Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- 3 (Jänner 1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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sehe Platte? Nein es ist Tempelgesang. Das sind die weichen, schluchzenden, wehmütig melancholischen Melodien der jüdischen Kantoren. Es ist jüd i s e h - a n d a 1 u s i s c h e \ t u s i k. Zu dieser Musik tanzen heute die Zigeunerinnen in Granada, die Revueschönheiten in Madrid und Sevilla. * In Toledo lebte Jehuda Halevi. In Toledo angeblich sogar schon von jenen Juden gegründet, die nach der /Zerstörung Jerusalems durch Nebukadaezar Palästina verließen steht heute noch die Sinagoga del Transite Ihr wundervoller Mudejarstil konnte von den Calavatra-Rittern, die hier später einzogen, nicht zerstört werden. Man liest auch an den Wänden hebräische Inschriften, man sieht die Stelle, wo einmal die Bundeslade stand. Toledo ist auch die Stadt Grecos, der vielleicht der größte spanische Maler war. Unweit der Transite Synagoge stehen das Greco-Muscum und das Greco-Haus in der Samuel Levy-Gassc, so genannt nach dem Erbauer der Synagoge, dem früheren Besitzer des Greco-Hauses. In Cordoba geht man durch die schmalen, krummwinkeligen Gäßchen, zuweilen kommt einem ein beladener -Maulesel entgegen, dann muß man sieh an die Wand drücken, um ihn vorbeizulassen; plötzlich steht man auf einem kleinen, sonnigen, vc! lassenen Platz: ,Plazuela de Maimonides". In Cordoba ist der große Philosoph geboren. (Uebrigens auch Seneca.) Mit 13 Jahren, im «Jahre 1148 flüchtet Maimonides anläßlich einer der vielen Judenverfolgungen. A b er sein N a m e 1 e u cht et d u r c h d i e J a h T h u n d e r t e Li n d der N a in e s e i n er V e r 1 o Igor i s t a u sge J ö s cht. In der engen Calle Juidos mit zerfallenen Mauern trete ich durch das Haus Nr. 18. Iiier steht eine winzigkleine Synagoge, in der der junge Maimonides betete. Meute ist Cor d o b a stolz a u 1 dies e Erinnerung. In Marokko verehren die Mohammedaner einen Sidi Maimun. E s ist n i e m a n d a [Tide r e r a l s Mai m HD n i d e s, d e s s e n 1, e h r e n noch immer bei einem fremden Volk lebendig s i n d. Tetuan liegt im spanischen Marokko, eine Autostunde von Ceuta, der kloinen Stadt an der Meerenge von Gibraltar. T e t ü a n h a t ei n j ü d i s e h o s Ghetto m i t ü b e r 600Ö S e o 1 e n. Nur wenige sind Sephardim, also Nachkommen der aus Spanien geflüchteten Juden. Man nennt sie Rumis. Die Mellah, das Ghetto, besteht hauptsächlich aus marokkanischen .luden, die hier seit vielen Jahrhunderten hausen. Sie führen ein trauriges Loben. Die Mellah steht, von Mauern umgeben, dicht neben Kasba. dem Palast und dem arabischem Viertel, damit Haid WJümüv ioqveb (ju^stam^a) Neues Haus direkt im Zentrum Jeder Komfort die .luden vom Kalifen leicht zu beschützen u nd zu untere! r ü c k o n s i n d. Die -Juden in Tetuan unterscheiden sich von den Arabern nur durch den schwarzen Eez. Alit den oft wild wuchernden Barten, dem bunten Kaltau, den klappernden Lederpantoffeln sind sie echte Söhne dos Orients. Wie armselig wohnen sie! In kleinen Löchern, deren Türen weit offen stehen. Tagsüber ist in dem Gewirr der Mellahgäßchen lärmendes Leben, dichtestes Gedränge. Es wird Markt gehalten, es wird gefeilscht, Kinder holen Wasser aus uralten Brunnen, Esel drängen sich zwischen die vielen Menschen. Zehn -Jahre nach der Eroberung -Jerusalems durch Alexander den Großen sollen die Ptolemäer die ersten -Juden nach Mauretanien gebracht haben. Im -Jahre 115 n. Chr. wandern andere -Juden aus Palästina nach Marokko, welche die Reimer vertrieben hatten. Um das -Jahr 800 kommen die ersten von den Omajaden vertriebenen Juden aus Spanien. Zur Zeit der Almohaden, als Maimonides lebte, wurden die spanischen -luden gezwungen, den Islam anzunehmen oder auszuwandern. Sie zogen das letztere vor und gingen nach Marokko. Aus der langen, immer wieder durch Verfolgungen gekenn- 16