Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- 7 (Mai 1934)
- Date
- 1934-05-01
- Page
- Seite 32 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHER S IP @ R IT Sportbericht aus Erez Israel Seit dem zweiten Baseler Zionistenkongreß im Jahre 1898, da Max N o r d a u das jüdische Volk zur Vereinigung der geistigen mit der körperlichen Wiedergeburt aufrief, kann man von einer jüdischen Sportbewegung sprechen. In diese Zeit fällt die Gründung der verschiedenen Makkabivereine, in denen ursprünglich vorwiegend geturnt wurde. Diese Vereine schlössen sich im Jahre 1903 zur „J ü d ischen Turnerschaft" zusammen und erreichten in einem großen Turnerfest, das eine Woche vor dem Attentat in Sarajevo stattfand, ihren vorkriegszeitlichen Höhepunkt. Während der Jahre des großen Völkerringens lag die jüdische Sportbewegung darnieder. Das jüdische Volk litt unter der Tatsache, daß auf beiden Seiten jüdische Menschen kämpften und gegeneinander die Waffen gebrauchen mußten. Doch als die Friedenskonferenzen dem jüdischen Volk die Möglichkeit gab, seinen Traum, die Schaffung einer jüdischen Heimstätte in Palästina, zu verwirklichen, da gab es auch wieder die jüdische Sportbewegung. Die Makkabibewegung wuchs. Ueberall in der Welt entstanden neue jüdische Sportvereine, die sich im Jahre 1923 zum „M akkabi - Weltverband" zusammenschlössen, und heute zählt diese von London zentral geleitete Bewegung 120.000 aktive Mitglieder. Aus der „Jüdischen Turnerschaft" entstand ein Ällroundsport- Weltverband, in dessen Reihen sich heute prominente Sportler in großer Anzahl befinden. Die Makkabi-Bewegung konnte auch schon einen bedeutenden Triumph in Gestalt der ersten „Makkabiah" im Jahre 1932 in Tel-Aviv feiern. Zum erstenmal versammelten sich im Stadion von Tel-Aviv jüdische Sportler aus allen Weltteilen, die dem jüdischen Volke und seiner Heimat Palästina neue Impulse verliehen. Die Makkabiah gestaltete sich zu einem großen sportlichen, aber auch nationalen Erfolg der Bewegung. Die Entwicklung des jüdischen Sportes in der letzten Zeit ist besonders durch die hervorragenden Erfolge gekennzeichnet, die in Palästina erreicht wurden. Die Organisation der 1. Makkabiah, um die sich besonders Josef J e k u t i e 1 i bemühte, vermittelte der palästinensischen Bevölkerung erst die Möglichkeit, größere sportliche Feste zu sehen. Bis dahin hatte das palästinensische Publikum noch überhaupt keine Gelegenheit gehabt, Sportkämpfen größeren Formats beizuwohnen und mußte sich mit Mittelschülerwettkämpfen und den Darbietungen auf der Filmleinwand begnügen. Erst die Makkabiah, ein darauffolgender Leichtathletik-Länderwettkampf gegen Syrien und Libanon sowie ein in Jerusalem veranstaltetes internationales Championat in Leichtathletik, Schwimmen und Tennis, verliehen der jungen Allroundsportbewegung erwünschte Anregungen. Da die palästinensische Regierung in ihrem Budget überhaupt keine Ausgaben für Sport oder dessen Förderung vorgesehen hat, müssen auch heute noch alle derartigen Ausgaben von Privatinstitutionen, deren größte der „M akkabi" und die Arbeitersportvereinigung „H a p o e 1" sind, gedeckt werden. Die englische Mandatsregierung hat während der 15 Jahre ihrer Regierungszeit weder einen Sportplatz, noch eine Turnhalle oder ein Schwimmbad errichtet, obwohl doch gerade das englische Volk zu den sportverständigsten überhaupt gehört. Diese Gleichgültigkeit sportlichen Dingen gegenüber, tritt auch in den palästinensischen Zeitungen aller Sprachen zutage, in denen über Sport einige Fußballergebnisse ausgenommen fast gar nichts zu lesen ist. Man müßte rein glauben, daß es in Palästina noch keine Sportbewegung gibt, die jedoch vorhanden und jetzt in stetem Wachstum begriffen ist. Im Sommer 1933 fand im Stadion in Tel-Aviv ein großes Sportfest statt, an dem sieht etwa 5000 junge Leute beteiligten. Der Eindruck war für Palästina überwältigend; die gebotenen Leistungen in der Leichtathletik selbst an internationalem Maßstab gemessen waren erstklassig. An den Freiübungen nahmen 3600 junge Juden teil, während die anderen Spiele vorführten. 42 Teilnehmer wurden dann nach Prag, zu den im August 1933 ausgetragenen M a kkabi-Kampfspielen, gesendet, wo es ihnen oftmals gelang, sich auszuzeichnen. Nach den Prager Kampfspielen gab es schon Sportkämpfe, die bedeutend höheres Niveau verrieten. Die Mannschaften hatten in Europa viel gesehen und dazugelernt. Im Winter fand ein gutbesuchtes Boxmeeting statt, an dem sich auch der ehemalige Wiener Schwergewichtler Laub beteiligte. Er wurde in Haifa aber von Finn nach Punkten geschlagen. Es dürfte interessant sein, zu erfahren, daß Laub in Palästina wieder Amateur geworden ist und sich in Haifa als Bauarbeiter betätigt, da es in Palästina Professionals nicht gibt. Der sehr interessante Boxabend wurde durch sechs Paare aller Gewichtsklassen ergänzt. Im heurigen Jahr wollen die Boxer eine Reise nach Kairo und vielleicht auch nach Europa vornehmen, in deren Verlauf sie auch London und Paris zu besuchen gedenken. Vor einiger Zeit hat sich in Palästina ein olympisches Komifee gebildet, dessen Vorsitz Colonel K i s h führt und dem Josef J e k u t i e 1 i, gemeinsam mit dem aus Wien bekannten Leichtathleten der Hakoah, Walter Frankl, zur Seite stehen. Frankl betätigt sich in Palästina eifrig als Sportpublizist für ausländische Blätter und ist Leiter des Organisationsdepartements des „Makkabi". Unabhängig von diesem Komitee gibt es auch ein olympisches Frauenkomitee, das gegenwärtig mit den Arbeiten für die Londoner Frauenwettspiele beschäftigt ist. Das Makkabipräsidium hat vor wenigen Tagen den Organisator, Herrn Dr. Gottheime r, nach Jerusalem entsandt, der die Vorbereitungen in geordnete Bahnen bringen soll. 32