Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- 9 (Juli 1934)
- Date
- 1934-07-01
- Page
- Seite 37 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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Praktisches für die Hausfrau Für unerwartete Gäste Es gibt Frauen, die, obwohl tagsüber im Beruf stehend, ihren Haushalt doch „wie am Schnürchen" führen. Und andere, die sich den ganzen Tag plagen und hetzen und doch niemals fertig werden. Wie zu allen Dingen, gehört auch zur Führung des Haushaltes etwas Organisationstalent. Planmäßiges Arbeiten ist oberste Bedingung. Ein kleiner Zettel mit Notizen, mit richtigen Vormerkungen kann fast Wunder schaffen. Unerwartete Gäste, so erfreulich sie sein mögen, jagen der Hausfrau meist einen gelinden Schreck ein. Es ist nichts vorbereitet, kein Backwerk, keine Torte im Hause. Also muß schnelle Küche aushelfen. Ein paar Rezepte für gute, leichte Cremes, die jetzt in der Obstzeit rasch und billig herzustellen sind, seien hier angeführt: Pfirsichcreme: 5 Dotter werden mit 4 dkg Mehl verrührt, 1/2 Liter Milch (sehr kalt gestellt), 12 dkg Zucker und etwas Vanillezucker werden über Dunst so lange geschlagen, bis sich eine dickliche Creme zeigt. Dann wird die Creme bis zum Erkalten weitergerührt, mit '/s Liter Schlagobers vermischt. Die geschälten und passierten Pfirsiche (zirka % Kilogramm) werden darunter gemischt, in kleinen Schüsseln oder tiefen Gläsern angerichtet und sehr kalt gestellt. Statt der Pfirsiche können auch geschälte Zwetschken oder anderes frisches Obst verwendet werden. Gesulztes Obst: In eine tiefe Glasschüssel werden Erdbeeren, Ribisel, Kirschen, Stachelbeeren geschichtet, bis die Schüssel halb voll ist. 1/1 Liter Weißwein, '/i Liter Wasser, Vi Kilogramm Zucker und etwas Zitronensaft werden aufgekocht, 6 Blatt gelöste, durchpassierte Gelatine dazugegeben, das Ganze über die Früchte gegossen, einige Zeit sehr kalt gestellt. Man reicht Biskotten dazu. Weincreme: V'i Liter Weißwein, etwas Zimt, 2 dkg Kartoffelmehl und 2 Dotter werden sehr gut abgesprudelf, über Dunst so lange geschlagen, bis es dicklich ist; gut erkaltet, wird von 2 Eiweiß fester Schnee langsam daruntergezogen, über gut gewaschenes Obst, das sehr gut abgetropft ist, gegossen und in einer Glasschüssel mit Biskotten hübsch angerichtet. Preiselbeerschnse: Eingekochte Preiselbeeren (mit wenig Saft), genau so viel Zucker und einige vorhandene Eiweiß werden eine halbe Stunde gut gerührt und mit Biskotten in kleinen Schüsselchen serviert. Einfache Schokoladecreme: V2 Liter Milch, 6 dkg Butter, 6 dkg Schokolade, 6 dkg Mehl werden im Wasserbad so lange gerührt, bis sich eine dickliche Creme ergibt. Ausgekühlt wird sie in einer Glasschüssel angerichtet und entweder mit Himbeersaft oder Schokoladesauce, eventuell mit Schlagobers, bekränzt. Einfache Vanillecreme: 1 Dotter, 1/8 Liter Milch werden abgetrieben. Dann wird etwas Zucker, Vanille und etwas Mehl dazugegeben, über Dunst so lange gerührt, bis es dick ist. Man füllt diese Creme dann in halb weichgekochte, ausgehöhlte Birnen und verziert mit einer vorhandenen Schnapsweichsel oder mit Weichselmarmelade. Die gleiche Creme kann mit schwarzem Kaffee statt mit Vanille gemacht werden und schmeckt, mit Schlagobers und Biskoften garniert, sehr fein. Schnell und einfach ist der Tisch gedeckt. Für solche kleine improvisierte Bewirtungen ist das weiße kostbare Tischgedeck vollkommen überflüssig. Ein kleines zartes Deckchen unter jeden Teller, ein paar Blüten in schlanker Vase in die Mitte des Tisches gestellt, lustig-bunte Papierservietten und farbige Likörbecher, wenn der Likörschrank des Herrn eine Vorratsflasche enthält — oder eiskalte Limonade in hübschen Kelchen und die Hausfrau hat in liebevollster Weise ihre Pflicht erfüllt. Kosmetik des Alltags Die moderne Kosmetik, viel umstritten, kann leider — noch immer keine Wunder vollbringen. Es gehört konsequente Ausdauer dazu, um gute Erfolge zu erringen. Aber knappe fünf Minuten morgens und ebenso lange am Abend kann sich wohl auch die berufstätige Frau und die vielgeplagte Hausfrau abringen, wenn sie nur will. Denn oberste Bedingung für Gepflegtsein ist guter Wille. Die morgendlichen fünf Minuten müssen dem Körperfraining dienen. Muskelübungen, Kniebeugen, Ausstrecken der Arme und Beine sind ungemein zuträgliche Uebungen, die nur die ersten Male ermüden, dem trainierten Körper aber zum größten Vorteil gereichen. Das Ansetzen von Fett wird vermieden, die Beweglichkeit bis ins hohe Älter bewahrt. Bedingung ist, die Uebungen bei offenem Fenster vorzunehmen, denn die Lungen müssen tief und genügend Atem schöpfen. Wichtig ist das gründliche Waschen des Körpers mit kühlem Wasser. Wohl ist warmes Wasser angenehmer, aber so empfehlenswert laues Wasser ist, so schädlich wirkt zu heißes Wasser, weil es die Haut zum Erschlaffen bringt. Auch kaltes Wasser soll nur in kleiner Dosierung, etwa als kalte Dusche, in Anwendung treten, da die Haut durch zu viel kaltes Wasser richtig gegerbt wird. Daß das Abreiben des Körpers mit gut gereinigten Bürsten zu den wichtigsten täglichen Prozessen gehört, ist vielen noch nicht hinlänglich bekannt. Denn es handelt sich nicht um das tägliche Bad, sondern um das tägliche gründliche Abreiben des Körpers. Dadurch werden die kranken Hautteile abgestoßen und die Haut wird gesund erhalten. Gründliches Einseifen nützt der Haut. Die Hauptwaschung auf den Abend zu verlegen ist klug und zweckmäßig, denn eine der wichtigsten Forde- I.SPIEGEL<3.2-I.KÄRNTNERSTR.45-IV.AV^RGARETENSTR.8 Neues von der Bademode. Es gibt in diesem Jahre besonders kleidsame neue Badetrikots. Sie sind durchwegs aus Wolltrikot und nur mehr einfarbig; heuer zum erstenmal mausgrau — eine sehr hübsche und ungemein kleidsame Farbe — alle wohl rückenfrei, aber vielfach schon mit knapperer „Freiheit" als im Vorjahr. Die umstürzlerischeste Neuerung im heurigen Jahre ist unstreitbar der „Büstenschnitt". Der Badeanzug mit dem „Büstenschnitt" wirkt richtige Wunder, er läßt viel jünger erscheinen, denn die Büs^e wird ungemein vorteilhaft geformt. Wir hören, daß der gesetzlich geschützte Schnitt „Bust-Fit" der Qualitätsmarke „Wirkitt", die Siegespalme unter den Modellen der heurigen Saison erhalfen haben soll — kein Wunder, denn das Modell ist bezaubernd! 37