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Wiener jüdisches Familienblatt · 1934-07-01 · 9 (Juli 1934) · p. Seite 32

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
2 (1934)
Issue
9 (Juli 1934)
Date
1934-07-01
Page
Seite 32 (sequence 34)
Language
German
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Kraft unter die Vorherrschaft der kritischen Vernunft. Wenn er auch von der Idee, die er schuf, durchdrungen war, mit Leib und Seele Träger dieser Idee, so ist doch eine wache, überwache, aufreibende Bewußtheit da, die bei aller Treue zur Idee starken Wirklichkeitssinn besaß, geistige Elastizität und Spannkraft, die die Idee nicht nach einer einseitigen Richtung erstarren ließ, keinen Götzen aus ihr machte. Hier ist der ringende Geist, der audi innerlich um die Idee kämpft. Dennoch ist sein Kampf ein Kampf des Geistes. Der spitze, waagrechte Endstrich seines Namenszuges zeigt die scharfe, beißende und doch beherrschte, kultivierte Ironie; zeigt geistige Schlagkraft. Aber der waagrechte Endstrich ist noch in anderer Hinsicht symbolisch: Er führt von innen nach außen, vom Ich zum Du. Er zeigt die Bereitschaft, eine Brücke zu schlagen von Mensch zu Mensch, von Idee zu Idee. Sein Element ist das Verbindende, nicht der Kampf. Anders Jabotinsky. Hier ist kein Ringen um die Idee, hier wird die Idee zum überdimensionierten Idol, in sich wundervoll klar aufgebaut, von zwingender Logik. Aber er ist ein Einzelgänger, geistig und seelisch einsam. Diese Einsamkeit überträgt er auf die Idee. Sie steht selbstherrlich da, kennt keinej Brücken vom Ich zum Du, kennt kein Kompromiß;'. Sie sucht sich nicht organisch in die Realität, in die Wirklichkeit einzugliedern, denn sie ist durch ihre Unbedingtheit unorganisch, starr, will unverändert genommen werden. Auch Jabotinsky ist ein Geist von seltener Größe. Auch er ist selbstlos bis zur Selbstaufopferung. Aber der schroff abwärts führende Schlußstrich seines Namenszuges zeigt, daß sein Element der Kampf ist — nicht nur der des Geistes. Jeder unserer Leser kann sich des graphologischen Fragekasfens bedienen. Dieser wird von dem bekannten Wiener Graphologen Alfred Kanfer geleitet. Zur Erlangung einer Analyse sind mindestens zehn Zeilen Tintenschrift sowie Angabe von Geschlecht und Alter erforderlich. Wir berechnen unseren Lesern für eine Analyse nur einen Druckkostenbeitrag von S 1.20, der in Marken beizulegen ist. Es ist ferner ein Kennwort anzugeben, unter dem die Veröffentlichung erfolgt. Einsender, die auf besonders rasche Erledigung ihrer Anfrage Wert legen, legen frankiertes Refourkuvert bei, und erhalten brieflichen Bescheid. Ausführlichere Analysen gegen Einsendung von Schriftproben und genauen Geburtsdaten sowie S 3.50 in Marken und frankiertem Retourkuvert. Großes Charakterbild S 10.—. Für Ausland internationaler Antwortkupon. Beantwortung der Anfragen „Temesvar 79." Ein fester, klarer, entschiedener Charakter, der sich keinen sinnlosen Illusionen hingibt, der das Leben und die Menschen so sieht, wie sie wirklich sind, der sachlich und nüchtern zu beobachten und denken gelernt hat, in Handlungen und Urteilen besonnen und vorsichtig ist. Wenn auch keine starke Initiative vorhanden sein mag, wenn Sie sich auch nur schwer zu etwas Neuem entschließen mögen und in Ihrer ganzen Denkart konservativ sind, so ist doch ein beharrlicher Wille da, der sich trotz aller Enttäuschungen nicht leicht unterkriegen läßt. „Gute Zukunft" (Leopoldine). Hier ist ein weit tieferer und