Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- 7 (Mai 1934)
- Date
- 1934-05-01
- Page
- Seite 31 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/8245601-8695753-8695757--180-8245728- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Fragen an die Zukunft Fragen an die Zukunft stellen, ein wenig träumen, das waren früher Dinge, denen sich die Jugend mit offenen Augen und mit Freude hingab. Es waren Träume, aber sie waren nicht wirklichkeitsfern, irgendwo hatten sie immer ein Zipfelchen Realität. Die Jugend wußte, wenn sie die Sdhule hinter sich hatte, das Gymnasium, den Handelskurs, was es auch jeweils war, dann — dann öffneten sich die Tore der Welt. Ihr Weg lag klar vor ihnen. Sie hatten ein Ziel. Und ruhig gingen sie diesem Ziel entgegen. Wenn auch nicht alle Träume Verwirklichung fanden, wenn manches Ideal dem Tatsächlichen zum Opfer fallen mußte — der Weg blieb. Und ein Schimmer jenes blauen Dunstes aus der Jugend blieb auch in ihrem Herzen. Die Wirklichkeit war mild und ließ den letzten Schleier der Illusion. Heute? SieUt die heutige Jugend auch noch Fragen an die Zukunft? Träumt sie noch? Beides läßt sich mit ja und nein beantworten. Die Fragen haben sich gewandelt. Der Weg zum Ziel liegt nicht mehr in der Ferne und geht nicht mehr •1 gerader Linie. Die Frage aber gilt dem Augenblick, dem Heute, schon nicht mehr dem Morgen. Die Jugend aller Zeiten hatte ihre Epochen. Die heutige, das wissen wir alle, ist eine selten schwere. Aber wenn wir den Blick von dem Heute abw enden, wenn wir den Mut aufbringen weiter zu blicken, in eine Ferne, die unser Auge noch nicht erspähen tann, die unser Herz aber ahnt, dann, dann brin- Von Rona Mut z Li m "1 r ä ug e n w i r au c h w i e tl e r d e n m e n a u f. [ede Epoche hat ihre Zeit; einmal muß ihr Ende nahen, denn nur eines im Leben ist beständig: der Wechsel. Daran sollten wir festhalten. Denn damit halten w i r a uch a n u n s e ren Ideal e n f e s t, d i e s o not w e n d i g sin d w i e der Glaube. Glaube aber versetzt Berge, sagt man. Wenden wir unser Auge nach Erez Israel, nach jenem Land, das vor kurzer Zeit noch nackt und kahl war, dann sehen wir junges, strotzendes Leben, sein Werden und Gedeihen, von der Hand unserer heutigen Jugend gesät, dann muß auch in unserem Herzen wieder Mut einziehen. Diese junge jüdische Generation besteht aus aufrechten, freien Menschen, die ihren Weg gefunden haben und ihr Ziel kennen. In ,i hren Gesichtern ist Freude und in ihren Annen Kraft. Aber ihnen allen, jenen Aufrechten, die ihren Weg gefunden haben, mochte ich zurufen, sie sollen ihren Brüdern helfend zur Seite stehen, welche, über die ganze Erde verstreut, gerade heute halt- und ziellos durchs Leben taumeln. Es ist keine unbedingte Notwendigkeit, den Weg nach Palästina zu finden, d i e Wurzeln V i e 1 e r 1 i e g e n t i e f i n ö s t e r r e i c h ischer Erde. Aber etwas anderes tut not: Das Wissen um die Gemeinschaft, die innere, letzte Verbundenheit. Und da möchte ich all den anderen bittend zurufen: Reicht euren Brüdern die Hand, iaßt sie an eurer Geneinschaft teilhaben! mum mbmi K Ä F F11= DMip>©Rir SlOTf 31