Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- 7 (Mai 1934)
- Date
- 1934-05-01
- Page
- Seite 34 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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Sport auf eine Höhe mit den bedeutendsten europäischen und amerikanischen Sportmächten bringen. Für die jetzt während der Levante-Messe stattfindenden Spiele sind bereits alle Vorarbeiten fertiggestellt und man erwartet den Besuch aus den palästinensischen Nachbarstaaten, die zur Austragung von Wettspielen nach Tel-Äviv eingeladen wurden. Dr. Theodor Schmidt, der Vorsitzende des österreichischen olympischen Komitees, besuchte kürzlich das Land und hielt in mehreren Städten Vorträge über die kommende Olympiade. Bei einem großen Bankett wurde der österreichische Olympiakomiteevertreter in herzlicher Weise gefeiert und erhielt anläßlich seiner Abreise vom Makkabi Palästina ein Danktelegramm. In energischer Weise wird überall in der jüdischen Welt für die Aufbringung der für die Errichtung des M a k k a b i - D o r f e s nötigen 5000 Pfund gearbeitet. Bekanntlich soll mit diesem Geld, auf dem Boden des jüdischen Nationalfonds, ein olympisches Dorf errichtet werden, dessen Grundsteinlegung im Anschluß an die kommende Makkabiah vorgenommen werden dürfte. I n diesem Dorf sollen einige hundert, vorwiegend aus Deutschland immigrierte Sportler, Aufnahme und auch die Möglichkeit zu ständigem sportlichem Training finden. Man denkt daher an die Errichtung modernster Trainingsanlagen, so auch an ein Hallenschwimmbad, das in seiner Art das erste in Palästina darstellen wird. Durch ausreichendes Training in diesem Dorf sollen viele, zum Großteil notleidende Sportler, die Möglichkeit haben, an den Makkabioth und später auch an den allgemeinen olympischen Spielen teilzunehmen. Man nimmt in jüdischen Sportkreisen Palästinas an, daß viele an der kommenden Makkabiah teilnehmende Sportsleute in ihre Heimat nicht mehr zurückkehren und im Lande verbleiben werden, welche Ansicht durch den jetzt herrschenden überaus starken Zuzug deutscher Juden immer mehr an Boden gewinnt. Ben E p Ii r a i m. Sport-Nachrichten aus aller Welt ÖSTERREICH In der Generalversammlung des Sportklubs „H a k o a h" konnte man so recht deutlich ein Bild des Aufschwunges gewinnen, den die jüdische Sportbewegung in unserem Lande genommen hat. Es wurde Bericht erstattet über die Leistungen des vergangenen Jahres, die bekanntlich in der Abhaltung des „Tages des jüdischen Sporfes" ihren Höhepunkt gefunden hat. D i e „H akoah" umfaßt neu n, zum Teil recht tüchtige und erfolgreiche Sektionen. Samstag, den 14. April, fand im Militärkasino ein Bühnen-Schauturnen des Makkabi Wien statt, das einen glänzenden Verlauf nahm und bei dem sich die Spitzen der Wiener jüdischen Gesellschaft zusammenfanden. Nach Turnvorführungen, Reigen- und Chordarbiefungen, von welchen besonders der junge Gesangssolist des „Makkabi- Hazair", Karl Kosidois, erwähnt werden muß, einigte Gesellschaftstanz die zahlreich Erschienenen zu einem bis in die tiefen Nachtstunden dauernden Fest. AUSLÄND Warschau. Der jüdische Boxer Rotholz ist Meister von Polen geworden und wird bereits auf den nächsten internationalen Boxturnieren in Budapest und in den U. S. A. Polen vertreten. Kopenhagen. Den jüdischen Ringern Michael und Abraham Kurland gelang es, die dänische Meisterschaft zu erringen. Beide