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Wiener jüdisches Familienblatt · 1934-02-15 · 4 (15. Februar 1934) · p. Seite 4

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Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
2 (1934)
Issue
4 (15. Februar 1934)
Date
1934-02-15
Page
Seite 4 (sequence 6)
Language
German
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DK. LAVOSLAV S1K, Zagreb X ü&ec die w^Uactä luden it% Ju^lcwJ&T Am 11. November 1933 hat Senator Dr. [van Vlajstrovic im jugoslawischen Senate an den Minister eine Anfrage gerichtet, welche die Einwanderung jüdischer Emigranten /um Gegenstände hatte. Dr. [van Vlajstrovic ist Rechtsanwalt in Split, dem römischen Spalato, das seinen Namen dem Palatium des Kaisers Diokletian verdankt. In dieser Interpellation heißt es u. a : „Die ganze Kulturwelt steht unter dein Eindrucke der verabseheuungswürdigen antisemitischen Bewegung, die mit dem heutigen politischen Regime in Deutschland eingesetzt hat. Der Antisemitismus, der sich wie ein roter Faden durch so viele Jahrhunderte bis auf den heutigen Tag zieht, bildet eines der schwärzesten Schandmale in der Geschichte der menschlichen Zivilisation. Wir Jugoslawen können uns rühmen, uns des Antisemitismus' niemals schuldig gemacht zu haben. Man kann uns daher keinerlei antisemitische Tendenzen oder Absichten zur Last legen, wenn wir — trotz, unseres prinzipiellen Standpunktes dem Antisemitismus gegenüber — dennoch der Anschauung sind und grundsätzlich dafürhalten, daß eine Vermehrung des jüdischer Elementes in unserem jungen Staate in keinem falle gutgeheißen werden, sondern uns sogar mit Besorgnis erfüllen kann. Das eingeborene jüdische Element in Jugoslawien gehört dem lateinischen Zweige der Judenheit an, den Sepharden, die schon im 15. Jahrhundert aus Spanien vertrieben wurden und sich auf der Balkanhalbinsel niederließen. Wenn auch dieses Element durch vier Jahrhunderte nicht imstande war, sich der slawischen Bevölkerung zu assimilieren, sondern bis auf den heutigen Tag die Sprache seiner Urheimat beibehalten hat, so sind ihm doch niemals Hindernisse bereitet worden. Gegen dieses eingeborene Element, dem laut unserer V erfassung alle bürgerlichen Rechte'in vollem Maße gewährleistet sind, gedenken wir nicht aufzutreten. Das gleiche kann man nicht von den sogenannten „germanischen"' oder „askenasischen" Juden sagen, die sieh im Laufe der Zeiten angerufen und unerwünscht (namentlich in den, heule zu unserem Staate gehörenden nördlichen Gebieten ansiedelten. Diese Juden haben sich der aufochthonen slawischen Bevölkerung nicht nur nicht assimiliert, sondern sind ihr in Bezug auf Sprache, Mentalität und Aspirationen immer fremd geblieben. Wir können es nicht vergessen, daß die germanischen Juden bis zur nationalen Vereinigung und leider auch nach dieser die zähesten Träger der pangermanischen Kulturmission auf dem Balkan, die Stützen der antinationalen Regime waren und daß sie sich dem \ olke, in urtd von welchem sie lebten, von wenigen seltenen Ausnahmen abgesehen, nie dankbar oder geneigt erwiesen haben." Ich hoffe noch später einmal Gelegenheit zu haben, über diese Interpellation und die am 30. November 1933 gegebenen Antworten ausführlich zu sprechen. Heute möchte ich dem Judentume in der weiten Welt einiges über die günstige Lage der sogenannten ,,sephardischen" Juden in -Jugoslawien und wie es zu dieser gekommen ist, berichten. Im Zusammenhange damit seien aber schon hier die Worte wiedergegeben, mit denen Minister des Innern Zivojin Lazic seine Antwort auf jene Interpellation schloß: „Die Gründe, die mich bewogen haben, den jüdischen Emigranten Asyl zu gewähren, sind: die bekannte Tradition unseres Landes, politischen Emigranten ein Asyl zu geben, und unsere angeborene Toleranz allen Glaubensbekenntnissen gegenübc Wir haben keine \ eranlassung, von diesen Grundsätzen unserer Religionspolitik abzugehen, wenn es sieh um die Angehörigen der jüdischen Religion handelt, und wir werden darin konsequent bleiben. Wir haben umso weniger Veranlassung dazu, als es bekannt ist, daß unsere Juden mit unserem Volke stets in Eintracht gelebt, zur Gründung Jugoslawiens auch auf den Schlachtfeldern mitgewirkt und auch sonst zum Ausbau seiner materiellen und geistigen Kultur beigetragen haben. Indem wir den Emigranten Asyl gewähren, verlangen wir aber und achten wir auch darauf, daß diese Flüchtlinge gleich jenen aus früheren Zeiten die ihnen erwiesene Gastfreundschaft ehren, 4

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