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Wiener jüdisches Familienblatt · 1934-02-15 · 4 (15. Februar 1934) · p. Seite 23

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Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
2 (1934)
Issue
4 (15. Februar 1934)
Date
1934-02-15
Page
Seite 23 (sequence 25)
Language
German
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EUGEN EISLER: 25 Jahre „Jtakoah u Ist os möglich, daß es schon 25 Jahre her sind., als wir den Entschluß Faßten, einen jüdischen Fußballklub zu gründen? Ich kann es kaum glauben, daß schon zweieinhalb Dezennien seither vorübergingen, denn noch gut entsinne ich mich der \\ ohnung dos im Kriege gefallenen Dr. Weinberger in «'er Rembrandtstraße, wo wir nach langen Debatten die Gründung beschlossen. Ich war der älteste dieser begeisterten Jungen und hatte noch das Militärjahr vor mir, da kann man sieh ausrechnen, wie die anderen waren. Gleich nach der Gründung standen wir schon vor der Auflosung, denn wir hatten unser erstes Wettspiel gegen irgendeinen kleinen Verein aus Favoriten 1:10 Verloren. Die Folge davon war, daß ich als Kapitän abgesetzt wurde, worauf ich mir die Stelle des Sektionsleiters usurpierte, die ich auch viele Jahre beibehielt. Das /.weite Wettspiel trugen wir gegen denselben Gegner aus und spielten schon 2:2. Was waren da für Schwierigkeiten zu überwinden, um sieh i„, damaligen Fußballverbande Geltung zu verschaffen! Unsere Glaubensbrüder Fürchteten, daß durch das offizielle Aultreten eines jüdischen Tußballkluhs der Antisemitismus genährt würde und daß wir uns einem Fürchterlichen Terror aussetzen werden. I)0eh wir waren von unserer Idee nicht abzubringen, spielten Sonntag für Sonnlag unser Match u'«d überwanden alle Schwierigkeiten, die sich uns "i den Wen stellten. Bald hatten wir ein eigenes Klubkaffee, ja sogar einen Platz mieteten wir uns U«d /war den sogenannten Himer Platz an der ^lten Donau. Waren das schöne Zeiten! Wir waren wie e'ne Familie; jeden Sonn- und Feiertag waren wir schon um 8 Uhr früh auf dem Sportplatz versammelt, dort tobten wir uns aus und oll wurde es 'I Uhr nachts, bis wir uns entschlossen, heimwärts 'ii ziehen. Vielleicht war dies die schönste Zeit der »Hakoah". Denn w ir alle hingen mit Leib und Sei le an unserem Verein. Wie stolz, waren wir, als wir Unsere erste Tournee nach Bielitz und Troppau Unternahmen und siegreich heimkehrten. Man nahm uns schon in Sportkreisen ernst und auch im Fußballverbande setzten wir uns durch und spielten m der II. Spielabteilung eine gewichtige Rolle. So VNar ich beispielsweise Ohmann des Straf- und Meldeaussehußes, dem als mein Kollegium die Meilen Dr. Ebers thall er und Dr. Fickeis angehörten. Doch dann kam der Krieg, die meisten \oii uns gingen ins Feld iinld wenn einer ins Hinterland kam. so war sicherlich sein erster \\ eg ins Klubkaffee de;- „Hakoah". W elche Freude bereitete uns die kleine Zeitung, die uns unser Arthur Baar ins Feld nächsandte. Was war das für ein Festtag für mich, als ich dieses Walt in die Gefangenschaft im tiefsten .Sibirien, nahe der mandschurischen Grenze, nachgesandt erhielt. Nach dem Zusammenbruche sammelten wir uns wieder um dieblauweiße Fahne der ,,Hakoah"; viele waren auf dem Felde der Ehre geblieben, doch wir übrigen setzten unsere Arbeit Fort. Es kam die große Zeit der ,,Hakoah", die Gründung der diversen Sektionen, die Heise nach England, die Tourneen nach Polen und die erste Palästinareise; ja wir gewannen sogar die österreichische Meisterschaft. Die „Hakoah" war aus einem kleinen Fußballklub ein mächtiger Sportklub geworden. In aller Well wurde unser Name mit Achtung genannt, wo wir hinkamen, gründeten sieh Brudervereine, die unseren Namen trugen. Es kam die erste Amerika-Heise, der viele die Schuld an dem späteren Niedergange des Klubs gaben; doch wir, die wir damals die Vorbereitungen trafen, glaubten, daß nur diese' Heise den Klub vor dem Finanziellen Zusammenbruche retten könnte. Ueber die nachfolgende Zeit will ich nicht sprechen, sie ist ja, glaube ich, allgemein bekannt. Tatsache isl, daß wirklich seil der Gründung 25Jahre verflossen sind, und unsere „Hakoah" stellt unerschüttert da. In \ icr Weltteile wurde der jüdische Sportgedanke von uns getragen und ich glaube wohl ohne Uebertreibung sagen zu können, daß wir in allen Lagern nur Freunde haben, weil wir uns stets bestreben, uberall durch sportliches Auftreten günstig zu wirken. Möge es so bleiben und uns, die wir der ältesten Generation der Hakoah" angehören, vergönnt sein, noch viele Jubiläen des \ ereines und unseres Ideales mitzufeiern. Wir danken aus ganzem Herzen hei dieser Gelegenheit all denen, die mit uns und nach uns an dem Aulbau der Hakoah" mitgearbeitet haben. Mögen siedieselbe Befriedigung haben wie wir, daß sie an einer guten Sache mitgearbeitet haben und so wünsche ich, als Alt-Sektionsleiter, der ,,Hakoah" weiteres Gedeihen und Blühen. 11 e da d! 23

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