Mannheim
Compact Memory

Wiener jüdisches Familienblatt · 1934-02-15 · 4 (15. Februar 1934) · p. Seite 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
2 (1934)
Issue
4 (15. Februar 1934)
Date
1934-02-15
Page
Seite 8 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/8245601-8695753-8695755--059-8245656
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

In jüngster Zeit wandern viele sephardische Juden aus Bosnien in Split ein. — An der Spitze der heutigen jüdischen Gemeinde steht Ingenieur \ iktor Chaim Morpurgo, der Nolle und würdige iNachl'olger Vid Morpurgo's, mit dem jungen, für jüdische Geschichte so begeisterten Rabbiner [sak Daniti. Auch die jetzige Gemeinde ist durch und durch zionistisch-palästinensisch eingestellt. Ich habe ausführlich über .Split berichtet, liier an Ort und Stelle kann sich ja Herr Dr. Ivan Majstrovic davon überzeugen, daß es dort, wo die Juden national orientiert sind, keinen Unterschied /w ischen Sephardim und Aschkenasim gibt. Die Schicksale der Juden in Dubrovnik (Ragusa) sind ähnlich jenem der Spliter Juden. Auch die Dubrovniker -luden lebten im Ghetto, aber in diesem Ghetto wirkten große Alänner, wie Didacus Pyrrhus, der Dichter und Philosoph, der Schöpfer des Humanismus der jugoslawischen Literatur und Amatus Lusitanus, einer der hervorragendsten Aerzte seiner Zeit. Einzelne Häuser des einstigen Dubrovniker Ghetto's weisen noch heute die eingemeisselten hebräischen Begrüßungsworte auf. - Auch hier gab es große Rabbinen, alte Gemeindeprotokolle die Dubrovnik, Tempelvorhang, aus Spanien von den Exulanten mitgebracht 8 Pinakes - - und ein selbstbewußtes Judentum, das in engster Verbindung mit jenem in Sarajevo stand. In Bosnien lebten schon vor der Einwanderung der Sepharden -Juden. Es ist ja bekannt, daß sich erster« nur dort niederließen, wo schon -luden ansässig waren. Mein hochverehrter Freund, der Sarajevoer Oberrabbiner Dr. Moric Levi, hat in vielen Wer- Oberrabbiner Dr. Moriz Levy (Sarajevo) ken die eigenartige Mischung jüdischen und spanischen Geistes bei den -Juden Bosniens beschrieben. Auch aus den Pinakes ist sie ersichtlich, während w ieder in den Trachten das Slaw ische hervortritt. ,,()h ke relumbror de novia hermiosa" („Oh, wie glänzt die herrliche Braut"), heißt es in einem Eiede, das man der jungen Braut singt. 'Trotz des spanischen Textes lällt es niemand bei, zu denken, man übe eine spanische .Sitte; lür alle Anwesenden ist es ein jüdischer Brauch, ein jüdisches Eied. Dabei ist die Liebe zur hebräischen Sprache, zu Palästina bei den .Sepharden nie erloschen. Jährlich pilgern viele Hunderte Juden aus Sarajevo und Umgebung, ja selbst aus entlegeneren Teilen Jugoslawiens nach Stolac zum Grabe des Rabbi Mosche Danon, der dort am 20. Sivan 5590 (1830)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.