Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- 9 (Juli 1934)
- Date
- 1934-07-01
- Page
- Seite 27 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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VON DEN JUDEN IN BULGARIEN iiiiiiiiiiiiiiiimiiiniiii......iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiii......iiiiiiiiiiuiiiiiitiiiiiiii......iiuiiiiiiininiuiiii......iiiiiiiiiiiiiiiiihiiiui............iiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiii..........mini.....in.....um.....i.....um...........iininiiiiiininiiiiiiiiii Aus verschiedenen Quellen wissen wir, daß die Juden schon im Altertum die Balkanländer bewohnten. Ueber jüdisches Leben auf dem Gebiete des heutigen Bulgariens gibt uns ein Denkmal Kunde, das im nordbulgarischen Dorfe Gigen, wo sich einst die von Kaiser Trajan gegründete römische Kolonie Vescus erhob, gefunden wurde. Das ist eine Grabinschrift, welche dem „Archisynagogus Josephus" errichtet wurde und stammt aus dem II. Jahrhundert n. Chr. Wir schlössen aus Zar Iwan Alexander (1351—1371) und seine Frau Theodora, eine Jüdin der Tatsache, daß in einem so entlegenen Orte, wie Vescus, schon im II. Jahrhundert eine jüdische Gemeinde mit Synagoge bestand, daß auch in anderen, bedeutenderen Städten Moesiens und Thrakiens um jene Zeit jüdische Kolonien existierten. Aus den Responsa des S. A. Cohen (Livorno 1592) geht hervor, daß in Nikopol, einem kleinen Städtchen an der Donau, im Jahre 967 eine Ansiedlung byzantinischer Juden bestand. In der zweiten Hälfte des X. Jahrhunderts werden in Serdica, dem heutigen Sofia, ebenfalls byzantinische Juden erwähnt. Ihre Synagoge bestand bis in die jüngste Vergangenheit (1881). Diese byzantinische Judengemeinde wurde später von den Sephardim „Comunidad de los Geros" genannt. Sie gingen während der Türkenzeit in den Sephardim auf; jüdische Familiennamen Pizanti, Romani erinnern noch an ihre Existenz. Daß die Juden in Bulgarien während des IX. Jahrhunderts ziemliche Verbreitung gefunden hatten, ersieht man aus den Antworten, die Papst Nikolaus I. im Jahre 866 auf die Fragen der kurz vorher zum Christentum bekehrten Bulgaren gegeben hatte; an mehreren Stellen ist von jüdischen Gebräuchen die Rede, ebenso von einem Juden, der in Bulgarien Religionspropaganda getrieben haben soll. Im XII. Jahrhundert bekleidete Leo Mung, ein getaufter Jude, die Würde eines Erzbischofs der autokephalen bulgarischen Kirche von Ochrida. Diese Stadt ist auch der Geburtsort eines der bedeutenden Talmudisten des XIV. Jahrhunderts, Juda Mosconi. Unter der Regierung des Zaren Svetoslav (1301 1321) und des Zaren Ivan Alexander (1331 1371) werden Juden in Tirnovo, der Hauptstadt des zweiten bulgarischen Zaren, erwähnt. Um die Mitte des XIV. Jahrhunderts erlangten die Juden großen Einfluß, als eine Jüdin als Gattin des Zaren Iwan Alexanders den bulgarischen Thron bestieg. Sie nahm den christlichen Glauben an und hieß als Zarin Theodora. Ihr Sohn Ivan Schischman war der letzte Zar des mittelalterlichen Bulgarenstaates. Im Jahre 1375 erklärte er sich als Vasall des Sultans Murad I. und glaubte, so sein Reich vor den Türken retten zu können. Seine Schwester Thamar (Mara) wurde die Frau des Sultans (Murad I.), was das Volk als Opfer auffaßte und die Erinnerung an die Halbjüdin lebt im Volksliede fort. 1360 verdammte ein Kirchenkonzil in Tirnovo die christlichen Irrlehren wie auch die jüdische Lehre. Es wurden damals drei Führer der Juden Tirnovos zum Tode verurteilt. Einer von ihnen rettete sein Leben, indem er den christlichen Glauben annahm, der zweite wurde auf dem Wege zur Richtstätte von der Volksmenge erschlagen, der dritte wurde hingerichtet. Seit jener Zeit gab es keine Juden mehr in Tirnovo, hebräische Grabsteine, die man heute am Fuße des Schloßberges von Tirnovo findet, sind die einzigen Zeugen der großen Vergangenheit der Juden der altbulgarischen Residenzstadt. Eine bedeutende Verstärkung erfuhr das Judentum in Bulgarien in der zweiten Hälfte des XIV. Jahrhunderts, als ungarische Juden, die von König Ludwig I. des Landes verwiesen wurden, nach Bulgarien kamen und sich in Widdin, Plewna und Nikopol niederließen. Um das Jahr 1370 wird in Widdin der Rabbi Schalom aus Neustadt genannt, der in Widdin die erste Rabbinerschule auf bulgarischem Boden ins Leben rief. Sein Nachfolger, Rabbi Dosa Yewani, war literarisch tätig und verfaßte das Werk „Perusch we tosafot". Gegen Ende des XV. Jahrhunderts beginnt eine neue Periode in der Geschichte des bulgarischen Judentums. Als die spanischen und portugiesischen Juden ihre Heimat verlassen mußten, wandten sie 27