schwerblütigerer Charakter, der schon im Leben seine Schwierigkeiten und Kämpfe haben wird, denn es ist ein sehr beträchtlicher Grad von seelischer Ungeschmeidigkeit vorhanden, der alles ernst nimmt, sich an allem stößt und so viel leichter in Konflikte gerät und sich selbst auch leichter wundstößt an Enttäuschungen und Mißerfolgen als andere. Im Alltag fleißig und beharrlich, sparsam, wirtschaftlich, im Gefühlsleben empfindlich, von starkem Verlangen nach Anerkennung, nach Wärme und Anlehnung. Sie selbst sind aber noch keine weiche und zärtliche Natur, das heißt, Sie können Weichheit und Zärtlichkeit nicht zum Ausdruck bringen, so stark Ihr Verlangen danach sein möge, sind etwas herbe und spröde, werden dadurch oft für kälter gehalten, als Sie es in Wirklichkeit sind. „Afrika." Warum so furchtsam? Es ist kein Anlaß dazu. Aber es scheint, als ob diese Furchtsamkeit Ihr ganzes Leben zerstören könnte. Sie sind in allem gehemmt und unentschlossen. Schrift zeigt zum Beispiel eine sehr sinnliche Natur und doch ist diese Sinnlichkeit unterdrückt, verkümmert Ihr Triebleben aus Mangel an Mut und Aktivität. Dies kann in weiterer Folge dazu führen, daß Sie sich einmal, nur um irgend eine Frau zu haben, an ein Wesen klammern könnten, bei dem Sie den geringsten Widerstand zu überwinden haben, die aber bestimmt nicht geschaffen sein wird, Sie glücklich zu machen, die in Ihnen nur ein brauchbares Subjekt sehen könnte. Sie sind etwas schwerfällig und ungeschickt, brauchten viel Gesellschaft und Freunde, die Sie leiten. Intelligenzniveau nicht schlecht, Bildungsniveau allerdings einfach. „Auf Bergeshöhe." Sie sind ein ernster, schwerblütiger, grüblerischer Mensch, mit dem Ihre Umgebung schon ihr Gefrett haben mag. Fleißig und arbeitsam, aber sparsam, kleinlich und oft von bewundernswertem Eigensinn, werden an dem, was Sie sich einmal in den Kopf gesetzt haben, nicht rütteln lassen. Es mag dies wohl auch an den äußerer Verhältnissen gelegen sein. Schrift spricht von einem schweren, arbeitsamen Leben von Jugend auf, an schwere, kleine Verhältnisse, die das Knausern nötig gemacht haben mögen. Dabei sind Sie strebsam, haben genügend Kraft und zähe Beharrlichkeit, etwas zu erreichen, werden nie jemandem zur Last fallen wollen. Sie sind sicherlich kein schwungvoller Geist, der sich schnell zu etwas entschließen könnte, der Initiative und Tatkraft besäße, aber Sie sind klug und besonnen, werden kritisch und mißtrauisch prüfen, bevor Sie sich zu etwas entschließen. Sie suchen keinen Streit, sind froh, wenn Sie Ruhe haben, aber Sie sind dabei hart und unnachgiebig, wenn Sie etwas für richtig erkannt haben. Sie haben Geduld und Ordnungssinn. Lieben klare, saubere Verhältnisse, sind ein gerader Charakter. Genealogische Auskünfte Einem von mehreren Seiten geäußerten Wunsche Rechnung tragend, wird die Redaktion des „Wiener Jüdischen Familienblattes" Anfragen familiengeschichtlicher Natur nach Maßgabe des vorhandenen Materials für Abonnenten gegen bloßen Portoersatz erledigen. Weitergehende Recherchen werden von dem Leiter unserer genealogischen Abteilung gegen fallweise zu vereinbarende mäßige Spesen und Honorarsätze durchgeführt werden. Die Redaktion des „Wiener Jüdischen Familienblattes" hofft, daß diese Neueinführung den Beifall der Leser finden wird und fordert zu fleißiger Inanspruchnahme dieser neuen Rubrik auf. Auskünfte und Elaborate von allgemeinerem Interesse können veröffentlicht werden. 32

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