Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- 4 (15. Februar 1934)
- Date
- 1934-02-15
- Page
- Seite 22 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/8245601-8695753-8695755--073-8245670- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ihnen. Schon ist das Zimmer besetzt, eine Handvoll Süßigkeiten wird in die Manier gestoppt, der Tisch ist verschwunden, eine Bauernmagd sct/,1 sieh ans Klavier und Horra, Horra: der alte Bauer, die kleinen Mädel, sie alle tanzen den großen Reigen „Nismeeha, Purim Hajom!" Purim: Tel-Avi\ tanzt, Tel-Aviv singt. Rote, grüne Leuchtkugeln schwirren durch die Luft. Eine bunte, phantastische Menge wälzt sich durch die Straßen. Durch sie hindurch Autos mit lachenden, bizarr kostümierten Menschen. Ein großes befreiendes Lachen liegt über diesem Wunder von Stadt und mitten drin tanzen wild und befreit Jungen und Mädel und reißen alles mit. Nicht die Menschen nur, nein, Tel-Aviv, Häuser, Bäume, Autos tanzen. Stramme berittene .jüdische Polizei galoppiert hervor, macht Ordnung. Aber heute ist Ordnung Tanz, und diese sehnigen braunen Hui sehen auf ihren prachtvollen Pferden tauchen ein in den Strudel, das freudig befreiende Lachen umfängt auch sie und Tel-Aviv — nein, das ganze aufatmende Judentum tanzt, tanzt seine wilde berauschende Horra. Spät nachts, es ist ruhiger geworden, der \ ollmond taucht alles in sein blaues zauberhaftes Licht. Ich gehe nachhause durch die Hcrzlstraße. Seine Straße er hat sie nicht erleben dürfen. Aber wir setzen sein Werk fort, wir Tausende von arbeitenden jungen Juden, zu deren Gemeinschaft ich gehöre. Denn wir wollen, „daß es kein Märchen sei" und wir schwören wie er: „Es verdorre meine Rechte, wenn ich Dein vergesse. Jerusalem". Wohngebäude im Kinderdorf Ben Schemen Kolonie En Charoth 22 Purimzug in der Allenbystraße, Tel-Aviv