Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- 7 (Mai 1934)
- Date
- 1934-05-01
- Page
- Seite 33 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit der ersten Makkabiah hat ein überaus starker Zustrom von Einwanderern nach Palästina eingesetzt, der sich durch die bekannten Vorfälle, die sich im Deutschen Reich abgespielt haben, in der letzten Zeit noch bedeutend verstärkt hat. Dieser Einwandererzustrom brachte dem Lande natürlich auch manchen wertvollen Sportler. Und diese, nach Palästina immigrierten Sportsleute, haben in Palästina alle in ihrer Heimat populären Kampfarten eingeführt und so besteht in der Sportkolonie Rananah, in der sich nur Angehörige des „Makkabi" und „Makkabi-Hazair" befinden, eine nur aus Amerikanern bestehende Baseballmannschaft. Und in einem anderen Orte wieder gibt es eine nur aus Berlinern und Hamburgern bestehende Hockeymannschaft. Im Februar und März dieses Jahres hat Palästina auch an den „Western Asiatic Games" teilgenommen, die in New-Delhi in Britisch-Indien, der Residenz des indischen Vizekönigs und der Besitzung des Maharadschas Adhiray of Patiala, stattgefunden haben. Wie bekannt, haben die palästinensischen Sportler bei dieser westasiatischen Olympiade recht schöne Erfolge erzielt. Besonders im Schwimmen, wo auch der ehemalige Wiener Hakoahner, Alfred G u t h, antrat, und in der Leichtathletik. Den Erfolgen der j Ü - di sehen Sportler Palästinas ist es zu danken, daß die nächsten westasiatischen KampfsPiele im Jahre 1938 in Tel -Aviv, das über ein modernes Stadion verfügt, zur Austragung gelangen werden. Außerdem wurde bekannt, daß die jüdischen Sportvereine Indiens den Palästinensern, anläßlich ihres Besuches in Bombay, die Zusicherung gegeben haben, sich an der kommenden Makkabiah im Jahre 1935 in Tel-Aviv zu bereiten. Die zu den westasiatischen Kampfspielen entsandte Mannschaft plant für das heurige Jahr noch Länderwettkämpfe mit Aegypten und Syrien. Vor einiger Zeit fand in Tel-Aviv auch ein Wasserballspiel statt, zu dem eine Haifaer Mannschaft geladen war und bei dem die Hausherren den Sieg davontrugen. Bis vor kurzem war in Tel-Aviv gar kein richtiges Schwimmbad vorhanden. Erst unter der Leitung des ehemaligen Trainers der Wiener Hakoahschwimmer, Ernst W e i g 1 e r, wurde ein solches in einer Zisterne an der Peripherie der Stadt erbaut. Es ist ganz modern eingerichtet; mit Schwimmbahnen, Trampolins, Startplätzen, Garderoben und Zuschauerbänken. Die Schwimmer erhielten in der letzten Zeit bedeutenden Zuwachs europäischer Meister. So sind der bekannte tschechoslowakische Schwimmer Rado, die Wiener F 1 e s c h und Franzi Beck in Palästina eingetroffen. Auch die Fußballer erhielten bedeutsame Verstärkungen. So hat der Wiener Hakoah-Tormann O p - Pen he im, noch im Winter, kaum ordentlich in Haifa angekommen, sogleich damit begonnen, den dortigen »Hapoel" zu reorganisieren und nach Wiener Muster aufzubauen. Gleich bei den nächsten Spielen zeigten sich die Erfolge, so daß Haifa den in der Führung liegenden Tel-Avivern bald nachfolgen konnte. Und einem Auswahlteam aller palästinensisch-jüdischen Mannschaften gelang es sogar, die englische Mannschaft in Ramleh zu.besiegen. Palästina hat auch zur Fußball-Weltmeisterschaft seine Nennung abgegeben. Das erste Spiel gegen Aegypten hat bereits in Kairo stattgefunden und die Aegypter siegten sowohl hier, als auch beim Revanchespiel am 6. April in Tel-Aviv. Palästina ist somit aus der Weltmeisterschaft ausgeschieden. Auch im Winter man darf sich darunter keinen mitteleuropäischen Winter vorstellen gab es recht interessante sportliche Wettkämpfe. An einem Leichfathletikwettkampf in Haifa nahmen etwa 100 Sportler teil. Man bekam fast lauter hervorragende Leistungen zu sehen. Der aus Hamburg eingewanderte Sprintermeister, Theodor Levy, siegte im 100- und 200-Meterlauf. In der olympischen Staffel siegte Petach-Tikwah über Tel-Aviv, trotzdem letztere durch Levy verstärkt war. Im 3000-Meterlauf siegte Walter Frank 1. Eine Damengruppe aus Rechoboth, zum Großteil aus deutschen Immigrantinnen bestehend, siegte in fast allen Damenbewerben. Zu dieser Winterszeit fand in Tel-Aviv auch ei'n Marathonlauf statt, aus dem Frank 1 als Sieger hervorging, vom Bürgermeister Meir Diezengoff beglückwünscht wurde und den Pokal zugesprochen erhielt. Ein erfolgreicher Wettbewerb wurde auch im Schwimmen ausgetragen. Die Sieger waren F 1 e s c h, Alfred G u t h und im Rückenschwimmen Hausdorf, während der Sieg im Brustschwimmen dem Engländer Godard vorbehalten blieb, der keinen ebenbürtigen Gegner fand, da Haftl nicht angetreten war. Anschließend an diesen Schwimmbewerb gab es noch ein Wasserball-Propagandaspiel. Eine Sportart, die in der letzten Zeit an Ausbreitung zugenommen hat, ist Hockey. Die neugebildete Mannschaft wurde im vergangenen Winter von den Engländern eingeladen, nach Ramleh zu kommen, wo die Palästinenser unterlagen. Bei einer Revanche im Stadion in Tel-Aviv gelang es den Palästinensern jedoch, die Engländer schön zu schlagen. Und eine Woche später konnten sie auch den ,,S p o r - t i n g Club" in Jerusalem, einen arabischen Verein, auf dessen Platz schlagen. Die Palästinenser verfügen in diesem Sportzweig über eine ausgezeichnete Mannschaft. Man hofft, anläßlich der Wettkämpfe während der Levante-Messe, eine syrische Mannschaft als Gegner des Makkabi zu gewinnen. Unter der Leitung eines Wieners, R e s i n g e r, ist kürzlich auch eine Akrobatikgruppe auf Motorrädern gegründet worden, die bei einer Vorführung recht interessante Dinge zeigte. Auf Motorrädern und Pferden finden fortgesetzt Fuchsjagden statt, die enormes Interesse beim Publikum erweckt haben. Die englischen Truppen, Araber und Juden veranstalten gegenseitig fast allwöchentlich Fußball- und Boxkämpfe, denen reges Interesse begegnet. Die jüdischen Sportler Palästinas haben jetzt recht große Pläne. Man denkt im „Makkabi" an die Schaffung von Fechtsektionen und die beiden Vertreter des palästinensischen Sports, „Hapoel" und „Makkabi", propagieren die Einführung eines palästinensischen Sportabzeichens, ähnlich dem österreichischen. Mit Energie wird an der Organisation der 2. Makkabiah, als deren Vorbereitung erst vor wenigen Wochen die Makkabi-Konferenz in Budapest getagt hat, gearbeitet. Die kommende Makkabiah soll den palästinensischen 33