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Wiener jüdisches Familienblatt · 1934-08-01 · 10 (August 1934) · p. Seite 24

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Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
2 (1934)
Issue
10 (August 1934)
Date
1934-08-01
Page
Seite 24 (sequence 26)
Language
German
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eine Privatangelegenheit, die übrigens nicht sehr sympathisch anmutet. Etwas anderes ist der Zweck der Rassentheorie, das Herrschaftsstreben der Edelrasse. Das ist eine politische Angelegenheit, eine Machtfrage, die auf Enqueten nicht entschieden werden kann. So dankenswert die Anregung Dr. Zollschan's auch ist, so verfehlt wäre es, auf dem Gebiete der Wissenschaft eine Klärung der sogenannten Rassenfheorie zu erwarten. Man erinnere sich der glänzenden und blendenden wissenschaftlichen Widerlegungen der marxistischen Theorie; praktisch hat man nie einen Erfolg dieser mühseligen wissenschaftlichen Leistungen verspüren können. Politische Dogmatik ist keine Wissenschaft und die blendendste und glänzendst aufgemachte Enquete wird politisch keine kleinsten Spuren hinterlassen. Und da in der Politik nur der Erfolg entscheidet, fällt auch über politische Theorien und über Werturteile in der Rassenbeurteilung nur der Erfolg ein Urteil, das sich einfach Anerkennung verschafft. Die Broschüre Dr. Zollschan's hat übrigens einen kleinen Schönheitsfehler. Sie ist für ein breiteres Publikum schwer verständlich, trotz ihrer Kürze. FRANZISKA BLOCH.MAHLER - 50 Jahre alt Einer gutjüdischen Kaufmannsfamilie aus Deutschbrod in der Tschechoslowakei entstammend, ist Franziska Bloch-Mahler eine der produktivsten jüdischen Schriftstellerinnen. Sie schrieb nebst einer Reihe hervorragender Gedichte eine große Anzahl von Werken, welche einzigartig durch die Wahl des Stoffes sind und bedeutende Verleger fanden. In den letzten Jahren erschienen: „Wie das Märchen zu den Menschen kam", Verlag Gerling, Leipzig, „Märchenflüstern im Zauberwald", Max-Ahnert-Verlag, Cassel, „Das Elfenspieglein", Theaterverlag Valentin Höfling, München, „Kaleidoskop", Gedichte, Phaeton-Verlag, Stuttgart, und viele andere. Was wissen wir vom Mond? Berühmte Gelehrte und Forscher versuchen schon seit Jahrtausenden die Rätsel des Mondes zu erklären. Zu diesen Forschern gesellt sich nun ein in Wien lebender Jude namens Josef Weisberge r. Er tritt mit geradezu revolutionierenden Ideen auf den Plan. Seine Abhandlung: Die Rätsel des Doppelplaneten Erde und Mond (erschienen im Selbstverlage des Verfassers, Wien I, Postgasse 6) stellt sich die Aufgabe, an die Lösung von eigentlich kosmischen Problemen zu schreiten. Seine Gedankengänge sind unabhängig von der Schuldoktrin und gelangen selbständig zu Erkenntnissen. W e i sb e r g e r s Erklärung der Erscheinungen der Himmelskörper bedeutet eine vollständige Umwälzung. Er behauptet, daß der Mond, den wir sehen, nicht der Mond selbst, bezw. nicht der feste Mondkörper sei, wie bisher angenommen wird, sondern die äußerste Schichte der G a s h ü 11 e, die ihn umgibt. Die Konsequenzen dieser Behauptung für die Mondforschung und für die Himmelsforschung überhaupt sind geradezu unabsehbar. Der Nichtfachmann, auch der gebildete, ist nicht imstande, dem Verfasser irgend welche Unlogik oder Widersprüche nachzuweisen. Die Wissenschaft aber hat sich noch nicht zu Worte gemeldet. Es wird Aufgabe der Fachleute sein, zu beurteilen, wie weit die wissenschaftlichen Unterlagen hinreichen und wo die kühne Hypothese abgeirrt ist von der wissenschaftlichen Grundlage. Jedenfalls wird es interessant sein, zu hören, was die Wissenschaftler auf Josef Weisbergers Gedankengänge zu antworten haben. Es ist unmöglich, in diesen Streit einzugreifen, den wohl nur die Wissenschaft austragen kann, aber das eine wird nach dem Lesen auch dem Laien klar: daß nämlich der Verfasser nicht nur etwas zu behaupten, sondern auch etwas zu sagen hat. K—b. Der Jüdische Verlag, G. m. b. H. in B e r 1 i n, brachte aus Anlaß des 30. Todestages von Theodor H e r z 1 die zehnte Auflage seines Werkes „D er Judenstaat" als Jubiläums-Sonderausgabe heraus. Diese kleine herrliche Programmschrift des Zionismus sollte in keinem jüdischen Hause fehlen, wie immer es zum Zionismus steht. Erhält man Einblick in die Werkstatt der Dichterin, so ist man überrascht von der Reichhaltigkeit ihres Schaffens. Ueber 400 jüdische Balladen, 200 jüdische Märchen und Legenden, Purimspiele, Chanukaspiele etc. sind das Resultat ihrer emsigen Arbeit. Bei jüdischen Veranstaltungen werden ihre Gedichte und Schriften gerne zum Vortrag gebracht und zu ihren Interpreten zählen die Wiener Burgschauspieler Otto Tressler und Fritz Blum. Vortragsabende, welche die Dichterin in Wien und Prag von Zeit zu Zeit veranstaltet, bringen ihr verdienten Erfolg. K—B Berufen Sie sich bei Ihren Einkäufen auf das WIENER JÜDISCHE FAMILIENBLATT! 24

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