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Wiener jüdisches Familienblatt · 1934-07-01 · 9 (Juli 1934) · p. Seite 30

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Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
2 (1934)
Issue
9 (Juli 1934)
Date
1934-07-01
Page
Seite 30 (sequence 32)
Language
German
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Tatar-Pasardjiki Befh-Hamidrasch freundschaft. Während des großen Bauernaufstandes in Rumänien im Jahre 1907 waren die bulgarischen Donauhäfen mit jüdischen Flüchtlingen aus dem Nachbarstaat überfüllt. Nach Beendigung des Weltkrieges, als über Osteuropa wieder eine starke antisemitische Welle ging, überschritten mehr als 1000 jüdische Flüchtlinge aus Rumänien die Donau bei Widdin, Lom und Rustschuk. Trotz der schweren politischen und wirtschaftlichen Lage, in der sich Bulgarien nach dem Kriegsende befand, blieb Bulgarien auch diesmal seiner schönen Tradition treu und nahm die jüdischen Flüchtlinge gastfreundlich auf. Nun ist der Balkan wieder in die vordere Reihe der europäischen Politik getreten. Die Nationalstaaten des Balkan schließen sich enger zusammen und wollen alten Hader begraben. Auch den Juden der Balkanländer möge das Streben nach Völkereintracht zum Segen gereichen. Dr. Eugenie Singer. VON MONAT ZU MONAT Die Tel-Aviver Messe wurde am 5. Juni geschlossen und von über 60.000 Gästen besucht. Die Palästina-Exekutive und der Waad Leumi haben beschlossen, ein Mausoleum für die sterblichen Überreste Herzls zu errichten. In Tel-Duveiv (Süd-Palästina), dem biblischen Lachisch, wurden alte Handschriften aus dem 16. Jahrhundert v. Ch. gefunden. Die Synagoge in Gröbzig (Deutschland) mußte verkauft werden, da in Gröbzig nur noch zwei Juden wohnen. In Köln fand eine Palästina-Ausstellung statt. Besonders ehrend wurde David Wolfsohns gedacht, der Theodor Heizl im Präsidium der Zionistischen Weltorganisation folgte. In Lemberg wurde das Lokal der zionistischen Organisation durch eine Höllenmaschine zerstört. Die Einwohner des deutschen Dorfes Sarona beiTel-Avlv haben beschlossen, an Juden keine Zimmer zu vermieten. In Lettland wurden die jüdischen Zeitungen verboten. Die 900-Jahr-Feier der Wormser Synagoge fand am 3. Juni statt. In der Türkei, Brasilien, Holland, in Peru und Chile entfalten die Nationalsozialisten eine rege antisemitische Hetze. In Ostpreussen wurde den Juden jede Sportbetätigung verboten. Zwischen jüdischen und arabischen Arbeitern in Palästina kam es zu Zusammenstößen. In Wien fanden Protestversammlungen gegen die Einwanderungssperre nach Palästina und gegen das Urteil im Arlosoroff-Prozeß statt. „Popolo d'Italia", das Organ Mussolinis, brachte einen scharfen Artikel gegen Ch. N. Bialik. In Warschau wurde bei antisemitischen Ausschreitungen ein Jude getötet. Der Wiener Oberrabbiner Dr. Feuchtwang schloß sich der Aktion für die Revision des Urteils gegen Stavsky an. Das Kongreß-Gericht hat die Suspendierung des Brith- Trumpeldor bei der Verteilung der Einwanderungszertifikate aufgehoben. Mehrere deutsche Seebäder, darunter Norderney, wünschen keine jüdischen Badegäste. Am 16. Juni 1934 jährte sich der Tag, an welchem Arlcso off am Strande von Tel-Aviv ermordet wurde. Vertreter des polnischen Rabbinerverbandes sprachen beim Warschauer Kardinal Kakowski, dem Oberhaupt des polnischen Episkopats, vor und führten Klage über den wachsenden Antisemitismus. In Jugoslavien leben von etwa 14,044.000 Seelen rund 78.000 Juden. Im Monat März kamen 3367 Juden nach Palästina. Max Baer, der den Deutschen Max S ch m e 1 i n g knockout besiegt hatte, hat nun auch den jelzigen Weltmeister Camera durch technisches Knock-out geschlagen. Baer ist somit We'tmelster. In der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde ist es zwischen den Zionisten und den Nichtz'onisten zu einem Konflikt gekommen. In Berlin wurde eine judenchristliche Gemeinde gegründet Die Gattin des österreichischen Bundespräsidenten, Frau Leopoldine Miklas, besuchte die jüdische Erziehungsanstalt „Dr. Krüger-Heim". In Wilna wurde der jüdische Offizier Bernstein im Verlaufe antisemitischer Ausschreitungen durch Messerstiche tödlich verletzt. Aus Deutschland wurden im Jahre 1933 Waien im Werfe von pal. L. 1,200.000 — (gegen pal. L. 775.000 — im Jahre 1932) in Palästina eingeführt. Im Arlosoroff-Prozeß wurde Stawsky zum Tode verurteilt, Rosenblatt freigesprochen. Das Berufungsverfahren findet Mitte Juli statt. Der Schweizer Äntisemitenführer Dr. Zander mußte im Laufe einer Gerichtsverhandlung erklären, daß er keine Beweise für die Echtheit der „Protokolle der Welsen von Zion" habe. Max Pallenberg verunglückte am 26. Juni tödlich. 30

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