es zu Prügeleien zwischen den Zionisten verschiedener Parteirichfungen. In Tel-Äviv wurde ein hebräisches technologisches Institut errichtet. 545 Studenten und Hörer waren im letzten Studiensemester an der Hebräischen Universität inskribiert. Josef Kremenetzky wurde zum Direktor der österreichisch-palästinensischen Handelskammer gewählt. Die jüdische Landesversammlung in Ungarn soll nach Jahrzehnten wieder einberufen werden. In der Schweiz beträgt die Zahl der Juden nach der letzten Volkszählung 0.4»o an der Gesamtbevölkerung. Ch. N. Bialik, der Dichterfürst der hebräischen Literatur, starb in Wien und wurde in Tel-Aviv begraben. In Rußland wurde ein neuer Feldzug gegen jüdischreligiöse Einrichtungen eröffnet, der zur Schließung zahlreicher Synagogen führte. Kardinal O'Bonnel, der höchste katholische Geistliche Amerikas, hielt eine Rundfunkansprache. Er sprach gegen den Antisemitismus. Mendel Beilis, der Angeklagte im Kiewer Ritualmordprozeß 1913, starb in New-York. Der Kommandant der Garnison von Turin, General Guido Liuzzi, wurde zum Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Turin ernannt. Einsteins Tochter Ilsa, verh. Kaiser, starb in Paris. 5,526.097 Kisten Orangen wurden in dieser Saison aus Palästina ausgeführt. Auf dem alten Friedhof zu Hamburg wurden 96 Grabdenkmäler verwüstet. Der Prozeß des Wiener antisemitischen Blattes „Stürmer" gegen die katholische Publizistin Irene Harand wurde vertagt. Harand wird den Beweis der Ritualmordlüge und der Fälschung der „Protokolle der Weisen von Zion" führen. Professor Attilio Momigliano, ein Jude, wurde zum Professor für italienische Literatur an der Universität in Florenz ernannt. Zum erstenmal fanden die Äbiturienfenexamen am jiddischen Realgymnasium zu Wilna in jiddischer Sprache statt. Moses Salomon, der älteste Einwohner Berlins, st irb im Alter von 104 Jahren. Die antisemitische Zeitung „Stürmer" (Wien) erscheint nicht mehr. Die Ueberschwemmungskaf astrophe in Galizien erforderte viele jüdische Opfer. Tausende Juden haben dadurch ihr Vermögen verloren und sind obdachlos. Das Comite des Dclegations Juives (Paris), wird in Angelegenheit des Jüdischen Weltkongresses am 20. bis 23. August in Genf tagen. Das Kuratorium der Hebräischen Universität wird am 13. August in Zürich eine Konlerenz abhalten. Die nationalsozialistische Presse fährt in ihrer Judenhetze fort. Der Terror gegen die Juden in Deutschland wird immer größer. An der Hebräischen Universität wird eine psychiatrische Lehrkanzel errichtet. Im Monat Mai wanderten 2035 Juden in Palästina ein. Die Bemühungen zur Schaffung einer Repräsentanz der polnischen Juden verliefen erfolglos. Die Juden aus Türkisch-Thrazien wurden vertrieben. Täglich kommen entsetzliche Berichte über die Notluge der jüdischen Flüchtlinge. Im Wiener Palästinaamt kam es zwischen den Judenstaatszionisten und den anderen Parteien zu Konflikten. Danrid Ä. Croll, ein Jude, ist zum Minister in die kanadische Regierung berufen worden. Die Weltkonferenz des religiös - liberalen Judentums tagte in London. Nach Biro - Bidschan wanderte eine Gruppe von polnischen Juden aus. In Jerusalem soll eine Radio-Sendestation errichtet werden. Die faschistische Partei Mosley in England lehnt den Antisemitismus ab. Der Todestag Herzls wurde in Palästina als Arbeiter- Feiertag proklamiert. Österreichisch-Palästinensische Wirtschaf fs- und Handelskammer Der seit einiger Zeit erfolgreich arbeitende Oesterreichisch-palästinensische Wirtschaftsverband hat sich jüngst mit einer anderen Inferessentengruppe vereinigt, um seine Tätigkeit nunmehr unter der neugegründeten „Oesferreichisch - palästinensischen Wirfschafts- und Handslskammer", Wien IX, Älserplatz 3, Tel. B-45-2-11, fortzusetzen. Oesterreichs Export nach Palästina hat im Zusammenhange mit der Beschickung der VI. Levante-Messe in Tel- Aviv in den ersten vier Monaten dieses Jahres eine enorm.: Steigerung erfahren, so daß die Gründung einer eigenen öst.-pal. Handelskammer zur Notwendigkeit wurde. Dem Präsidium der Oesterreichisch-paläsfinensischen Wirtschaffs- und Handelskammer gehören an: Als Präsident: Herr Direktor Josef Kremenezky; als Vizepräsidenten: Herr K. R. und Konsul a. D. Oswald Schön, Herr K. R. Arthur Albers und Herr Fabrikant Adolf Böhm; als Geschäftsführer: Herr Rechtsanwalt Doktor Hugo G r o ß. In den Kammerrat wurden weiters gewählt die Herrin: Arnold Edelstein, Oskar P r e m i n g e r, Robert Glücksmann, Dr. Kurt Offenber g e r, Direktor Hans Wallis, Bruno R a binowitz, Robert D i e k s t e i n, Ludwig Planer, Sandor Wolf, Ober-Baurat Ing. Fedor Ackermann, Gustav Wilder, Leo F r i e d 1 ä n d e r. Zu Konsulenten wurden gewählt die Herren: Ober- Baurat Ing. Robert Stricker, Dr. Oskar G r ü n b a u m, Dr. Karl E 11 i n g e r, Äkim Lewit 31

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