Mannheim
Compact Memory

Wiener jüdisches Familienblatt · 1934-05-01 · 7 (Mai 1934) · p. Seite 18

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
2 (1934)
Issue
7 (Mai 1934)
Date
1934-05-01
Page
Seite 18 (sequence 20)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/8245601-8695753-8695757--167-8245714
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

diese neue Verschlechterung des Arbeitsmarktes durch die Verringerung des in die Stadt strömenden ländlichen Bevölkerungsteiles verhindert. Andererseits wird aber auch die Kaufkraft der ländlichen Bevölkerung gesteigert; als natürliche Folge davon werden neue Absatzmöglichkeiten für das städtische Gewerbe geschaffen und schließlich der Markt von den Krisenschwankungen der Weltwirtschaft unabhängig gemacht. Auch der geistige Horizont des Städters und des ländlichen Bewohners beginnen sich anzugleichen, je mehr sich der durch den Grundbesitz künstlich erweiterte Gegensatz von Stadt und Land aufhebt, je mehr der „Unterschied von Zentrum und Peripherie" schwindet. Damit ist aber auch der Ausbreitung des Sozialismus auf dem Lande das Hindernis genommen; denn nach Oppenheimer soll nicht nur eine einzige Klasse, sondern jede Gesellschaftsschichte zur Heilung beitragen, mit anderen Worten: es handelt sich bei der Oppenheimerschen Theorie um den Versuch, die bestehende Gesellschaftsordnung in ihren wesentlichen Grundelementen, wie Produktions-, Eigentumsordnung, Vertragsfreiheit, freie Konkurrenz usw. zu erhalten und dennoch innerhalb des bestehenden G ef ü g e s der Gesellschaft durch Beseitigung der Bodensperre und damit des kapitalistischen Grundverhältnisses die Quellen zu verstopfen, aus denen Rente und Profit als kontinuierliche und nicht entlohnte Einkommenströme fließen. Oppenheimer hat uns damit gelehrt, bei der Erkenntnis der Wirtschaftsverhältnisse nicht wie bisher „industrozentrisch", sondern „geozentrisch" zu denken; ein Moment, das auf dem Gebiete der Nationalökonomie die gleiche Bedeutung hat, wie in der Astronomie die Kopernikanische Lehre. Oppenheimer hat sich aber nicht bloß damit begnügt, theoretisch ein von jedem Zwange freies, genossenschaftlich erfülltes Leben in einer ,,F r e i - bürgerschaft" zu begründen, sondern den Versuch unternommen, seinen Gedankengang auch praktisch in die Tat umzusetzen. Sein Experiment in Wenigen-Lupnitz bei Eisenach im Jahre 1906 ist gänzlich mißlungen, in Merchawijah durch verschiedene äußere Momente, vor allem den Beginn des Weltkrieges nur zum Teile geglückt, die landwirtschaftliche Prodiuktivgenossenschaft auf der früheren Staatsdomäne in B ä r n k 1 a u bei Berlin jedoch ist ein voller Erfolg. Dem letzteren Werke gehen gründliche Studien der landwirtschaftlichen Produktivgenossenschaften in Italien und in Rumänien voraus. Ueberdies aber bieten uns die genossenschaftlichen Siedlungen Palästinas, die alle auf den Anregungen Oppenheimers und seinen theoretischen Ermittlungen basieren, den Beweis dafür, daß der von ihm aufgezeigte Weg zur Gesundung der Wirtschaft, wenn auch mit verschiedenen Modifikationen und unter Fallenlassen einzelner nebensächlicher Teile, der einzig richtige ist, der zum Erfoilg führt. Daher sind die Darlegungen, die Professor Oppenheimer über das jüdische Siedlungswerk in Palästina gemacht hat, von größter Bedeutung; denn sie sind stets als das fachmännische Urteil des Mannes anzusehen, dessen Ideen diesem Siedlungswerk zum Teil zugrunde liegen und für ihn vielleicht weit mehr entscheidende Probe auf die Verwirklichung seiner Gedanken als alle anderen kleinen, gewissermaßen in der Retorte angestellten Versuche. Wie denn überhaupt allen Schriften Oppenheimers kein anderes Ziel, kein anderer Sinn unterlegt ist, als der glühende Wunsch, den Lebenden zu helfen, die Lebensumstände der überwiegenden Menge der Menschen zu bessern, das Glück zu mehren und das Unglück zu mindern. Von keinem gilt so sehr das Wort des großen Juden Popper-Lynkeus, wie von Oppenheimer: „Möge man zusehen und sich seiner Ideen bemächtige n." mich WÄS 5 Antworten auf Seite 25. 1. Wer war Jaffe und wo liegt Jaffa? 2. Woher kommt das Wort „Petite"? 3. Was bedeutet „Transferabkommen"? 4. Wie viele Frauen hatte der Stammvater Jakob und wie hießen sie? 5. Was versteht man unter „Binationaler Staat? 6. Wer war Joram; In Israel und in Juda? 7. Wie heißt die Klagemauer auf Hebräisch? 8. Wer war der Verfasser der Schrift „Jerusalem, oder über religiöse Macht und Judentum"? 9. Welches hebräische Gedicht hat den Namen Ch. N. Bialik's in der jüdischen Welt berühmt gemacht? 10. Wer hat den Oesterreichern das „Freiheitspatent" gegeben? 11. Wo liegt das berühmteste österreichische Ghetto? 12. Welcher Prophet ist von einem Fisch verschluckt und wieder ausgespien worden? Wo ist sein Grab? 13. Was ist „Dybuk"? 14. Wo fand die Uraufführung des „Dybuk" als Oper statt? 15. Wann wanderten die ersten Juden nach Deutschland ein? 16. Was bedeutete das Wort „Kammerknechte"? 17. Wer ist der Verfasser des Romans und Theaterstückes „Der König der Schnorrer"? 18. Wer war der populärste jüdische Kantor der Welt? 19. Wer ist der berühmteste jüdische Violinvirtuose? 20. Welche Judengemeinde im heutigen Oesterreich prägte Münzen mit hebräischer Inschrift? 18

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.