Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- 7 (Mai 1934)
- Date
- 1934-05-01
- Page
- Seite 14 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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mittelte der Schauspieler in seiner Meisterrolle. Und so oft er den Nathan darstellte, sah er die Budapester Synagoge, den leuchtenden Blick seines Vaters, sein ewig frisches Jugendcrlebnis. Sonnenthal war auf seine jüdische Abstammung stolz. Der Antisemitismus wütete — die Taufe war damals besonders modern er blieb sich und dem Judentum treu. Je mehr er anerkannt und ausgezeichnet wurde, desto inniger fühlte er sich mit dem Judentum verbunden. Er war in vielen jüdischen Vereinen tätig und aktives Mitglied jüdischer Institutionen. In Rat und Tat, in Wort und Handlung stand Sonnenthal immer den jüdischen Organisationen zur Verfügung. In einigen Briefen, die sich im Jüdischen Museum in Wien befinden, zeigt er ein besonderes Interesse für die Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums. Einem Schreiben legt er Geld bei, das er für das Jüdische Museum gesammelt hatte, in einem anderen bespricht er Tragen wegen seines Vortrages über Heines „Rabbi von Bacharach" oder er berichtet, daß er einen Herrn für ein Referat über jüdische Probleme gewinnen konnte. Adolf v. Soiinenthal war ein ganzer Mensch, nicht bloß ein begnadeter Künstler, ein einlacher Mensch, dem es gar nie eingefallen wäre, sich dessen zu schämen, was er war. Er war ein ganzer Künstler und ein ganzer Jude und ein ganzer Oesterreicher. Sonnen fhals Handsdi rift Max &cftlmatm, ein füdtic&M ZBUdh'auM Der jüdische Bildhauer Max Färb mann stammt aus Litauen, muß aber zur Wiener Künstlerschule gezählt werden, da er in seiner Heimat nur die Gewerbeschule besucht hatte, während er in Wien an der Akademie der bildenden Künste bei den Professoren M ü 11 n c r und H e 11 m e r seine künstlerische Ausbildung genießen durfte. Er hat auch in Wien bereits mehrfache Anerkennung gefunden. So hat beispielsweise das Kunsthistorische Museum vor kurzem fünf Plaketten aus seiner Hand angekauft, welche Tempelszenen zur Zeit des Laubhüttenfestes darstellen. Viele Persönlichkeiten hatten ihn zur Anfertigung von Plastiken herangezogen, unter anderen Hofrat Dr. Frankfurter, der verstorbene Musikschriftsteller Richard Specht, Universitätsprofessor Tandler und Karl Kraus; das Relief des Letztgenannten wurde im Jahre 1925 für das Museum der Stadt Wien angekauft. Max Farbmann lebt jetzt in Palästina, da man ihm in Tel-Aviv eine Lehrstätte eingerichtet hat. Gegenwärtig arbeitet Farbmann au Holzplastiken, in welcher Kunstart er bereits eine große Meisterschaft erlangt hat. Es ist nicht ausgeschlossen, daß in Wien in absehbarer Zeit eine G e s a m t a u s s t e 11 u n g d e r bisherigen Werke F a r b m an ns zu sehen sein wird. Wir bringen einige Proben des großen Könnens dieses ernsten Künstlers, der den einwandfreien Beweis erbracht hat, daß die Juden auch au!1 diesem Gebiete der Kunst Vollwertiges zu leisten imstande sind, obwohl sie sich noch nicht lange Zeit mit Bildhauerei und Plastik beschäftigen. —s.— 14