Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- 4 (15. Februar 1934)
- Date
- 1934-02-15
- Page
- Seite 37 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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schwebende Erinnerung an das Schicksal ihrer Vorgänger in dieser Gemeinde aui die .luden von heule ernüchternd und erschütternd und es erscheint ebenfalls wie ein fortdauerndes Erinnern, wie eine bewußte Pflege des Andenkens Ml die heiligen Märtyrer dieses Ortes, wenn in der Jeschiwa den ganzen l ag hindurch das Wort der Thora gepflegt und erforscht wird, für die und in deren Geist jene lebten und Starben. Ein wahrhaft würdiger Interpret dieses Geistes, l'n Mann voll hoher allgemeiner Bildung, der das Thora- WOT< in vollendeter Form auch durch die Schrift ZU verteilen weiß, ist Rabbi Josua Schill, der Rabbiner von Bösing, der uns an der Spitze seiner ernsten Jüngerschar begrüßt. So ähnlich mögen wohl auch jene ausgesehen haben, deren Namen das Gedenkbuch der Chewra Kadiseh« Krakau bewahrt hat. Von dort aus kam eine Abschrift orsi vor wenigen Jahren nach Bösing, also an den Schauplatz trauriger Vergangenheit seihst. Vierhundert Jahre ist es her, seit in Bösing ein Holzstoß an der Stelle etwa aulloderte, an der sich jetzt der Bahnhol befindet Die Vsehe der Märtyrer ist im Winde verflogen und kein Stein kündet ihr Gedenken. Ks ist aber "ic eine ungewollte Reverenz vor den unschuldig Getöteten, ""in gerade an dieser Stelle eine (lasse den Namen des tschechischen Dichters Stefan Movz.es trägt. Mehr und innere Reverenz erweisen ihnen aber die im Gesetze eines Moses forschenden Talmudjünger von Bösing, die heute wohl ebenso wie ihre Ndrgänger vor vier Jahrhunderten imstande waren. >,m i t ihre n K a m e r a d e n Sl"'men", wie das Kraka Gcdcnkhucl: F e u e r berichtet. Es ist interessant, die in dieser hebräischen Quelle ttberieferten Namen der Märtyrer von Bösing mit denen der parallelen im Wiener rlofkammerarchh erhaltenen deutschen Quelle zu vergleichen. Für beide Quellen ergeben sieh dabei ertvolle Prufungsmöglichkeiten. Sehr interessant ist aber 'uu'', daß die nichtjüdische Quelle zwei der hingerichteten uden Samuel und David S a i f f en m a cher, einen an- <l(-''cn Jakob Seh w er l leger und schließlich einen Mij"cl .Schneider nennt. Vielleicht waren nebst den Gläuigern des Grafen auch diese Konkurrenten deutscher Handwerker zu beseitigen gewesen. Die deutsche Quelle entäh auch ein ,,in der Marter" mit den angeklagten Juden « v 1 I'. F. Kaufmann Lesender Knabe Ulli genommenes Protokoll , ie einen für die Opfer mit Ausnahme derjenigen, denen die Flucht geglückt war. /u spät gekommenen Befehl Ferdinands I., der die Prozeßsache „seiner" Juden cor sein Gericht fordert. Der kaiserliche Befehl ist mit guten Gründen so ungehalten darüber, ,,non sine animi noslri moleslia" zu erfahren, daß , Judaeos phires vires et inulieres eis diebus [»er dominos Comites de Baz.yn (Bösing) et de Sancto Geor- 37