Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- 3 (Jänner 1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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(e die „Ewsekcia" (Kommissariat für jüdische Fragen) dadurch unmöglich, daß sie dieses Theater mit ungewöhnlichen Steuern belastete. Hingegen begünstigte dieselbe „Ewsekcia" das „Kämtaertheater Granowskis", in welchem nur Jiddisch gespielt wird. Darum entschloß sich die „H abima h", S o w j e t r u ß 1 a n d zu verlassen. Die Auslandsreise n der Habiraah-Truppe w ar e n wahre Tri u m p h z ü g e. In München wurde im März 1931 der Rowina der Antrag gestellt, drei Monate der Erholung und der Erlernung der deutschen Sprache zu widmen und dann in den \ erband des Münchner Schauspielhauses einzutreten. Aber die kollegiale Treue war stärker als die Lockung des ehrenden Angebotes, und die Rowina blieb bei ihrem Theater und ihren Kunstkameraden. Vierzig Vorstellungen gab die „Habimah" in dem schon damals nicht gerade judenfreundlichen, urbaju\arischen München, und Publikum und Presse waren einig im Lob und rückhaltsloser Bewunderung der „Habimah". Auch sali man diese Schauspieler in Wien mehrmals spielen. Es war vielleicht das erstemal der Fall, daß alle Blätter jeder Richtung und Partei mit einem wahren En t h u s iasm u s in g er ech t e r und wo h1v e r d i e n t e r W e i s e die gewaltige Kunst d e r ,,1 [ a bi m a h" w ü rdigte n. Und wie konnte es anders sein. Alle, die diesen Vorstellungen beiwohnten, waren von der großen und eigenartigen Kunst der Moskauer tief ergriffen. Die „H a b i m a h" b r a c h t e F a r b e n, d i e \Y e s t e u r o p a n icht m e h r b e s a ß. Man horchte auf, war von den unbekannten Klängen der hebräischen Sprache erschüttert wie von einer erhabenen, leierlichen und düsteren Melodie. Viele halten bei diesen Darbietungen das Gefühl, daß sie zum ersten Mal unbekannten Wirkungen des Theaters ausgesetzt waren. M a n e m p f a n d ihr Spiel als Gottesdienst. So war es beim „Dybuk", beim „Golem" und bei „Jaakobs Traum". Schaljapin, der zurzeit in Wien weilt, sprach mit mir vor einigen Tagen auch viel über zeitgenössische Schauspieler. Er schätzt die deutsche, italienische, französische, amerikanische Schauspielkunst hoch; seine größte Bewunderung und Verehrung aber gehört de n M oskaucr h e b r ä i s c h e n Künstl e r t h e a t e r „1 la b i m a h". „Der Name Stanislawski", sagte Schaljapin, „war und ist bis heute Eür mich der höchste Inbegriff der Schauspielkunst. Als ich jedoch vor mehreren Jahren in Moskau einer Vorstellung der „Habimah" beiwohnte, sah ich ein, daß die Kunst dieser Schauspieler, wenn auch in anderer Form, eine noch größere, gewaltigere Wirkung ausübt. Ich hörte ganz fremde Laute und Worte, aber ich hatte sie dennoch verstanden. Diese Menschen spielen nicht, sie zelebrieren. Ich verließ die Vorstellung der „Habimah" erschüttert. Für das ganze Leben bleibt mir die Erinnerung, daß m i r a n j e n e in A b e n d d i e w a h r e und t i e fs t e kün s 11 e r i s c h e B e 1 r i ed i g u n g zuteil w u r d e." Drei Batlonim in „Dybuk" CRISTALLERIE MUHLFELD 1clhtI fTl fI^a' ^I IX., SERVITENGASSE 5 TELEPHON A-16-7-49 14