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Wiener jüdisches Familienblatt · 1934-08-01 · 10 (August 1934) · p. Seite 14

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Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
2 (1934)
Issue
10 (August 1934)
Date
1934-08-01
Page
Seite 14 (sequence 16)
Language
German
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man die Berichte aus der damaligen Zeit liest, macht es den Anschein, als wäre Oppenheimer der einzige gewesen, der — neben Prinz Eugen von Savoyen seiner Zeit gewachsen war. So ließ man ihn bald wieder frei. Und Kaiser Leopold würdigt in Handschreiben und durch neue Kontraktabschlüsse mit ihm seine Verdienste. Nach alldem ist es wohl begreiflich, daß die Erbitterung der Bevölkerung gegen Oppenheimer einen aggressiven Charakter annahm. Ein Jude war die Seele des Reiches? Ein Jude hatte solche Macht, daß man ihm nichts anhaben konnte? Dazu drangen natürlich falsche oder zumindest übertriebene Gerüchte in die Menge: Oppenheimer hätte die Truppen schlecht beliefert, verlange Wucherpreise, strebe nach dem Posten eines Präses der Hofkammer (!), häufe ungeheure Gelder an, wolle aber keines mehr herleihen usw. Der landläufige Judenhaß ertrug es nicht, daß jahraus jahrein das Schicksal Samuel Oppenheimers Grabstein auf dem Rossauer Friedhofe von Hof und Staat und am meisten das Wohl und Wehe der Armeen in der Hand eines Juden standen, der vom Gehalt des Genelissimus bis zum Radnagel des letzten Troßwagens, vom Ring am Finger des Kaisers bis zum Livreeknopf seines untersten Stallknechtes fast alles lieferte. Der Gassenpöbel dachte nicht daran, wie oft Oppenheimer in kritischen Zeiten als Retter in der Not für den Staat eingesprungen war, daß er nur oder hauptsächlich mit fremdem Oelde arbeitete, der Reichtum nicht durchwegs seiner war. Sie sahen sein stattliches Haus am Bauernmarkt, andererseits das Elend hungernder und frierender Soldaten. Oppenheimers Aufwand war wohl nicht unbescheiden, aber immerhin für einen Juden eine Provokation. Außerdem munkelte man, wahrscheinlich nicht mit Unrecht, daß er in seinem Hause eine Synagoge für sich und die Seinen errichtet habe, was eine Beleidigung der christlichen Religion wäre. Kurz, die Empörung bedurfte nur eines winzigen Anlasses, um in offene Flammen auszubrechen. Dieser ergab sich im Jahre 1700. Damals war es ein beliebtes Spiel, die Juden durch Klopfen und Hämmern zu hänseln, ebenso sinnreich, wie die späteren Hepp! Hepp!-Rufe. Darüber sagt schon im Jahre 1628 ein Erlaß: Stetiges Klopfen gegen die Juden. Innsbruck. Die Regierung schreibt an Alexander Schneller, Untermarschall, und Hans Küchl, Strafrichter, hier, es werde geklagt, daß etliche Handwerksburschen, wenn sich die Juden zeigen, ajlerlei Unfug treiben und mit Hämmern klopfen, was sie keineswegs gestatten will. — Sie befiehlt daher beiden anfangs Erwähnten, das Augenmerk auf derlei mutwillige Gesellen zu richten, das Klopfen und andere Ungebühr bei Strafe abzustellen." Ein solcher Anlaß rief nun auch den damaligen Tumult hervor, über den ein Augenzeuge (Matthias Fuhrmann: Alt- und Neues Wien) im Jahre 1730 wie folgt berichtet: „Plünderung1 des Hauses des Hof-Juden Samuel Oppenheimer in Wien 1700. ANNO 1700 geschähe in Wien ein gefährlicher Auflauft, welcher nicht anders, als durch etlicher Menschen Blut kunte gestillet werden. Es spicleten zw ey Schornstein-Feger, des Hof-Juden Samuel Oppenheimers Hause gegenüber (dort befand sich ein Wirtshaus), auf öffentlicher Gasse bey St. Peter die Mühle, worüber sie ein Jude aus des Oppenheimers Hause auslachete, da dann der eine, dem Juden wieder einen Possen zu thun, mit der Hand auf die Banck klopfftc: weil nun die Juden solches Klopften nicht leyden können, der Schornstein-Feger aber dem Juden zu Trotz das Klopften nicht unterließ, so wolte der Jude dein mit Pochen anhaltenden Schornstein- Feger durch Rumor-Knechte, die zu der Juden Sicherheit in Oppenheimers Hause Wacht hielten, das Handwerck legen lassen, worbey er einige Streiche bekam, weilen er sich widersetzete. Das Volck nahm sich hierauf des Christen an, und hielte es vor unbillig, daß eines Juden wegen ein Christ solte geschlagen weiden. Bey diesem Zulauff nahmen die Buben einer daselbst sitzenden Bauern-Frau die Eyer, und warffen sie in des Juden Fenster. Als diese alle, grieff man zu den Steinen, wornach endlich das Hauß erbrochen und geplündert ward. Nicht 10 Schritt davon war die Haupt-Wache der Stadt, welche alles hindern kön. nen, die aber der Plünderung in des Oppenheimers Hause gelassen zusähe. Es wurden alle Schrifften und Handels-Bücher entzwey gerissen, Gold und Silber zum Fenstern heraus geworffen, allen Wein-Vässern die Böden eingeschlagen, ja alle des Juden Mittel preyß gegeben. Die Juden hatten sich unterdessen in sichere Gewölber verschlossen und kümmerlich ihr Leben gerettet. Endlich wurde durch1 expresse Kayserl. Ordre die Haupt-Wacht commandiert, welche Noth hatte, den rasenden Hauffen zu zertrennen. Als aber scharff unter denselben Feuer gegeben, und ihrer 14

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