Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- 8 (Juni 1934)
- Date
- 1934-06-01
- Page
- Seite 12 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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T. G. Masary k Anläßlich der Wiederwahl des Professors Thomas G. Masaryk zum Präsidenten der Tschechoslovakischen Republik sei eine Erinnerung gestattet. Es gab um die Jahrhundertwende im altösterreichischen politischen Leben eine ganze Reihe weitblickender und wohlmeinender Persönlichkeiten aller Nationen, darunter auch der Juden, welche eine Verständigung der Völker auf national autonomer Basis im Rahmen der alten Monarchie anstreben wollten. Zu ihnen gehörte der Abgeordnete Professor Masaryk. Er war von der Philosophie und der soziologischen Betrachtung moderner Strömungen zur Politik gekommen, beseelt von dem nationalen Erneuerungswillen seines Volkes. Die damalige Zeit aufstrebender Wirtschaftsblüte wäre wie kaum eine andere an sich geeignet gewesen, diese allseits gut gemeinten Bemühungen zu einem guten Ende zu bringen. Es ist heute nicht die Zeit, daran bedauernde Erinnerungen zu knüpfen, wie es wohl gekommen wäre, wenn diese Männer sich hätten durchsetzen können. Masaryk und seine andersnationalen Gesinnungsfreunde haben sich dann in ganz anderer Weise durchgesetzt und von ihnen allen steht er heute an oberster Stelle. Geblieben ist von dieser Vergangenheit die besondere Verehrung, die man seiner Persönlichkeit allüberall entgegenbringt, da sein Fanatismus der Ehrlichkeit und des besten Wollens unbestritten ist. Es sei aber nicht vergessen, daß er schon damals den jüdischen Partner anerkannt hatte. Die Frucht der Zusammenarbeit war das vom kürzlich verstorbenen Dr. Hermann Ka d isch im Jahre 1906 verfaßte sogenannte »Krakauer Programm«, das bis heute einzige detaillierte politische Konzept eines organisierten jüdischen Gemeinschaftswillens, das mit dem alten Österreich zu Grabe getragen wurde, ohne eine Anpassung an die neuen Gegebenheiten gefunden zu haben. I 'f' KiAsbQi 12