Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- 9 (Juli 1934)
- Date
- 1934-07-01
- Page
- Seite 38 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/8245601-8695753-8695760--310-8245823- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
MAU; Das Modernste in Wohnzimmerkasten, Sekretären, Lotterbetfen, Reformküchen, Sitzgelegenheiten in größter Auswahl Zahlungserleichterung Auto-Provinzversand Filiale: Wien, VII., Karl Schweighofer-Gasse Nr. 14 Wien,IX.,Währingerstr.76 (bei der Volksoper) rangen moderner Kosmetik ist diejenige, daß wir uns nicht mit feuchter Haut aus geschlossenen Wohnräumen auf die Straße begeben. Die fünf Minuten, die wir der abendlichen Kosmetik widmen, sollen vor allem dazu dienen, das Gesicht gründlich von Staub und Puderspuren zu reinigen. Die Haut will des nachts atmen, und nur die gereinigten Poren können genügend Sauerstoff aufnehmen. Das Gesicht soll reichlich mit Creme eingerieben, das überschüssige Fett dann mit einem Wattebausch entfernt werden. Die zu fette Haut darf zuerst mit einer Spirituosen Flüssigkeit gereinigt werden. Einfache Mittel, einfache, aber ausdauernde Behandlung, sind der beste Weg um schöne, gesunde Haut zu erhalten und zu bewahren. O weh, ein Fleck! Neue Kleider scheinen auf gewisse Flüssigkeiten, welche die unangenehme Eigenschaft haben, Flecke zu hinterlassen, eine besondere Anziehungskraft zu haben. Je nach dem, ob es sich um Seide, Baumwolle oder Wolle handelt, muß das Material entsprechend behandelt werden. Wir lassen hier einige erprobte Ratschläge folgen. Kaffeeflecke werden am besten sofort mit kaltem Wasser ausgewaschen. Bei Leinen, Seide und Baumwolle muß das Gewebe zuerst mit Glyzerin betupft werden; dann läßt sich der Fleck leicht mit lauwarmem Wasser entfernen. Kirschen flecke sollen mit Zitronensaft beträufelt werden und dann mit süßer Milch ausgewaschen werden. Man kann auch versuchen, vorsichtig mit Salmiakgeist zu putzen. Im allgemeinen lassen sich Obstflecke durch Persillösung entfernen. Flecke von gekochtem Obst werden am besten über Nacht in Milch eingeweicht und erst morgens vorsichtig gewaschen. Flecken von Obstwein müssen sofort, solange sie noch frisch sind, mit Salz bestreut werden. Bei weißen Materialien wird dann solange gekocht, bis der Fleck verschwunden ist. Man kann bei farbigen Stoffen versuchen, den Fleck mit Spiritus herauszuwaschen, oftmals hilft das Eintauchen der Fleckstelle in saure Milch und das Nachwaschen mit lauwarmem Wasser. Rostflecke die sich manchmal vermeiden lassen könnten, wenn wir uns die Mühe nehmen würden, Schnallen und Knöpfe von Waschkleidern abzutrennen werden durch wiederholtes Waschen mit verdünnter Zitronensäurelösung entfernt. Bei Seide kann nur dann zur Behandlung des Materiales geraten werden, wenn sie vollkommen echtfarbig ist; ansonsten wird der Fleck nur verschlimmert und das Material leidet. Bei echtfarbiger Seide kann der Fleck mit Seifenspirituslösung ausgewaschen werden. Noch eines: Fleckputzmittel sollen in kleinen eigenen Fläschchen, mit Zettelchen beklebt, aufbewahrt werden, weil durch Verwechslungen leicht großer Schaden angerichtet werden kann. Plauderei über Herrenmode Von Leopold Baum. Man soll tragen, was einem passt; also muß der mit abfallenden Schultern zur Welt Gekommene nachhelfen lassen, ebenso wie der allzu Breithüftige. Gut gebaute Menschen bedürfen naturgemäß nur einer ganz geringen Einlage, die ein besseres Fallen desi Anzuges gewährleistet. Denn der gesunde Sinn unserer Herrenmode ist der, die Figur des Herrn derart zu verbessern, daß sie unserem heutigen Männerideal — sportlich durchtrainiert — möglichst nahekommt, also die Mängel verdeckt und Korrektheiten betont. Auf den Einfall, Ringer herauszustellen, kann nur vorstädtische Konfektion geraten. Es ist ziemlich egal, ob jemand seinen Tagesanzug ein- oder zweireihig bevorzugt. Er muß tragen, was ihn vorteilhafter kleidet. Genau so ist es mit der Kravatte, die allenfalls (ebenso wie Hut und Socken) auf den Anzug abgestimmt sein soll. Man kann hiezu gelten lassen: „Zum hellen Anzug eine einfache, zum dunkleren eine lebhaftere Kravatte." * * * Der Großstädter liebt die Uebertreibung in der Sportkleidung, vor welcher nicht genug gewarnt werden kann. Weil einer ein Polohemd trägt, wird er sich nicht morgen schon ein Pferd dazu kaufen. Auch der eigene Wagen ist heute kein Sportgerät mehr, also besteht kein Grund, warum man nicht in korrekt geschnittenem Straßenanzug und mit steifem Hut am Volant sitzen soll. Es ist auch eine starke Geschmacksverbiegung, wenn Menschen, deren äußeres Gehaben den eingefleischten Großstädter und Kaffeehaussitzer verrät, in der Sommerfrische den Einheimischen in seiner Nationaltracht kopieren wollen. Wer das natürliche Verlangen hat, auf dem Lande leichte, gesunde Kleidung zu tragen, dem bietet die jetzige Sommermode eine große Auswahl von richtiger Leinenkleidung, ohne in dieser irgendwo unliebsam aufzufallen. Das Primäre in der Herrenmode heißt: dezent! Nicht der süffisante Snob, nur der Gentleman mit verbindlichen Formen und innerer Kultur kann eine gute Figur machen, und nur Menschen mit gesundem Siran in jeder Hinsicht haben in der heutigen Zeit Anspruch auf Erfolg. 38