Mannheim
Compact Memory

Wiener jüdisches Familienblatt · 1934-07-01 · 9 (Juli 1934) · p. Seite 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
2 (1934)
Issue
9 (Juli 1934)
Date
1934-07-01
Page
Seite 13 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/8245601-8695753-8695760--285-8245798
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Stadl, die Straßen sind völlig menschenleer. Nicht nach Jerusalem, ir eine Märchenstadt aus Tausend und einer Nacht hatte uns das Milchauto geführt. Aber das Märchen wird bald Wirklichkeit. Mit einem Ruck hält das Auto vor der Geschäftsstelle der „Tnuvah". Aussteigen! Wir stolperten aus dem Wagen, reckten unsere zerschlagenen Glieder, klaubten unsere Siebensachen zusammen und stellten eine „Verlustliste" auf. Abgesehen von zerbrochenen Spiegeln und Brillen, in Benzin gebadeten Lebensmitteln und Kleidern, einem zu einer unförmigen Masse zerquetschten Tropenhelm war eigentlich alles in Ordnung. Nur eines war ganz und gar außer jeder Ordnung: die Temperatur. Es war unerhört kalt! Wir hatten unsere Trainingsanzüge über unsere normale Kleidung gezogen und dennoch froren wir gottserbärmlich. Dazu kam, daß wir zerschlagen und verschlafen waren bis zu einem äußersten Maß. Und das um l/2 3 Uhr früh in Jerusalem, einer immerhin größeren Stadt, wo wir jedenfalls erst am nächsten Tag erwartet wurden. Zum Glück werden in Palästina die Haustore über Nacht in der Regel nicht gesperrt. Also gingen wir ins nächste Haustor, suchten uns eine Ecke, breiteten unser Zeltblatt und eine Decke auf den Steinboden, kuschelten uns so eng es nur ging aneinander, deckten uns mit sämtlichen erreichbaren Decken zu und schliefen sofort ein. Um etwa 6 Uhr wachten wir auf, ausgeschlafen und munter. Kein Mensch hatte uns gestört, obwohl in dem Haus bereits reger Betrieb herrschte. So etwas ist eben nur in Palästina möglich! Wir überdachten die Ereignisse der letzten Nacht. Waren wir denn wirklich in Jerusalem? Davidsburg Wir machten uns fertig und liefen die Straßen entlang, bis wir dort standen, wo wir hin wollten: am Fuße des Berges Zion, vor den Toren der alten Davidsburg. Wir hatten es nicht recht glauben können, daß man mit einem Milchauto in Jerusalem einfahren könne! miiniif iiiiiiiiMiiiiiiiiiifiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiii iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiifnniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuitiiiHiiiiBiiiiiiiiiiuiiiniiiiiiitiiiiiiiiiiiiiuiiiHiiiiiiiiiiii KALENDARIUM Juli 1934 — Thammus/Aw 5694. Sonntag, 1. Juli 18. Thammus: Fasttag (Schiwa Assar b'Thammus); der Fasttag wurde diesmal, da er auf einen Samstag fiel, auf den nächsten Tag verschoben. Freitag, 6. Juli — 2 3. Thammus: Sabbathein. gang 7 Uhr 40 Min., Sabbathausgang 8 Uhr 40 M. Wochenabschnitt: Pinchas. Haftarah: Diwre Jirm. jahu. Verkündung des Neumondes. Neumond (Molad): Mittwoch, 11. Juli (28. Thammus) um 11 Uhr 55 Min. nachts. Perek: Kapitel I. D o n n e r s t a g, 12. Juli — 2 9. Tha m m u s: Vortag des Rosch-Chodesch. Jörn Kippur katan. Freitag, 13. Juli — 1. A w: Rosch-Chodesch. Sabbatheingang 7 Uhr 35 Min., Sabbathausgang 8 Uhr 35 Min. Wochenabschnitt: Mattoth-Mass'e. Haftarah: Schim'u d'war haschem. Perek: Kap. II. Freitag, 20. Juli — 8. Aw: Sabbateingang 7 Uhr 25 Min., Sabbathausgang 8 Uhr 25 Min. Wochenabschnitt: Devvarim. Haftarah: Chason Jeschajahu. Perek: Kapitel III. Samstag, 21. Juli — 9. A w: Tischa b'aw — Fasttag; weil er auf einen Sabbath fällt, wird er auf Sonntag, 2 2. Juli — 1 0. A w, verschoben. Sonntag, 2 2. Juli — 10. Aw: Fasttag. Der 9. Aw (Tischa b'aw) ist mit traurigen Erinnerungen aus der Geschichte des jüdischen Volkes verbunden. Am 9. Aw wurde Jerusalem von den Babyloniern unter Nebukadnezar erstürmt und der erste Tempel zerstört (586). Gleichfalls am 9. Aw erobern römische Truppen unter der Führung von Titus nach langem und hartnäckigem Widerstand seitens der sich tapfer und zäh verteidigenden Juden Jerusalem, der zweite Tempel fällt den Flammen zum Opfer, nur die Westmauer (kotel hamaarawi) blieb erhalten (70 n.Chr.). Der jüdische Aufstand unter der Führung Bar-Kochba's wurde von den Römern an einem 9. Aw niedergeschlagen (135 n. Chr.). An einem 9. Aw wurden die Juden Spaniens, welche treu den Glauben ihrer Väter bewahrten, aus ihrem Vaterland vertrieben (1492). Auch der Ausbruch des Weltkrieges 1914 (allgemeine Mobilisierung) fällt auf den 9. Aw. Freitag, 2 7. Juli — 15. Aw: Chamischa Assar b'Aw. Diesem Tage wurde eine besondere Bedeutung eingeräumt, da die bei Bethar Gefallenen des Bar-Kochba-Aufstandes zu Grabe gebracht werden konnten. Sabbatheingang 7 Uhr 15 Min., Sabbathausgang 8 Uhr 15 Min. Wochenabschnitt: Waeihchanam. Haftarah: Nachamu, nachamu ammi. Perek: Kapitel IV. ■JIIIIIIIIIIIIIIIHIII1IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII1IIIII.....Hill.....I.....Illllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllillltlllllllllllllllllllltllllllllllllllll 13

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.