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Wiener jüdisches Familienblatt · 1934-05-01 · 7 (Mai 1934) · p. Seite 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
2 (1934)
Issue
7 (Mai 1934)
Date
1934-05-01
Page
Seite 27 (sequence 29)
Language
German
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Feldsberg. Beide Gemeinden, Lundenburg sowohl als auch Kostel, wurden selbstverständlich zu allen Zeiten in ihrer Geltung innerhalb der Judenschaft von dem Glänze des nahen Nikolsburg überschattet. Eine Nebenlinie mit schwachem Verkehr, führt von Lundenburg aus durch herrliche Wälder zunächst nach dem durch den Frieden von St. Germain von Oesterreich abgetrennten Feldsberg. Von den Juden dieses Ortes war schon früher die Rede und es wäre vielleicht nur noch 7.11 sagen, daß die Erinnerung an diese jüdische Siedlung nicht "nur in dem jüdischen Familiennamen Feldsberg, sondern wahrscheinlich sogar, da der Ortsname im 17~. Jahrhundert in hebräischer Transkription ..Felsburg" geschrieben wurde, in dem Familiennamen F e 1s e n b u r g fortlebt. Nikolsburg. Nikolsburg, das der Fremde an seiner charakteristischen 'a§e, ohne erst nach dem Namen der Bahnsfa'ion blicken Zu. "bissen, sofort erkennt, ist deutsch — soweit es nicht seine Judenstadt einst zu einer jüdischen Metromif m stemPelfe- Schon numerisch übertraf diese Gemeinde all«. lren weit über 700 Familien während ihrer Glanzzeit j _ J»uinui ^an desältesten und konnte sich mit seiner Talmudhochun,4 f. getrost den großen Judenzenfren Frankfurt, Prag na Preßburg an die Seite stellen. Betritt man aber heute, vom Bahnhof kommend, die RockeSta^f' S° biefef sich einem sofort das Bild eines Judenstadf, ies, der seinem Träger zu weif geworden ist. Am Beginn der Hauptstraße des ehemaligen Judenviertels, erinnert zwar die Inschrift an einem Altersheim schon an das Vorhandensein von Juden und auch die Straße selbst ist ja einem jüdischen Wohltäter seiner Heimatstadt, der in Amerika gestorben ist, zu Ehren Schweinburgstraße genannt. Allein, dieses Altersheim ist bezeichnend für das jüdische Nikolsburg von heute, das altersschwach geworden zu sein scheint im Vergleich zu dem, was es noch vor 50 Jahren war, und dieser Eindruck wird vielleicht noch verstärkt durch das von dem kunstliebenden und für seine Heimat begeisterten Dr. Tel t scher angelegte Museum. Es gibt prächtige Menschen in diesem Nikolsburg von heute, die, wie die meisten mährischjüdischen Intellektuellen, einen gewissen Stolz auf ihre alte Geschichte nicht verleugnen können, und zu ihnen gehört vor allem auch der liebenswürdige und stets hilfsbereite Rabbiner Dr. Willmann. Aber ähnlich dem Museumsfreund Dr. Teltscher, scheint auch ihm nur mehr die Rolle eines Konservators beschieden zu sein, wenn man ihm auch sofort glaubt, wie gerne er Erweck e r wäre. Er führt mich durch enge Gäßchen und über Plätze, die einst erfüllt waren von jüdischem Leben, und zeigt mir das alte Beth-Hamidrasch mit seinen Bücherschätzen, die jetzt in ein Vereinshaus umgewandelte „Neuschul" und die prächtige „Altschul". Wo sind aber die Scharen jener Juden h i n g e s c h w u n d e n, d i e einst diese und noch viele andere B e t - und Lehrhäuser bevölkerten? Sie sind hinausgewandert — entweder in die weite Welt oder nach jenem Berge Gottes, der unweit der Judensfadt hinansteigt und mit seinen endlosen Reihen stummberedter Steine hinausblickt ins hügelige Land. Dort stehe ich dann auch lange an den Gräbern eines Rabbi Mordechai Benef, eines Rabbi Meir Feuchtwang und noch an so vielen anderen Gräbern, von denen eines einen Märtyrer birgt, viele aber einen eigenen Heldenfriedhof, die Blüte einer ganzen Generation umfassen. Die meisten jüdischen Geschäfte Nikolsburgs befinden sich auf dem Hauptplatze der Stadt. Das Leben hat auch hier, soweit es eben überhaupt am Orte verblieben ist, den alten Rahmen gesprengt und unsere Zeit hat vielleicht nur noch nicht ganz den neuen Rahmen geschaffen, in de m das Bild einer jüdischen Metropole von einst wieder zur Geltung gelangen soll. Vielleicht sind an der Schaffung dieses neuen Rahmens auch jene zarten Fäden mittätig, die von hier und auch von anderen Gemeinden dieses Landes aus, über Wien hinweg sich bereits nach Erez Israel zu spinnen begonnen haben. Ist dem aber wirklich so, dann, nun dann mag auch dieses alte Nikolsburg vielleicht einmal ins Museum wandern; neue Metropolen des altneuen Judengeistes mögen glücklicherund dauerhafter sein! Misslifz. Nach einer abwechslungsreichen Fahrt durch das südmährische Hügelland taucht ein Ort auf, der eine der ältesten und interessantesten Judengemeinden Mährens birgt: Misslitz oder wie es in jüdischen Quellen in Anlehnung an den tschechischen Ortsnamen Miroslaw heißt, M i s 1 a b. Wieder ist es dasselbe Bild einer Hauptgasse, die von zahlreichen Nebengäßchen geschnitten wird, in denen oft kaum zwei Menschen aneinander vorübergehen können. Die Häuser sind hier nur sichtlich besser und netter gehalten, als es sonst meist der Fall ist, und bald erfahre ich auch, daß dies nicht nur der größeren Wohlhabenheit, sondern auch dem Umstände zuzuschreiben ist,, daß es hier jüdische Bauhandwerker gibt. Das ist immerhin ein ganz interessantes Novum, das mir viel mehr imponiert als die Orgel, die hier in einem fast leeren Tempel an jedem Freitagabend gespielt werden muß. Vielleicht hat zu dieser fast völlig aus der Art schlagenden Anlage der Misslitzer Juden, deren typischeste Vertreter die Schlosser- und Baumeisterfamilien W i n k 1 e r und König darstellen, auch die Einwanderung so vieler Juden aus Wien und Niederösterreich beigetragen, die hier im Jahre 1671 erfolgte. Diese Einwanderung brachte in das so nahe der österreichischen Grenze liegende Misslitz einen neuen Zug. Ihr bedeutendstes Dokument ist das aus Wien mitgebrachte 27

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