Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- 4 (15. Februar 1934)
- Date
- 1934-02-15
- Page
- Seite 25 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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gliederliste der Couleur „honorig" gestrichen. So wollte das Schicksal, daß Theodor Herz] durch die Rede Bahra aus der „Albia" aussprang und diese Tatsache wieder brachte Herzl auf ein neues Geleise er betraf den Weg, der später zur Begründung der Zionistischen W eltorganisation führte. In derselben Zeil wurde Hahr als relegierter Märtyrer von den Alben gefeiert. Fuchs Bahr hohe sich seinen Siegeskranz, er durfte zur Burschenprüfung steigen und bestand diese „cum laude". Da er auch in Graz und Czernowitz relegiert wurde, gab er das Hochschulstudium auf und widmete sich der Journalistik. Seine ..Antisemitischen Interviews" erregten in der „Albia" große Empörung und man wollte ihn cum infamia chassieren. Bahr erscheint vor dem Albiakonvent und er verteidigt sich. Doch es hall nichts B a h r m u B t e a u s d e r „A I b i a" a u s l r e t e n. T r o t z d e r E r ei gn i s s e i n d e r ,,A I l> i a" b 1 i e- '> e n B a h r u n<l II e r Z I gut e F r e u n d e, sie kamen oft zusammen, manchmal last täglich, und besprachen die neuesten liierarischen und politischen Ereignisse. Herz] erzählte ihm erregt seine Eindrücke wahrend des Dreyfußprozesses, begründete ihm den politischen Zionismus und die Notwendigkeil eines „Judenstaates", während Bahr ihm seine Zeitungspläne und die Motive seiner Theaterstücke auseinandersetzte. Die ehemaligen Couleurbruder, Herzl und Bahr, erzählten sich oll Geschichten aus der schönen Studentenzeit, in der beide noch lustig und sorgenfrei waren. Als Herz] den „Judenstaat" veröffentlichte, schickte er auch an Bahr ein Exemplar, Zufällig trafen sie sich kuiv darauf im Deutschen Volkstheater. Bahr meinte zu Herzl, mehr ironisch als ernst: er werde gegen den Zionismus schreiben, da er gegen eine Judenauswanderung sei. In Wirklichkeit ließ er eine prozionistische Besprechung der Herzl-Broschüre in seiner Zeitung zu und kam oft zu Herzl um ihm mitzuteilen, wer für und wer gegen den Zionismus wäre. B a Ii r s e I b S t' e r k a n n t c die g r o Ii e Bedeutung Herzls. \in besten ersieht man dies aus seinen Worten im Jahre 1899: „Man weiß, daß Theodor Herzl nicht nur ein Mann der Worte ist; er hat das Glück, durch sein Inn einem großen Gedanken dienen zu dürfen; für diesen setzt er sein Leben ein. Er will sein Volk von der Not befreien und zur Macht führen. Dem hat er sich mit einer edlen Leidenschaft gew idmet .. ." JAKOB WASSERMANN Der messianische Traum Jakob Wassermann wurde 1873 in Fürth (Bayern) geboren und wohnte seit einer Reihe van Jahren in Alt-Aussee (Steiermark). Nach einer entbehrungsvollen Jugendzeit, die er in der Selbstbiographie „Mein Weg als Deutscher und Jude" schildert, veröffentlichte er lf!!)7 seinen ersten Hornau „Die Juden von Zirndorf", in dem sich bereits in Stil und Aulbau der spätere Meister deutscher Lrzählungskunsl ankündigte. Bedeutungsvoll ist das „Vorspiel" zu diesem Buche, das ein packendes Bild von dem Auszug fränkischer Dorfjuden unter dem Einflüsse der sabbatianischen Bewegung des 17. Jahrhunderts gibt. Die 1900 erschienene „Geschichte der jungen Renale fuchs" ist der Hornau einer Jüdin. In den späteren W erken, so in den Romanen „Der Moloch" und „Alexander in Babylon", bewährte sich weiterhin Wassermanns Krzählungskunst, deren gedankliche Grundlegung der Dialog- Band „Die Kunst der Erzählung" versucht. Noch tiefer und weiter greift die geistige Auseinandersetzung mit dem Problem dichterischen Schaffens überhaupt in Wassermanns Essaybuch „Der Literat oder Mythos und Persönlichkeit". Mit drei historischen Novellen „Die Schwestern", an sprachlicher Ausdruckskralt eine Gipfelleistung des epischen Schallens der damaligen Zeit, und dem großen Roman ,,Caspar Hauser oder die Trägheit des Herzens" erreicht W assermanns Vorkriegsschaffen den Höhepunkt. Es folgten der Novellenhand „Der goldene Spiegel", die Romane „Die Masken Erwin Heiners" und „Der Mann von 40 Jahren". Hohe Mittelpunkte seines Schaffens bedeuten „Das Gänsemännchen" und „Christian Wahnschaffe", in dessen Mittelpunkt die Figur einer jungen edlen Jüdin steht. Nach den drei Bänden des „W cnclekreises", den Novellen „Der Geist des Pilgers", den Nachkriegsromancn „Faber oder die verlorenen Jahre" und „Laudin und die Seinen" erklimmt Wassermann mit dem bedeutenden Justizroman „Der lall Maurizius", in dem ebenfalls ein .lüde des assimilierten Typus eine entscheidende Rolle spielt, einen neuen Gipfel des Schaffens. Es folgen die Erzählung „Der Aufruhr um den Junker Ernst", die Biographie „Columbus" und zuletzt „Etzel Andergast", der die seelisch-geistige Situation der heutigen Jugend schildert. Jakob W assermanns Stellung zum Judentum geht außer aus der Schrift „Der Literat" und seiner erwähnten Selbstbiographie neuerdings aus einem Vortrag, aufgenommen in das Lssaybuch „Lebensdienst", hervor, in dem er extreme Assimilation und Zionismus gleich entschieden ablehnt. Zacharias Naar schritt durch die dunklen Straßen des Orts zum Tempel der -luden. Dort war noch Gottesdienst, denn es war der Vorabend des »i Tree Stars" Kohle Anthrazit Koks HÖCHSTER QUALITÄTEN: Bäsch, IV., Argentinierstraße 22 / Tel. Serie U-47-5-40 25