Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- 9 (Juli 1934)
- Date
- 1934-07-01
- Page
- Seite 33 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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i u © i % c n s w © u ir Das internationale Jubiläums- Schwimmfest der Hakoafr Vor einigen Wochen fand im Stadionbad eine schwimmsportliche Veranstaltung statt, deren Bedeutung bereits von der In- und Auslandspresse besonders gewürdigt wurde. Wir wollen heute lediglich die Bedeutung des internationalen Jubiläum-Schwimmfestes der Hakoah vom jüdischen Standpunkt beleuchten. Der Schwimmklub Hakoah hat sich ein unyer, gängliches Verdienst mit der mustergültigen Durchführung dieser Veranstaltung gesichert. Die Leitung scheute keine Mühen und Kosten, um die hervorragendsten Schwimmer der ganzen Welt an den Start zu bringen. Schwimmer, wie: den-Ouden, Costoli, Lengyel, Getreuer, Timmermanns und Brouwers zählen zu den besten Vertretern ihres Faches und sichern jeder Konkurrenz von vornherein ihren sportlichen Wert. Auch der gesellschaftliche Rahmen war ein glänzender; für die Regierung war Bundesminister für Sicher heitswesen Vizekanzler a. D. Major Fey, für die Stadt Wien Vizebürgermeister Major Lahr erschienen. Man bemerkte den Präsidenten der Kultusgemeinde Dr. Desider Friedmann, den Rat der Stadt Wien Dr. Jakob Ehrlich, den Präsidenten des olympischen Komitees Dr. Theodor Schmidt, den Sportreferenten Hofrat Dr. P r e i ß, Sportskonsulenten Amtsrat Wratschil, für den Makkabi-Weltverband war Direktor Spie gl er erschienen. Vertreter der tschechoslowakischen, holländischen, italienischen und ungarischen Gedandtschaften, sowie der gesamten in- und ausländischen Presse zeichneten durch ihren Besuch den internationalen Charakter der Veranstaltung. Viel bemerkt und bejubelt wurde die Anwesenheit der Kammersänger Schmidt und P i c c a v e r sowie des Filmstars V e r e b e s. In sportlicher Beziehung war die Veranstaltung hervorragend gelungen, alles überragte aber das Schwimmphänomen den-Ouden; auch ihre holländische Klubkollegin Timmermanns war unter den Besten zu finden. Bei den Damen ist allenfalls noch Hedy Wertheimer zu erwähnen. Die österreichischen Schwimmer waren durch ihre Elite vertreten, konnten sich aber gegen die ausländischen Kanonen Costoli, Lengyel, Czik, Getreuer nur selten durchsetzen. Jeder der Teilnehmer erhielt eine von der Hakoah gestiftete Plakette. Es waren besonders wertvolle Preise, Statuetten, Silberpokale etc. gestiftet worden; am besten gefielen die als erster und zweiter Preis verteilten Pokale der Hakoah und des Wiener Jüdischen Familienblattes. Der Schwimmklub Hakoah kann diese Veranstaltung als ein Ruhmesblatt seiner Geschichte einfügen und das uneingeschränkte Lob der in- und ausländischen Presse und der Sportbehörden ist nur verdient, aber auch der Dank, dem österreichischen Schwimmsport neue Impulse verliehen zu haben, sollte von Seiten der offiziellen Sportbehörde nicht ausbleiben. K—b. Max Baer - Boxweltmeister aller Kategorien Der spannende Boxkampf Baer-Carnera hat mit dem Sieg des jüdischen Meisters geendet. Di,e herrliche Schlagtechnik, die Baer schon in seinem vorjährigen Kampf gegen Max Schmeling bewies, hat sich nun auch in diesem Kampf bewährt, in dem nicht lediglich die rohe Kraft der Muskeln, sondern vielmehr auch durchdachte Technik zum Siege führte. Palästina und die Berliner Olympiade In Kreisen jüdischer Sportsleute wird gegenwärtig besonders ein Thema diskutiert: Soll Palästina an den im Jahre 1936 in Berlin zur Austragung gelangenden olympischen Spielen teilnehmen oder nicht? Die Gegner einer solchen Teilnahme argumen, tieren mit den sattsam bekannten Vorfällen im Deutschen Reich und verweisen besonders auf die vor1 kurzem durch die gesamte Weltpresse gegangene Nachricht, wonach den Juden in Ostpreußen jede; sportliche Betätigung untersagt worden sei. Dieser Standpunkt wird vor allem von den Amerikanern und Engländern vertreten. So wurde unlängst zur Lösung dieser Frage verlangt, daß das internationale olympische Komitee die Olympiade von Berlin nach einer anderen europäischen Hauptstadt verlegen möge, da manche Sportler in Berlin „aus rassischen Gründen" Unannehmlichkeiten ausgesetzt wären. Von dieser Seite wird gewarnt, man solle sich nicht von den leeren Versprechungen, die Deutschland in dieser Hinsicht mache, bluffen lassen. Wie dem aber auch immer sein möge, ob die einzelnen Staaten teilnehmen oder nicht, Palästina dürfe, so wird in fast allen jüdischen Kreisen außerhalb des Deutschen Reiches immer wieder betont, an einer in Berlin, dem Zentrum des Judenhasses, stattfindenden Olympiade nicht teilnehmen. Auf der anderen Seite motiviert man jedoch, daß es einen großen moralischen Erfolg für das gesamte in Fesseln lebende deutsche Judentum bedeuten werde, wenn das jüdische Palästina in Berlin durch sportliche Leistungen Beweise seines Könnens liefern wird. Nicht mit Unrecht wird die hohe ethische Wir- 33