sind als Vertreter Dänemarks für die kommende Europa-Ringermeisterschaft genannt worden. London. Der Prager jüdische Sportklub „H a g i b o r" trat in Wasserpolo und Staffeln gegen den „Empire Swimming Club" an. Das Wasserpolomatch endete 3: 3 unentschieden, während „Hagibor" in den Staffeln knapp unterlag. Schanghai. Ein sensationeller Fußballkampf vereinigte 5Ü00 Zuseher, bei dem die jüdische Mannschaft als Sieger gegen eine chinesische hervorgehen konnte. Tripolis. General Italo B a 1 b o übergab der Fußballmannschaft „Tel-Aviv" persönlich einen Pokal, den die jüdische Mannschaft gegen alle lokalen italienischen und arabischen Vereine gewonnen hatte. Amsterdam. Im Haag wurde ein neuer Makkabiverband gegründet, den das Weltverbandspräsidium bereits bestätigt hat. Budapest. Am 5. April fand der „Makkabi"-Delegierfentag statt, der sich intensiv mit den Vorbereifungen zur kommenden Makkabiah beschäftigte. Zum ersten Male konnte bei einer solchen Tagung auch ein Vertreter des neuen Deutschen Reiches teilnehmen, aus dessen Bericht hervorging, daß d i e „M a k k a b i"- S p o r f b e w e g U n g im ganzen Deutschen Reich in der letzten Zeit einen unerhörten Aufschwung g e n o mm e n hat. Washington. Im amerikanischen Sporfkonvent vertraten auf einer kürzlich abgehaltenen Hauptsitzung die jüdischen Sportvereine den Standpunkt, daß die nordamerikanische Union dem Deutschen Reich mitfeilen möge, sie werde nicht an der Berliner Olympiade im Jahre 1936 feilnehmen, da man den jüdischen Sportlern das im Sport übliche „fair play" nicht gewähre. Der Delegierte der jüdischen Vereine erklärte später den Vertretern der Presse, daß die deutschen Juden Ungeheures für den deutschen Sport geleistet und an der Errichtung dessen Vormachtstellung tätigen Anteil genommen hätten. Der Präsident des Konvents antwortete, daß er sich im Sommer dieses Jahres persönlich nach Deutschland begeben und die Verhältnisse im deutschen Sport inkognito studieren werde. Von dem Ergebnis dieser Reise werde es dann abhängen, ob die Vereinigten Staaten an den Olympischen Spielen teilnehmen werden. Diese Reise soll nur dann unternommen werden, wenn erwiesen ist, daß Juden in keiner Sportart benachteiligt und von keiner Chance der Teilnahme an den Spielen ausgeschlossen werden. Prag. Der jüdische Sportklub „Hagibor" hat eine Entschließung gefaßt, wonach seine Mitglieder an der Olympiade nicht teilnehmen werden. Obwohl der Tschechoslowakische Sportverband auf die Teilnahme der dem „Hagibor" angehörigen Sportler angewiesen ist, billigte er diese Entschließung. Tel-Aviv. Wie Herr Dr. Hermann L e 1 e w e r, der Präsident des „Makkabi"-Weltverbandes, ankündigt, soll in einer palästinensischen Stadt (in Aussicht genommen ist Haifa) in Kürze eine Hochschule für Leibesübungen errichtet werden. Sie soll die körperliche Ertüchtigung der jüdischen Jugend Palästinas in allen Zweigen des modernen Sportwesens pflegen. Belgrad. Anläßlich der Gründung des jugoslawischen Makkabi hat der Innenminister an das Verbandsbureau ein Telegramm nachstehenden Inhalts gesandt: „Ich begrüße den jugoslawischen Makkabi aufs herzlichste und spreche Ihnen meine Sympathien aus. Dr. Lavoslav H a n z e k." London. Das Weltverbandspräsidium des „Makkabi" hat Herrn Ingenieur Richard Pacofsky mit der sportlichen Vorbereitung der kommenden Makkabiah für die Länder der Gallith betraut. 34