Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- 4 (15. Februar 1934)
- Date
- 1934-02-15
- Page
- Seite 38 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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CRISTALLEME MÜHLFELD IX., SERVITENGASSE 5 ECHTE FEINSTGESCHLIFFENE BLEI KRISTALLE TELEPHON A-16-7-49 gio contra voluntatem et prohibitionem nostram .. combuslos esse". Die christlichen Quellen unter ihnen auch der bekannte ungarische Historiker Bei Mathias, berichten, daß damals Kindel' unter zehn Jahren den .Inden abgenommen und christlichen Bürgern zur weiteren Erziehung übergeben worden seien. Man kann sich wohl ausmalen, wieviel Weh sieh hinter dieser Angabe birgt, und mehr noch als das Schicksal der Märtyrer seihst wollte mir das ihrer Kinder während des ganzen Aulenthalles in der Gegend nicht aus dem Sinn. Namentlich aber beschäftigte mich oft der Gedanke, oh nicht der in St. Georgen ansäßige christliche Arzt, von dem so viele Beweise edler Menschlichkeit bekannt wurden, das Klüt eines solchen Judenkindes in seinen Adern führe. Im Ii). Jahrhundert siedelten sich allmählich wieder .luden in Heising an. Die Wunden waren wohl vernarbt, aber daß noch immer das Bewußtsein des Ereignisses von 1529 beiderseits lebendig war, beweisen die Sagen, die über diese neugegründete Gemeinde noch heute im Umlaut sind. Kine dieser Sagen beschäftigt sich mit einem Grafen Palffy, der den Friedhof der neuen Gemeinde zerstören wollte, den aber ein Traum, in dem ihm ein Rabbi erschienen sein soll, von diesem Vorhaben abbrachte. Kine zweite Sage beschäftigt sich mit einem Handwerker, der ein von den .luden \ erlassenes Bethaus, das jetzt eine Garage enthäh, demolieren wollte, dabei aber von der Leiter gestürzt sein soll. Angeblich wagt noch heute niemand, an dieses Bethaus Hand anzulegen, und so scheint noch heute düster der rächende Geist der gemarterten .luden über dem Städtchen zu liegen. Kr hinderte freilich nicht, daß in den Tagen des Lmsturzes Iiier wie in St. Georgen .luden geplündert wurden und auf dem alten BÖsinger Judenfriedhof die meisten Grabsteine umgeworfen sind oder gänzlich fehlen. Es nützt da nur wenig, daß jetzt energische und auffallende \\ arnungen an Mauer und Tür für jede Beschädigung des Friedhofes strenge Strafen androhen, man sieht auch Ii i e r hinter allen die s e n Ereignissen n u r d i e Tragik d e s w e h r I o s e n .1 u cl e n s c Ii i c k s a I s. Kine förmliche Personifikation dieses Schicksals fand ich in Heising in der armen Frau des jüdischen Gemeindediemers, die mich mit dem Schlüssel nach dem Friedhof begleitete. W enig Glück und kurze Blüte, sonst aber viel, unendlich viel Leid, Verlust von Kindern, Brandunglück, karger Lohn bei viel Mühe, das waren die Hauptumständc dieses jämmerlichen Lebens, die ich bald erfahren hatte, und ich sali, während ich dieses in sich zusammengesunkene, früh gealterte Weiblein betrachtete, die Millionen jüdischer Krauen vor mir, denen ähnliches Kos geblüht, die aber alle ohne Murren diesen ihren Anteil an der Last des Göhls tragen. Sie verschmähten und verschmähen es noch heute, gleich manchen Großstadt Jüdinnen ihre eigene Persönlichkeit zum Mittelpunkt eines Götzenkults zu machen, und erfüllen freudig jede ihrer Pflichten als Krauen und Jüdinnen. Wenn "ihnen außer eben diesem Bewußtsein der erfüllten Pflicht und dem Aufgellen im Heil ihrer Kinder kein anderes Glück beschieden ist, dann betrachten sie sich als Soldaten ihrer Pflicht gleich den Märtyrern von Bösing, von denen die Gedenktafel sagt, daß sie das Leben dieser Welt gering geachtet hätten gegenüber dem künftigen Leben. Das Hohelied dieses Weihes hat noch kein König Salomo besungen. Ihr ist es nicht gegönnt, „dem Armen die Hände zu öffnen", da sie selbst zu den Empfangenden und nicht zu den Besitzenden gehört. Ihr Los ist Judenlos plus Proletarier fr auenlos, und Schicht in der Slovakei vor kann auch Hede sein. ein Lehergangslanel vom Westen nach dem Osten dar: sie zeigt K o r m e n des O sle n s o h n e dessen Massen'haf ligkeit, und gerade Bösing mit seinen in Krakau durch Jahrhunderte aufbewahrten Märtyrernamen ist so ein rechtes Schulbeispiel für diese lokale, geistige und nicht zuletzt auch soziale Lehergangssituation der jüdischen Slov akei. da die jüdische Proletarierallem der Masse ermangelt, von Abhilfe durch Organisationen nicht die Jüdisch-geographisch stellt die Slovakei eben HOTEL D'ITALIE BAUER-GRÜNWALD VENEDIG ITALIEN 38