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Wiener jüdisches Familienblatt · 1934-02-15 · 4 (15. Februar 1934) · p. Seite 24

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Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
2 (1934)
Issue
4 (15. Februar 1934)
Date
1934-02-15
Page
Seite 24 (sequence 26)
Language
German
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Jose) (jränRel StucL phiL ftermann Bahr und stucL jur. 'Cheodor fter^l Die vorliegende Arbeit stützt sich auf ein Maldini, das bisher unbekannt war. In der Hauptsache wurden Archivquellen der „Alma" verwendet, die diese Wiener Studentenverbindung dem Autor zur Verfügung gestellt bat. Jüdische Hoehschüler waren in den Mitgliederverzeichnissen der liberalen und nationalen Studentengruppen zahlreich vertreten und so hatten last alle akademischen Verbindungen der Achtziger,jähre des vorigen Jahrhunderts eine ,,J udendebalte". Im Wintersemester 1880/81 trat stud. jur. Theodor Herzl in die akademische Verbindung ,,Albia" ein. Bumte Kappen und Bänder, Kneipen und Mensuren wie auch die 1 rcundsehall mit einigen Alten veranlagten den jungen llerzl, in die ,, Allda" einzuspringen. Die ,.Albia" gehörte damals keiner politischen Partei an und lür sie war auch nicht alles heilig, was der Führer der Völkischen, der Abgeordnete Bitter von Schönerer, der von den Akademikern vergöttert wurde, in Studentenversammlungen predigte. Doch genügte das bloße Sympathisieren vieler Alben mit völkischen Anschauungen, um in llerzl eine innere Wandlung zu erwecken, llerzl begann zu Fühlen, daß er in der ,,Albia" ein fremdes Clement sei und daß seine Kameraden werdende Antisemiten waren. Durch Schönerer wurde auch in der ,,Allna" die Judenirage behandelt. llerzl begann sich zum ersten Male Cüt diese Probleme lebhaft zu interessieren, Bücher über Judentum und Antisemitismus zu lesen und diese erweckten in ihm da.s Gefühl der Zugehörigkeit zum jüdischen Volke. Herzls W andlung nahm aber erst durch die Bede Hermann Bahra auf dem „Richard-Wagner-Kommers" klarere Formen an. Sie führte zum gänzlichen Bruch mit der „Afbia". — Theodor llerzl hatte schon die erste rechtshistorische Prüfung abgelegt, als Hermann Bahr mit leidenschaftlicher Neugierde die ersten Vorlesungen an der philosophischen Fakultät der Wiener Universität besuchte. Während Herz! das dreifarbige Burschenband der „Atbia" trug, trat erst Bahr der Korporation als „Hospitant" bei. Im .labte 1882 lernten sie sich in der „Albia" kennen und wurden Freunde. Beide hatten Mensuren geschlagen, Kneipen und Studentenstreiche mitgemacht. Am Ii!. Februar starb Richard Wagner. Kaum kam diese Kunde mich Wien, als die Wiener Studentenschaft große Vorbereitungen zu einem imposanten ,,li i c h a r d - W a g n e r - K o m m e r s" traf. Bei diesem Kommers sollte n Professoren und Vertreter der \ erbindungen das W ort ergreifen. Als ihren Sprecher bestimmte die „Albia" ihren Erstchargierten Ernst Horner. Und nun saßen die Bursehen und Füchse de." ,,Albia" einen Tag vor dem Kommers beisammen und waren ganz verzweifelt. Sie tranken Bier und sangen traurige Lieder. Kein Wunder, daß eine fieberhafte Erregung herrschte war doch stud. jur. Hörner plötzlich krank geworden und durfte das Krankenbett nicht verlassen. Wer soll morgen auf dein Kommers sprechen? Der zweitbeste Redner war rheodor llerzl, aber man konnte ihn nirgends auftreiben. Da erseheint der .junge Bahr und nach kurzer Dehatte erklärte er, lür Hörner einspringen zu wollen. Am 5. März 1883 fand im Sophiensaal der „Richard- W agner-Kommers", w elcher sich zu einer großdeutschen Manifestation der großdeutschen Akademiker entwickelte, statt. Natürlich spielte Bahr auf dieser Veranstaltung die erste Geige und seine Rede bildete den Höhepunkt des Kommerses Bahr, der wenig /eil hatte, um sieh lür die Rede vorzubereiten beschäftigte sich deshalb nicht mit der Musik Wagners, sondern proklamierte in leidenschaftlichen Worten den ,,W agner-Anti s e m i t i s m u s" und legte sein großdeutsches Glaubensbekenntnis, gemengt mit antisemitischen Phrasen, ab. Antisemiten und Großdeutsche jubelten Bahr nach seiner „gelungenen" Bede zu, d i e P o - 1 i z e i aber v e r f ii g l e , d i e U n I e r b r e c h u n g cl e s Kommerses. Aber Bahr gab der „Afbia" eine neue Richtung und brachte den völkisch-arischen Geist in die Albiabude. Die „Albia" feierte Bahr, der wegen seiner Bede vom akademischen Senat relegiert wurde. Auf diesem Kommers selbst war llerzl nicht anwesend gewesen Aus den Zeitungsberichten erfuhr er am nächsten lag, daß der Albe Bahr eine antisemitische Bede gehalten habe, daß che , Albia" .,offiziell" begrüßt worden sei und er wartete einen l ag ab, in der irrigen Meinung, daß die „Albia" gegen den antisemitischen Ton des Kommerses protestieren werde. Qui lacet, consentire \icletur. Am 7. März 1883 —- zwei läge nach dem Kommers richtete llerzl ein Schreiben an den Burschenkonvent der ,, Albia". Der Brie! führte eine scharte Sprache und war in schroffer Form gehalten. Im Schlußsatz seines Schreibens verlangte er, daß mau ihm, da gegen seine Person nichts Lnhonoriges vorgebracht werden könne, die honorige Entlassung aus der Burschenschaft gewähre. Die „Albia" beschloß, den honorigen Austritt nicht zu gestatten, sondern llerzl cum Lnfamia zu chassieren. So w u r de llerzl, d e r B e g r ü n d e r d e s m o (I e r n e n X i o n i s m u s, als , e h r 1 o s" e r k 1 ä r t, allerdings nach Studentenbrauch. Dieser Beschluß erregle aber doch bei einein Teil der Burschenschaft große Unzufriedenheit. Ks imponierte den Studenten die stolze und ehrliche Haltung Herzls trotz seiner im Briefe an die ,,Albia" zum Ausdrucke gebrachten „Respektlosigkeit". Einige Weichen hierauf tagte der Burschenkonvcnl in Angelegenheit Herzls, die ( hassierung wurde aufgehoben, der Austritt bewilligt und llerzl aus der Mit- Palästina-Reisen Am 21. Februar ab Wien über Rom und Neapel mit dem Conte di Savoia zu Purim nach Tel-Awiw Am 19. März ab Wien über Rom und Neapel mit der „vuicania" zu Pessach in Jerusalem Am 10. April ab Wien über Triest mit der „Italia" zur Levante Messe in Tel-Awiw Billige Arrangements / Auskünfte und Prospekte : Reisebüro „MARIENBRÜCKE" ct'alästina^Dicnst, Leitung: Berta Taubes), Wien, I., Rotchturmitra0e 26, Telephon R--24--2-86 und R«24-2«87 24

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