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Wiener jüdisches Familienblatt · 1934-01-01 · 3 (Jänner 1934) · p. Seite 15

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Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
2 (1934)
Issue
3 (Jänner 1934)
Date
1934-01-01
Page
Seite 15 (sequence 17)
Language
German
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HEINRICH B. KRANZ Spanische Juden — marokkanische Juden Nur um Impressionen handelt es sieh, um flüchtige Eindrücke von einer flüchtigen Heise. Um kleine Begegnungen, die man nebenbei hat, ohne sie zu suchen. In der Schule lernt man viele Jahreszahlen. Alan lernt: 1492 das ist das Jahr der Entdeckung Amerikas. Warum lernt man nicht auch: 1492 das Jahr der Vertreibung der Juden aus Spanien? Ja, gerade als eine neue Welt entdeckt Wurde, hat man eine alte zerstört. 1492 war Spanien auf dem Höhepunkt der Macht. Dann begann sein Niedergang. 1492 starben tausende Juden den Märtvrertod. Dreihunderttausend wanderten aus: nach Portugal und Italien, nach Aegypten und Marokko. Zehntausende nahmen die Taufe. Und schon früher hatte es viele [Viarannen gegeben Scheinchristen. Von 1492 bis in die jüngste Zeit war es für luden nicht möglich, sich in Spanien niederzulassen. Seltsam kurioser Gedanke, daß gerade in Spanien dieses grausame Verbot erlassen wurde. Denn das spanische Volk setzt sich aus Iberern, Berbern sowie jenen semitischen Stämmen zusammen, die aus Afrika kamen. Wir kennen auch ein Buch eines Kardinals aus der Zeit König Philipp II., in welchem bewiesen wurde, daß in den Adern aller Familien Spaniens, die den spanischen Adel bilden, maurisches oder jüdisches Blut Hießt. Dazu kamen noch Heiraten mit [Viarannen. Gingen die [Viarannen völlig im Spaniertum auf? Den Glauben bewahrten sie lange. Heimlich, von Gefahren nicht abgeschreckt, haben viele Familien ihr -lud e n tu m bis a u I d e n h e utigen 'Tag gerettet. Ich traf in Toledo die Gattin eines Schriftstellers. Sie erzählte: „Als man in Spanien wieder Jude sein durfte, erklärte mein Vater, daß wir eigentlich Juden sind. Das Geheimnis unserer Abstammung w urde über 400 Jahre vom Haupt der Familie dem jeweils ältesten Sohn überliefert. Loh selbst bin eine andalusisehe Jüdin und bin stolz, darauf. Ich hoffe, ich kann bald nach Palästina gehen." Ich kam dann in ihr Maus. Sie zeigte mir große, vergoldete Schüsseln Pessachschüsseln. „Ich habe sie in Bauernhäuser in der Umgebung entdeckt. Da sehen Sie die hebräischen Inschriften'. Und hier das sind ('hanukaleuchter. Ich habe sie aus einem anderen Dorf. Lud hier — ein jüdischer Becher, mit hebräischen Buchstaben geschmückt. Das alles haben 1492 die Auswanderer verkauft. Sie mußten Gold für ein paar Schuhe, ein Haus für einen Maulesel hergeben." Der Gatte schreibt ein Buch. „Ueber den Einfluß der jüdischen auf die spanische Musik." Er spielt mir eine Grammophonplatte vor: „Malaguenas". (His Masters Voice H. E.3286). Eine spani- HOTEL D'ITALIE BAUER-GRÜNWALD VENEDIG ITALIEN 15

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