Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- 9 (Juli 1934)
- Date
- 1934-07-01
- Page
- Seite 16 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Uhl errichtet. Dann die Gassennamen. Die Gabelsbergergasse, die Lessinggasse, die Darwingasse während der Luegerischen Äera wären Gassenbenennungen nach dem Dichter des „Nathan" und dem berühmten Naturforscher unmöglich gewesen , die Mühlfeldgasse, die an den berühmten liberalen Volksmann Megerle von Mühlfeld erinnert. Die Springergasse ist nicht, wie mitunter vermutet wird, nach dem österreichischen Geschichtsschreiber und Kunsthistoriker Anton Springer benannt, sondern nach einem Wiener Bürgermeister namens Daniel Lazarus Springer, dem Vorgänger des bekannten Stadtoberhauptes Johann Andreas Liebenberg. Die anderen Gassen sind nach Ortsrichtern, wie beispielsweise Holzhauser, oder Bezirksvorstehern, wie Ruepp, benannt, die Fugbachgasse erinnert an einen ehemaligen Donauarm, der noch zur Zeit Kaiser Josefs den Prater von der oberen Leopoldstadt trennte und bei der heutigen Franzensbrücke in den Donaukanal mündete. In der Fugbachgasse befand sich der „Fugbachtempci", der Vorläufer des heutigen Pazmanitentempels, der sich in einer Gasse befindet, die zur Erinnerung an einen einst hier befindlichen Meierhof („Pazmaneum", einem Institut .',ur Heranbildung ungarischer Geistlicher) benannt ist. Die Nobelstraßen des Volkert waren die Kaiser- Josefstraße, heute Heinestraße, und die untere Taborstraße; hier wohnten die „besseren Leute". In der Heinestraße befinden sich noch heute palaisartige Gebäude, die bessere Zeiten sahen. Die kleinen Leute, die am Volkert wohnten, hatten große Sorgen und kleine Schwächen. Sie suchten sich durch unerhörte Zähigkeit und Energie einen Wohlstand zu erringen und waren glücklich, wenn ihre Kinder „gute Partien" machten. i i? s i /—\ /* « £>■ Of- IL -ä Kl^Jin l/ Vinci Iprtcni Aus dem Englischen der Flora ]. Arnstein übertragen von Alfred Werner? < *, *, * t ) Mein Vater war's, der sagte:!„Wie können wir singen das Lied des Ewigen im fremden Land?!" | Und Tränen waren auf seinen Wangen, « auf seinem Bart die Tropfen glänzten | Sund seine Stimme war schwer, da er Zions * gedachte, J der Verbannung gedachte, # I der Knechtschaft gedachte. | ' ' 4!Ich aber, die neben ihm saß, hörte in meinem Herzen ein Lied erklingen: ein Lied von Reise und einsamer Wanderung, von der Kamele bedächtigem Schritt, von ihren Köpfen, zottig und sdilaff; vom endlosen Horizont derDattelpalmwüsten und versteinertem Dünensandriff. Aber auch von den Gewässern Babylons, in deren Untiefen ich kühlte den ermüdeten Fuß . . . Aber ich schwärmte nicht laut und verhielt mein Lied, | denn auf Vaters Angesicht sah ich einzig den Schmerz um Zion — und ich bangte fast, als sei mein Lied nicht des Ewigen, sondern j müin /> i er r\ r-\ f V <-» ri rt 5 mein eigener Sang, * ich unwissend Kind, bezaubert von einem fernen Land . . . 16