Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- 7 (Mai 1934)
- Date
- 1934-05-01
- Page
- Seite 17 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/8245601-8695753-8695757--166-8245713- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
FRANZ OPPENHEIMER ,__dem Nationale)konomen zum 70. Geburtstag Von Dr. Leo Goldhammer Die üelehrtenweK aller Länder und Erdteile feierte kürzlich den 70. Geburtstag des hervorragenden Nationalökonomen und führenden Soziologen Iranz Oppen heim er, der bis zum Beginn des Hitlerregimes als Ordinarius an der Universität in Frankfurt am Main wirkte. Aber auch die palästinainteressierten Juden der ganzen Welt ergreifen mit besonderer Freude diese Gelegenheit, einem ihrer besten Volksgenossen die innigsten Glückwünsche und tiefste Anhänglichkeit auszudrücken, denn Oppenheimer hat wiederholt mit der ihm eigenen, ungewöhnlichen Wortmächtigkeit über Erez Israel gesprochen und geschrieben. Ist doch auch für ihn die Verwirklichung des Palästinawerkes auf Basis einer richtigen Siedlung die Lösung der Judenfrage. Her Verfasser dieser Zeilen, der sich mit Stolz zu des Gelehrten zahlreichen Schülern zählt, hält es für eine besondere Auszeichnung, mit einigen Worten seine Bedeutung auf volkswirtschaftlichem Gebiete würdigen zu dürfen, wobei er es aufs tiefste bedauert, nicht einen Bruchteil der stilistischen Meisterschaft (>ppenheimers zu besitzen, um ihm auch nur annähernd gerecht zu werden. Wenn auch die soziologischen Publikationen, die Oppenheimer in den letzten Jahren herausgab, seine anfänglich nur den ökonomischen Problemen geltenden Arbeiten zurückgedrängt haben, wollen wir uns doch diesmal nur mit seinem wirtschaftlichen Wirken befassen, da dieses nicht nur umwälzende Bedeutung hat, sondern für das Palästinaaufbauwerk wegweisend war und ist. Oppenheimer erblickt „die zentrale Wurzel aller unserer heutigen gesellschaftlichen Nöte in dem arbeitslosen Einkommen: im Profit und in der Grundrente". Das Mittel zur Heilung dieser Krankheit herauszufinden, erscheint ihm eine viel vornehmere und wichtigere Aufgabe als „die Heilung des Krebses und der Schwindsucht, als die endgültige Eroberung der Luft". Er wendet sich daher zunächst gegen die Lehre von der „ursprünglichen Akkumulation" als der eigentlichen Voraussetzung der sogenannten Bourgeois- Ökonomie, gegen jene Lehre also, die der Meinung kt, „daß die wirtschaftlichen Verschiedenheiten der Vermögen sich allmählich aus lediglich wirtschaftlichen Beziehungen zwischen freien und gleichberechtigten Mitbürgern entwickelt haben". Er verwirft auch die marxistische Lehre von der „kapitalistischen Akkumulation", nach der auf der einen Seite „die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden". Beiden Theorien stellt er seine eigene Lehre vom »B o d e n m o n o p o 1 als primärem Klassenni o ii o p o 1" und den daraus resultierenden „sekundären Klassenmonopolen" entgegen. Es besteht somit nach der Lehre ()ppenheimers zwischen dem Unternehmer, der die Produktionsmittel besitzt, und dem Arbeiter, der nur seine Arbeitskraft zu verkaufen hat, keine wahre „freie Konkurrenz"; das drängende und drückende Bedürfnis des Arbeiteis, seine Arbeitskraft gegen Lohn auszutauschen, zwingt ihn, mit dem Produktionsmittelbesitzer auf Basis eines diesem vorteilhaften Klassenmonopols zu paktieren. Dieses Monopol wird von Oppenheimer mit einer meisterhaften Schärfe und Klarheit als „Einkaufsmonopol" analysiert. Um dieses Monopolverhäitnis zu sprengen, ist die Aufhebung der Bodensperre als des „primären Klassenmonopols" unbedingt notwendig. In der im Jahre 1896 erschienenen ersten größeren Arbeit Oppenheimers über die „Siedlungsgenossenschaft" setzt er ungefähr folgendes auseinander: Die landwirtschaftliche Siedlungsgenossenschaft ist dazu bestimmt, die in der Bodenbesitzverteilung, bezw. in der Bodensperre verwurzelten kapitalistischen Fesseln zu sprengen. Der für Siedlimgszwecke aufgeschlossene, von der Sperre befreite kulturfähige Boden hält seine Menschen fest, läßt sie nicht mehr sich in die Städte ergießen und eine Ergänzung der daselbst befindlichen industriellen Reservearmee bewirken. Da nämlich die Reservearmee ihrerseits durch den von ihr ausgehenden Druck auf den Arbeitsmarkt ungünstige Arbeitsverhältnisse und in der Folge die Arbeitslosigkeit hervorruft, so wird Der neueste GRETA GARBO-Großfilm *U?te du mtcÄ ioänöcftd Wiener Premiere am 4. Mai 1934: Elite-Kino I. Schotfenring-Kino I. Sascha-Palast III. Flotten-Kino VI. Lustspieltheater II. Ein Metro - Goldwyn - Mayer - Film in deutscher Sprache 17