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Wiener jüdisches Familienblatt · 1934-05-01 · 7 (Mai 1934) · p. Seite 30

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
2 (1934)
Issue
7 (Mai 1934)
Date
1934-05-01
Page
Seite 30 (sequence 32)
Language
German
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Als Jausengast bei der Firma Meinl_ Gemütliche Stunden bei einer Schale Kaffee Vor einigen Tagen überreichte mir der Leiter der Meinl-Filiale, deren ständige Kunde ich bin, mit einigen freundlichen Worten ein blaues Kärtchen, die Einladung zu einem Hausfrauen-Nachmittag. Gerne nahm ich sie an und freute mich sehr, einmal ein paar Stunden nicht als sorgende Hausfrau, sondern als üast zu verbringen. Ein großer, eleganter Saal war für unseren Empfang gerichtet. Ich blieb an seinem Eingang stehen und bewunderte freudig das festliche Bild: Blütenweiß gedeckte Tische, mit duftenden Frühlingsblumen geschmückt, an den Wänden Fähnchen mit dem überall bekannten Meinl-Mohrenkopf, auf der Bühne eine entzückende Dekoration, ein gemütliches Biedermeierhäusclien, auf dessen gestreifter Markise das Wort „Meml-Kaffee" prangt. „Mein" liebenswürdiger Filialleitei hatte mich inzwischen entdeckt und geleitete mich zuvorkommend an einen der Tische. Nun hatte sich eine Militärkapelle auf dem Podium postiert und schmetternd setzte die Musik ein. Flotte Märsche, einschmeichelnde Wiener Weisen schufen vom ersten Takte an behagliche, frohe Stimmung und rissen das animierte Publikum zu Beifall hin. Nach dieser Einleitung erschien der Conferencier des Nachmittags. Mit wenigen launigen Worten war der Kontakt zwischen Bühne und Zuschauerraum hergestellt. Er begrüßte uns in einer humorvollen Ansprache als Gäste der Firma Mein] und kündete das kommende Programm an. Dann stellte er uns Frau Gisi Hirsch, die Leiterin der Beratungsstelle der Firma Meinl, vor. Diese Beratungsstelle hilft der Hausfrau aus allen Nöten. Seien es Wirtschaftsfragen, Ernährungsprobleme, Etikette-Angelegenheiten, Rechtsfälle des Alltags, was immer sich in der Führung eines Haushaltes ereignen mag — stets findet die Beratungsstelle dank der langjährigen Praxis und dem umfassenden Fachwissen ihrer Leiterin den richtigen Rat. Frau Gisi Hirsch hat ihren lehrreichen Vortrag beendet. Nun soll als Glanzpunkt des Nachmittags der Kaffee serviert werden. Es ist keine leichte Aufgabe, in einem gesteckt vollen Saal ein paar hundert Schalen aufzutragen, aber die Organisation der Firma Meinl klappte wie immer vortrefflich. In ganz wenigen Minuten hatten die reizenden, einheitlich gekleideten Meinl-Mädchen vor jeden Gast eine Schale Kaffee (Drei-Stern-Mischung, mit Schlagobers!) hingestellt, dazu einige Schnitten flaumiges Milchbrot und ein Säckchen knuspriger Keks. Man gibt sich mit Behagen dem Genüsse des würzigen Getränkes hin, während wieder die frohen Töne der Musik durch den Raum klingen. Den nächsten Programmpunkt bildete die Frühjahr s m o d e n s ch a u nach Schnittmustern des „Blattes der Hausfrau". Ein Alodell reizender und aparter als das andere und vor allem: wie billig schneidest man sich selbst seine Garderobe nach diesen Schnitten! Der Modenschau folgten künstlerische Darbietungen. Rene Back entzückte das Auditorium durch seine heiteren Klaviervorträge und Adolf W o 11 n e r hatte mit seinen feinpointierten Charakterstudien stürmischen Erfolg. Ehe der Conferencier sich verabschiedete, erzählte er uns noch, wie aus dem „Geschäftsladen auf dem Laurenzerberg" die Weltfirma Meinl mit ihren 4 4 0 Niederlassungen wurde, weil seit 1862 das oberste Geschäftsprinzip gleich geblieben ist: dem Kunden zu dienen. Da meldete sich eine Dame aus dem Publikum zum Wort. Sie bittet, der Leitung der Firma Meinl den herzlichsten Dank für den gelungenen Nachmittag und die liebenswürdige Bewirtung auszurichten. Man habe heute wieder gesehen, wie innig die Firma Meinl mit ihren Kunden verbunden sei und daß sie mit ihnen gleichsam eine große Familie bilde. Der langandauernde Beifall, der diesen Worten folgte, bewies, daß die Rednerin allen Gästen aus der Seele gesprochen hatte. Langsam leL,.e sich der Saal. Beim Ausgang konnten die Veranstalter immer wieder von den scheidenden Damen Worte der Anerkennung und des Lobes für den überaus gelungenen Nachmittag entgegennehmen. I. Auspitz. ■•■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiaiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiatiiiiiiiiiiiiiBiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiif iiiiiiiiiiiiiiiiiimi) 30

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