Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- 4 (15. Februar 1934)
- Date
- 1934-02-15
- Page
- Seite 35 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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ihr Heil in der kulturellen Annäherung an das f a ktische Mehrheitevolk zu suchen. Daß dabei die jüdische Erziehung nicht zu kurz kommt, dafür sorgt hierzulande schon das religiöse Milieu im Elternhanse, das, wenn nötig, auch die Kosten eines Privatlehrers nichl scheut und jedes halbwegs begabte Kind vor dem Eintritt in einen Lebensberuf an einer der vielen Taimudschulen des Landes studieren läßt. Am nächsten Morgen konnte ich im langgestreckten Hoftrakt des Hauses die kleine, aber gerade in ihrer Einfachheit rech! eindrucksvolle Synagoge von Korompa besichtigen und auch sonst all das Wenige sehen, was an Urkunden und Denkmälern in dieser Gemeinde noch vorhanden war. Es ist leider nicht viel, aber der gut gehaltene Friedhof mit seinem Drahtgitter machte im Schnee einen erhabenen Eindruck. Bei den .luden hatte der Ort ähnlich dem slovakischen Namen Kroupa immer Grupe geheißen und ich fand in dieser Namensform bald etwas Verdäch- 'i^es. in, Talmud heißen nämlich gewalttätige Menschen „Baale agrupin" und tatsächlich hatten die Baale Grupe, 'He Leute von Kroupa, nichi nur in den bewegten Tagen des Jahres Ulli!, als die ungarischen Behörden bereits abgezogen, die tschechischen aber noch nichl eingezogen waren, ihre Gewalttätigkeit erwiesen. Schon ein halbes Jahrhundert früher, mitten im Frieden, waren etliche von ihnen in das Haus des R. Chaim Zwi Mannheimer, der damals in K, aber eben oupa einen Kramladen betrieb, gedrungen. Es war Chaim Zwi Mannheimer gewesen, und Oieser Stunde der Not faßte der Mann den Entschluß, sein ferneres Lehen ganz, der Thora zu widmen. Er wurde später als Rabbiner von Ungvar eine der hervorragendsten räbhinischen Autoritäten des alten Ungarn und zeigte (l 11 mit, w i e i m ,1 u d e n I u m oll aus II II i n e n n e u e s L«hen sprießt. Nadas Es wurde Mittag, ehe ich ein Wägelchen auftreiben konnte, das mich und den aus Nadas in Ausübung seines Amtes am Morgen herübergekommenen Schächter nach Nadas bringen sollte. Der Fuhrmann halte vor der Abfahrt noch rasch seinen Rausch komplettiert und man kann sich wohl vorstellen, wie angenehm diese fahrt auf holprigen und vereisten Wegen vonstatten ging. Wir mußten ja oft zusehen, wie wir den aul dem kutschbockc eingesehlafeneii Wagenlenker vor dem Herabfallen bewahrten, bis er seiner Trunkenheil wieder Herr wurde, um wenigstens sein Plerdchen an seine Gegenwart zu erinnern. Er wurde erst datin nüchtern, als ihm der ausbezahlte Fuhrlohn zu niedrig schien. Die Fahrt selbst war äußerst genußreich. Zur Linken erstreckte sich der Park lies grällich Chotekschen Schlosses mit seinen Trei'bhausanlagen. Es «;ir ein reizvolles Bild, unter den Bäumen des Parks ein Budel liehe Eried lieh lagern zu sehen, denen an geschützten Stellen Futter gestreut wurde. Dieses Idyll entschädigte mich schon reichlich für die Unannehmlichkeiten der Heise und vielleicht sollte es mir auch Schadloshaltung bieten für die traurigen Eindrücke in der nahezu zugrundegegangenen Gemeinde Nadas. »Schon unterwegs hatte mir der Schachtel' von den schwierigen Verhältnissen in dieser einst ziemlich bedeutenden Gemeinde erzählt und noch mehr mußte ich von deren Ruin im Hause des Rabbiners selbst erfahren. Zu allen widrigen Umständen von außen gesellt sieh hier noch persönlicher Zwist im Innern. Diese internen Streitigkeiten bilden überhaupt eines der traurigsten Kapitel in einer wahrheitsgetreuen Schilderung slovakischer .ludengemeinclen. Kaum gibt es eine Judengemeinde in diesem Lande, sei sie nun groß oder klein, in der nicht unseliger Hader aus den verschiedensten Gründen scheinbaren oder wirklichen die Brüder entzweite und dem unvoreingenommenen Beobachter ein unerquickliche« Bild böte. Aehnliehe Zustände sah ich während derselben Heise auch in Verbo und in dem W eltkurorte Pistyan. Das ehrwürdige Alter mit seinen großartigen Traditionen schützt nicht den einen Ort, noch etwa bewahrt die Scheu vor den vielen Fremden den anderen Ort vor diesen Yerirrungen, die last zur Vermutung verleiten, daß die Gewalttätigkeit der Slovaken auch ein wenig aul die sonst so ruhigen Juden des Landes abgefärbt habe. VerhtO und Pistyan Verbo, einst weltberühmt als Sitz des Rabbi Koppel Charif, haben Juden größtenteils im I». Jahrhundert von U n g a r i s ch - B r o d her besiedelt und es gibt im mährischen Landesarchiv viele Akten, die sich mit der Beitragsleistung von Verboer Juden an ihre mährische Muttergemeinde beschäftigen. Man findet in dieser großen und wohlhabenden Preßburger Ghetto 35