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Wiener jüdisches Familienblatt · 1934-02-15 · 4 (15. Februar 1934) · p. Seite 39

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Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
2 (1934)
Issue
4 (15. Februar 1934)
Date
1934-02-15
Page
Seite 39 (sequence 41)
Language
German
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JUGEND BEILAGE l'se I [erlinger Ein kleiner Knabe reist nach Erez Israel Als Isi das erstemal in die Schule ging, hatte er folgendes Erlebnis: Der Herr Lehrer fragte alle Knaben der Reibe nacb: „Wie heißt du? W as bist du?" Darauf nannten alle Kinder ihren Namen und beantworteten die /.weite Frage, indem sie sagten: „Ich bin ein Deutscher!" Und ein kleiner Junge, der darum nicht wenig beneidet wurde, konnte sogar stolz antworten: „Ich bin Amerikaner!" Und das war wirklich wahr, denn er war erst vor kurzer Zeit aus Amerika gekommen, um bei seiner Großmutter ein Jahr zu verbringen. Als nun Isi an die Reihe kam, antwortete er mit seiner hellen Stimme klar und deutlich: »Ich heiße Isidor Ruhmann und bin ein -lüde!" sieh aul sein kleines Bänkchen und blickte gespannt zu der Mutter auf, Sie begann: „Fern, lern von hier liegt ein schönes Land, das einst den Israeliten gehörte. Wenn du erst größer sein w irst und mit der Bibel vertrauter, wird die ganze ruhmreiche \ ergangenheil deines \ olkes vor (Iiierstehen, die Geschichte deiner Ahnen, die glücklich und zufrieden in jenem Lande lebten und von großen und weisen Königen regiert wurden. Groß war ihre Weisheit und ihr Huhin lebt heute noch fort im Munde der Menschheit. Dann kamen gewallige Feinde, bekriegten Israel, zerstörten seine Tempel und vertrieben das israelitische Volk aus seinem Vaterland. Du bist noch zu jung, Kindergruppe in licl Alfa In Uschela Die andern Knaben kicherten und Hüstelten ftm zu: „Aber du bist doch ein Deutscher, es gibt doch kein Judenland!" Da wurde Isi ganz verwirrt, und als er aus der Schule ging, war er 11;»ehdenklieh und machte sich zum erstenmal in seinem Leben Gedanken. ,,Mutter", Eragte er daheim, „ich bin doch ein Jude?" „Natürlich", lachte die Mutter, „aber Weshalb fragst du?" »■ „Die anderen Jungen sagu'». Deutschland wäre ihr Vaterland; WO aber meines?" Die Mutter blickte den kleinen Frager emsthaft an. .Sie setzte sieh in einen Lehnstuhl u"d winkte dem Knaben, sieh zu setzen. „Ich will dir etwas erzählen, Isi", sagte sie und Isi setzte um von all der Unbill zu erfahren, die deine Väter erlitten, von den unsäglichen Leiden, die sie erdulden mußten, und von dem Heldenmut, mit dein sie ihrem Glaubeil den blieben. Von Land zu Land wurden sie getrieben, und wenn sie einmal glaubten, endlich ein wenig Frieden gefunden zu haben, trieben Mißgunst und Haß sie von neuem fort, begannen neue Qualen für sie. Es ist noch gar nicht lange her, daß sie in engen Gassen zusammengepfercht leben mußten, in eine häßliche Tracht gekleidet, daß man nur ja sicher den verhaßten, gepeinigten .luden erkannte um ihn noch mehr quälen zu können! Lud wann immer ein Uhrecht geschah, schob man den unglücklichen 39

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