Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- 3 (Jänner 1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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M. y.'BEN-GAVRIEl (JERUSALEM) Px&astLtoa ALS ORANGENLAND Die ganze Küstcnehene, das ewige Schlachtfeld l'alästinas, von der Zeit Deboraiis über, die Kreuzzüge und Napoleon bis in den Weltkrieg, die Ebene Yesreßl, das Jordantal und die Umgebung cies Tiberiassces tiefern die Jaffa- ■■lange, die ihres Aromas wegen, ihrer Kernlosigkeit und .lirer Größe selbst der kalifornischen Frucht vorgezogen wird. Hund drei Millionen Kisten Orangen und Grapefruits verlassen alljährlich das Land, von denen rund sechzehn Herzcnl nach Deutschland gehen. VA ie wachst nun diese Frucht? In kurzen Zügen sei der Werdegang der Orange dargestellt: in eigenen „Maahtelot", in Setzlingsbaumschulen — in der Nahe des jüdischen Dorfes Benjaminah im Norden des Landes befindet sich der vielleicht größte Orangenkindergarten der Well wird der junge Baum aulgezogen, bis er, etwa im /.weiten Jahr, ms Freiland ausgesetzt wird. Das heißt: in gut aufgelockerten) lioden wird der Pardefi die Orangerie derart angelegt, daß, bei Arabern drei, bei Juden sechs bis acht Meter Zwischenraum zwischen jedem, inzwischen veredelten Baum freibleibt. Die letztere Methode, die als die moderne gilt, hat den Vorteil, daß der Hoden dauernd ■ml maschineller und tierischer Kraft bearbeitet werden kann. Die erste Voraussetzung für die Anlage einer Orangenpflanzung ist das Vorhandensein von W asser, die zweite cm leichter Hoden. Jeder Baum muß in den regenlosen acht Monaten des Sommers allmonatlich zumindest einen haihon Kubikmeter Wasser bekommen. Die Bäume, die Jüdische Arbeiter beim Sortieren Arabische Arbeiter beim Harken der Orangen nicht sehr hoch, aber bei richtiger Behandlung sehr breit wct'den, beginnen im fünften oder sechsten Jahr flüchte zu tragen, doch kommen sie erst im zehnten bis fünfzehnten Jahr zum Maximalertrag. Dieses Maximum kann in guten Jahren die erstaunliche Höbe von zweihundert Stück pro Haum erreichen, was je nach der Marktlage einen Wert vom 100 bis 200 Schilling bedeute!. Natürlich ist dieser Ertrag durchaus nicht risikolos, denn diese Edeürticht ist stets von bedeutenden elementaren Gerfahren bedroh!. Der heiße Ostwind und Stürme oder Hagel im Frühjahr sind Feinde der Blüte, die einen sehr starken, unbeschreiblich süfien Duft besitzt, während Stürme in der Hegenzeil die Frucht abweiden und sie so für den Export unbrauchbar machen. Ucberdics gibt es eine ganze Kollektion Von Insekten und Filzen, die' imstande sind die schönsten Erwartungen und besonders die Berechnungen der Händler, die zumeist die Frucht zur Blütezeit schon aufkaufen, zunichte zu machen. Von Jahr zu Jahr breitet sich die zu etwa gleichen I eilen in arabischen und in jüdischen Händen befindliche Anbaufläche von Zitrusfrüchten, welche heute den respektablen Umfang von rund zehntausend Hektar hat, aus, doch gehl der eins! seinbedeutende Anbau von Zitronen (infolge des völligen Wegfalles des russischen Marktes) auf Kosten der Orange und der Grapefruit stark zurück. Dieses Zurückgehen bedeutet aber eine Wertsteigerung dei Anbaufläche, da die beiden letztgenannten Früchte an Wert die Zitrone bedeutend überragen. 33