Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- 10 (August 1934)
- Date
- 1934-08-01
- Page
- Seite 17 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Von den Juden als Missionär verschrieen, von Diplomaten als Wirrkopf mit phantastischen Ideen verhöhnt, von der Presse verfolgt und schließlieh sogar von einem der Kolonisten als Mörder angeklagt, hatte es Paul Friedmann schwer. Eines aber soll unterstrichen werden: Alle seine Gegner mußten schließlich zugeben, daß Friedmann ein anständiger Mensch mit reinen Händen, ein lauterer Charakter war, von dem selbstlosen Wunsch beseelt, den Juden zu helfen. III. Friedmann hatte noch vor der Veröffentlichung seiner Broschüre Schritte eingeleitet, um seinem Plan mehr Gewicht zu verleihen und staatliche Hilfe für seine Judenkolonisation zu erlangen. Wo auch immer er weilte, überall versuchte er Verhandlungen mit Staatsmännern zu führen. In London hatte er Unterredungen mit dem Unterstaatssekretär für Indien, in Kairo mit politischen Persönlichkeiten Deutschlands, Oesterreich-Ungarns, Aegyptens und der Türkei. Ja, sogar den Baron Hirsch, dessen Kolonisationspläne er ablehnte, suchte er auf, um ihn für Madian zu gewinnen. In Krakau weilte er in Begleitung eines preußischen Sekondeleutnants, Lothar von Seebach, um Besprechungen mit der Leitung jüdischer Institutionen zu führen und jüdische Emigranten anzuwerben. Die Auswahl des Menschenmaterials war schwer. Er suchte gesunde, starke, stramme Männer für die erste, also mühevollste Arbeit. Er fand auch passende Leute, zumeist Handwerker aus Ungarn, Galizien und Rußland, die er, mit Frauen und Kindern, vertragsmäßig zur Ansiedlung in Madian verpflichtete. Drei Richtlinien hatte er aufgestellt, wie man aus den Verträgen mit den Juden ersehen kann. Um einen „Judenstaat'' errichten, eine großzügige Kolonisation in Madian mit Erfolg betreiben zu können, wollte er vor allem staatliche Unterstützung erlangen. Dann mußte jeder Kolonist den Waffendienst erlernen, militärische Uebungen mitmachen und sich einer spartanischen Disziplin unterwerfen. Drei Grundsätze der Kolonisation sollten gelten: Staatshilfe, organisierter militärischer Selbstschutz und eiserne Disziplin. IV. Im April 1891 verhandelte er in Wien mit der „Alliance Israelite", die natürlich seinen „phantastischen" Vorschlag ablehnte, und hier ging er mit väterlicher Sorgfalt und großer Opferwilligkeit daran, die Expedition zu organisieren und zu rüsten. Er kargte nicht mit Geld. Kostete ihn doch sein Versuch 200.000 Goldkronen. Friedmann kaufte alles in großen Mengen und in bester Qualität, sogar an Spielsachen für die Kinder dachte er. Er rüstete ein kleines Schiff aus, welches den stolzen Namen „Israel" trug. Hundert Gewehre wurden mitgenommen. Als Helfer nahm Friedmann den Wiener Arzt Dr. Ernst Landsmann, den preußischen Offizier Lothar von Seebach, einen schottischen Privatsekretär und einen rumänischen Landwirt mit. Mit diesem Stab und einer Anzahl russischer und polnischer Juden trat das Schiff „Israel" unter österreichischer Flagge die Reise nach Madian an. Das Schiff „Israel" beförderte Friedmann, seine Reisebegleiter und 30 jüdische Arbeiterfamilien nach Suez. An der Spitze der Halbinsel Sinai, in Schermoje, schlugen sie ein Lager auf. Die Kolonisten befanden sich hier unter der strengen Zucht des Leutnants von Seebach und zweier Unteroffiziere. Sie mußten jeden Tag militärische Uebungen mitmachen, den Boden bearbeiten usw. Kurz darauf zog Friedmann mit einigen Leuten nach Madian, um dort die Vorarbeiten durchzuführen. Die ersten Kolonisten waren mit dem Boden, mit dem Land zufrieden und Briefe gingen von Madian nach Rußland, Galizien usw. und forderten Verwandte und Bekannte auf, nach Madian, dem künftigen Judenstaat, zu kommen, um hier als Bauern madianischen Boden zu bearbeiten. Im Lager zu Schermoje entstand aber bald ein Konflikt. Die harte Arbeit, die strenge Zucht und militärische Disziplin benagten vielen nicht. Ein Kolonist namens Rosnowitsch hatte die Vorschriften des Vertrages verletzt. Er verweigerte den Gehorsam und wurde strenge bestraft. Gerne ergriffen einige Unzufriedene diesen Anlaß, um die Kolonisten im Lager aufzuhetzen und Unfrieden zu entfachen. Die Stimmung wurde immer gefährlicher. Paul Friedmann aber glaubte, daß ihm die Männer doch Gefolgschaft leisten werden. Er rief sie zusammen und erklärte ihnen, daß jeder, der ihn verlassen wolle, frei ziehen könne. Unvorsichtigerweise gab er ihnen längere Bedenkzeit. Diese Zeit nützten die Aufwiegler aus und hetzten die Leute dazu auf, Schermoje zu verlassen und Amerika oder England aufzusuchen. So kam es, daß am nächsten Tage 16 Kolonisten erklärten, das Lager zu Schermoje verlassen zu wollen. Friedmann löste ohneweiteres den Vertrag und ließ sie wandern. Natürlich wurden jetzt die Angriffe gegen Friedmann immer lauter. Besonders die ägyptische Zeitung „Phare d'Alexandrie" nahm ihn arg her. Er wurde sogar auf Veranlassung des russischen diplomatischen Agenten unter der Beschuldigung des Mordes von dem deutschen Konsulargericht in Kairo angeklagt. Rosnowitsch nämlich, der die Leute gegen die Führung mit der Parole „Besser, drei Tage ohne Brot in Ruß- MUtelmcet - %üm Palästina, Ägypten, Griechenland Abfahrt: 1. September abends mit der „Roma" (36.000 t) - Preis für die Schiffahrt: Neapel — Neapel, aufwärts von S 0"»A m C0MPASS TOURS IX., Spitalgasse 3 - Tel. B 42-5-38 17