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Wiener jüdisches Familienblatt · 1934-07-01 · 9 (Juli 1934) · p. Seite 29

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Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
2 (1934)
Issue
9 (Juli 1934)
Date
1934-07-01
Page
Seite 29 (sequence 31)
Language
German
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kenasim, die erst in den letzten Jahrzehnten nach Bulgarien eingewandert sind, alle übrigen sind Sephardim und bedienen sich des Spaniolischen als Umgangssprache. Eigene aschkenasische Gemeinden bestehen neben den sephardischen Gemeinden in Sofia und Rustschuk. An der Spitze der jüdischen Gemeinden steht das Großrabbinat in Sofia als geistliche und das Zentralkonsistorium in Philippopel als weltliche Behörde des bulgarischen Judentums. Der Großrabbiner wird von den Gemeinden gewählt und durch einen königlichen Ukas bestätigt, des obersten religiösen Gerichtes, dem die jüdischen Gerichte in Sofia, Philippopel und Rustschuk unterstehen. Diese Gerichte sind aus drei Rabbinern und zwei Laien mit beratender Stimme zusammengesetzt und erstrecken ihre Tätigkeit hauptsächlich auf eherechtliche Angelegenheiten. Die Mitglieder dieser Gerichte werden 103jährige Spaniolin aus Ütsch-Bunar vom Zentralkonsistorium im Einverständnis mit dem Großrabbinat ernannt. Für das jüdische Erziehungswesen trägt das dem Zentralkonsistorium angegliederte Schulinspektorat Sorge. In Bulgarien bestehen 23 jüdische Primär- und fünf Sekundärschulen sowie zehn Kindergärten, in welchen insgesamt etwa 3200 jüdische Kinder Unterricht genießen. Die jüdischen Schulen sind mit Oeffentlichkeitsrecht versehen und werden vom Staate, besonders aber von den Stadtgemeinden gefördert. Der Pflege der hebräischen Sprache wird schon in den Kindergärten Aufmerksamkeit geschenkt. Um eine genügende Anzahl tüchtiger Lehrer und Lehrerinnen für die hebräische Sprache herauszubilden, wurden vom Zentralkonsistorium in Philippopel spezielle zweijährige Kurse eingerichtet. Die zionistische Bewegung hat schon frühzeitig in Bulgarien Eingang gefunden. Es ist wenig bekannt, daß sich unter den ersten Anhängern Dr. Herzls auch bulgarische Juden befanden. Von Bulgarien aus verbreitete sich der zionistische Gedanke unter der sephardischen Judenschaft, die diesem anfangs teilnahmslos, ja ablehnend gegenüberstand. Daß die zioni- Innenansicht der Synagoge Tafar-Pasardjik stische Bewegung heute in allen Balkanländern festen Fuß gefaßt hat, ist der Tätigkeit der jüdischen Agitatoren aus Bulgarien zu verdanken, welche mit unermüdlichem Eifer die Ideen Dr. Herzls unter den Spaniolen verbreiteten. Schon im Jahre 1894 hatten die bulgarischen Juden dem Rufe Dr. Pinskers Folge geleistet und gründeten unter dem Namen „Yischuw Erez Israel" zionistische Vereine in Widdin, Tatar- Pasardjik und Philippopel. Der bedeutendste Agitator, der sich um die Verbreitung des Chowewe-Zionismus in Bulgarien große Verdienste erworben hatte, war der Spaniole Josef Marco Baruch, der „Romantiker des Zionismus". In diese Zeit fällt auch die Gründung der Kolonie Artuf in Judäa durch bulgarische Juden (1896); Artuf ist die erste sephardische Ackerbaukolonie in Erez Israel. Bulgarien gewährte zu wiederholten Malen den bedrängten Juden aus Rußland und Rumänien Zuflucht und sicheres Asyl. Als im Jahre 1895 Judenpogrome in Rußland wüteten, erwies Bulgarien den Juden Gast- Tatar-Pasardjik: Synagoge 29

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