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Wiener jüdisches Familienblatt · 1934-06-01 · 8 (Juni 1934) · p. Seite 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
2 (1934)
Issue
8 (Juni 1934)
Date
1934-06-01
Page
Seite 13 (sequence 15)
Language
German
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Josef Frankel Aus dem Leben Theodor Herzls Zum 30. Todestag (20. Thammus 5664 — 3. Juli 1904) Von Moses bis Herzt gab es nur eine n Moses L Aus den Kinderjahren, Die Melodie der Ghettofrauer ergreift schon das jüdische Kind. Die Uhr schlug die zwölfte Stunde und die Kinder eilten froh und glücklich aus der Schule. Sie lachten, schrien, tobten und spielten. Ein kleines Mädchen löste sich von der Kinderschar und hielt Umschau. Es suchte jemanden. Bald erhellten sich seine Augen und lachend rief es: „Dori, warum so langsam wie eine Schnecke?" Ein herziger, putziger Knabe, gegen neun Jahre alt, mit langen Höschen und einem geschlossenen Rock, nahte langsam heran. Er hatte ein schönes, edles Gesicht, schwarze Haare und kluge, ausdrucksvolle Augen. Heute hatte er kein Verständnis für das lustige Kinderspiel, ja, er beachtete es nicht einmal. Er war viel zu aufgeregt die geröteten Wangen und die vibrierende Stimme verrieten es. „Aber Dori, was ist dir denn?" „Du, Pauli, was ist ein Heide?" „Ein Mensch, der nicht an Gott glaubt." „Und was ist ein Götzendiener?" „Ein Mensch, der einen Gegenstand als Abgott verehrt." „Ich bin doch kein Heide . . .?" „Natürlich nicht, wir glauben doch an einen Gott." „Und auch kein Götzendiener." „Nein, wir beten ja keine Sachen an. Ja, sag mal, woher hast du denn das alles?" „Der Lehrer sagte in der Klasse, daß die Götzendiener, die Mohammedaner und die Juden, Heiden sind." Er kämpfte gegen die Tränen, Pauline tröstete ihn. „Aber geh, das hat er nur so gesagt, weil .... weil ..." „Warum denn?" „. . . weil wir Juden sind." Sie hielten sich an der Hand und kamen in die Straße ihrer Eltern. „Du, Dori, meine Lehrerin erzählte, daß die Zigeuner und die Juden ,vaterlandslose' Menschen sind." „Was sind das, .vaterlandslose' Menschen?" „Das sind Menschen, die kein Vaterland haben." „Ist denn Ungarn nicht mein Vaterland?" „Die Lehrerin sagte, daß Ungarn das Vaterland der Ungarn ist . . ." Die Leute auf der Straße blieben stehen. Sie warfen bewundernde Blicke auf das herrliche Kinderpaar, welches in eifrigem Gespräch vertieft war. Eine junge Frau fragte ihren Begleiter: „Sieh', welch' schöne Kinder, kennst du sie?" „Natürlich, das sind ja des Kaufmannes Jakob Herzl's Kinder." Heute ist Prüfungstag. Drei Kapitel waren zu lernen: Die Juden als Sklaven, Moses und der Auszug aus Aegypten. Und der Lehrer ist streng, böse und prügelt die Kinder. Unentschlossen, zaghaft trat der kleine Theodor in die biblische Schule ein. Seine Gedanken beschäftigten sich noch immer mit den Erlebnissen des Tages: Bin ich ein Heide, ein Götzendiener? Aber ich glaube doch an einen Gott! Bin ich ein „vaterlandloser" Mensch? Warum hat aber der Stefan und der Bela ein Vaterland und ich nicht? Ja richtig, Ferdinand Lesseps das ist ein Held. Der muß wahrlich so stark und groß sein wie ein Riese. Herrlich hat er die Kanalisierung von Suez gemacht. Der Lehrer prüft. Aufpassen, Theodor! Bald kommst du dran! Suezkanal, das hat er doch gut angestellt. Halt! Liegt nicht Suez bei Aegypten und Palästina! Diese Länder kommen doch In den Prüfungsfragen vor. Also in Aegypten waren die Juden Herzls Mutter mit ihren Kindern Pauline und Theodor 13

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